Herbert Weiß: Eine Frage der Wertigkeit

In den letzten Wochen gab es in den Medien immer mehr Berichte über Gewalt an Österreichs Schulen. Trauriger Höhepunkt der Vorkommnisse war wohl der geplante Amoklauf im Schulzentrum Mistelbach vor eineinhalb Wochen. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn nicht eine technische Panne den Täter an der Umsetzung seiner grausamen Pläne gehindert hätte.

Der angeschossene Schüler ist nicht sehr schwer verletzt worden. Einige SchülerInnen und KollegInnen haben die Tat unmittelbar mitbekommen, von den über 1000 war ein Teil auf dem Heimweg, ein Teil im Schulhaus. Der Einsatz des Kriseninterventionsteams und der SchulpsychologInnen hat sich sehr bewährt. Die betroffenen DirektorInnen und ihre Teams haben vorbildliche Arbeit geleistet. Ihnen allen gebührt dafür unser Dank.

Obwohl es bei der Tat nach Angaben der polizeilichen Ermittler keinen schulischen Zusammenhang und keine Vorzeichen oder Ankündigungen im Umfeld der Schule oder des Täters gab, stelle ich mir folgende Fragen:

  • Was kann getan werden, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern?
  • Welche Sicherheitsmaßnahmen können in Schulen getroffen werden, um im Fall von Terroranschlägen die Zahl der Opfer möglichst gering zu halten?

Wohl niemand von uns wünscht sich, dass unsere Schulen in Hochsicherheitstrakte verwandelt werden, wie es in anderen Ländern leider schon Realität ist. Schule lebt von der Öffnung nach außen und muss weiterhin auch für „Schulfremde“ zugänglich sein. Muss man aber wirklich in Schulgebäuden ein und aus gehen können, ohne dass man jemandem mitteilen muss, was der Zweck des Besuchs ist?

War der Schulwart oder die Schulwartin am Eingang, wie dies in Schulen früher gang und gäbe war, vielleicht doch ein „Personalaufwand“, den der Dienstgeber nicht einsparen hätte sollen?

Besonders wichtig erscheinen mir – wie dies auch die zuletzt direkt betroffenen DirektorInnen öffentlich geäußert haben – technische Möglichkeiten, damit im Ernstfall wichtige Informationen unverzüglich an alle SchülerInnen, LehrerInnen und das gesamte Personal im Schulgebäude gelangen können. Diese bereits bestehenden Forderungen von DirektorInnen wurden in den letzten Jahren von den Schulbehörden – meist aus Kostengründen – abgelehnt. Es bleibt zu hoffen, dass nicht erst ein zur vollen Umsetzung gelangter Terroranschlag an einer Schule die Verantwortlichen zum Nach- und Umdenken bringt.

Sicherheit für SchülerInnen, LehrerInnen, DirektorInnen und andere Bedienstete hat ihren Preis, ist aber ein hoher Wert. Das sollte allen bewusst sein, nicht nur nach einem glücklicherweise missglückten Amoklauf.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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