Vom zweiten Dollar

Am 2. Mai wurde im Ministerrat das „Vorhaben des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung im schulischen Bereich zur Optimierung von Bildungswegentscheidungen, zur Präzisierung der Notengebung und zur Weiterentwicklung der Neuen Mittelschule (NMS)“ zur Kenntnis genommen. (1) Dieses Vorhaben beinhaltet folgende Punkte:

  • Präzisierung der Schulreifekriterien: Es soll ein österreichweit gültiger und verbindlicher Katalog von Kriterien für die Schulreife entwickelt werden, da derzeit offensichtlich unter Schulreife sehr Unterschiedliches verstanden wird, wenn in der Steiermark 1 % und in Salzburg 24 % der Kinder die Vorschule besuchen. (Pilotierung 2019/2020; österreichweite Ausrollung ab der Schuleinschreibung für das Schuljahr 2020/2021)
  • Einheitliche Talente-Checks und Optimierung von Bildungs- und Berufswahl: In der 3. und 7. Schulstufe sollen verbindliche „Talente-Checks“ durchgeführt werden, deren Ergebnisse mit Eltern und SchülerInnen besprochen werden. Sie sollen die Grundlage für die Beratung hinsichtlich der weiteren Schullaufbahn des Kindes sein. (stufenweise Einführung ab dem Schuljahr 2019/2020)
  • Noten in der Volksschule: Vorgesehen sind Ziffernnoten und eine verbale Beurteilung. (Umsetzung ab dem Schuljahr 2019/2020)
  • Weiterentwicklung der Lehrpläne (stufenweise Einführung ab dem Schuljahr 2021/2022)
  • Weiterentwicklung der NMS: „Die beabsichtigten Reformen betreffen die Noten, Notensystematik, die Möglichkeiten der Leistungsdifferenzierung und die inhaltliche Schwerpunktbildung an der Mittelschule“. (Umsetzung ab dem Schuljahr 2019/2020)

Sehr konkret ist das freilich nicht. Dafür, und das ist sehr zu begrüßen, kündigt BM Faßmann im Ministerratsvortrag einen „Prozess mit den Stakeholdern (Eltern-, Lehrer-, Schülervertretern, Wissenschaft etc.) sowie den Bildungsdirektoren“ an, um die „Weiterentwicklung der NMS“ voranzutreiben.

Aus persönlichen Gesprächen mit ihm weiß ich, dass er keine Revolution, sondern eine Evolution im Dialog mit den Betroffenen anstrebt. Insofern handelt es sich beim Ministerratsvortrag erst um eine Ankündigung von Projekten und nicht schon um die Präsentation eines Ergebnisses.

Bleibt – auch mit dem Blick auf die projektierte Zeitschiene – die Frage, warum diese Ankündigung jetzt erfolgt ist.

Henry Ford meinte einmal: „Wenn Sie einen Dollar in Ihr Unternehmen stecken wollen, so müssen Sie einen weiteren bereithalten, um das bekannt zu machen.“ Mir kommt es so vor, als ob hier der zweite vor dem ersten ausgegeben worden ist.

(1) Vortrag an den Ministerrat 16/18 vom 2. Mai 2018.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Vom zweiten Dollar

  1. Warum diese Ankündigung jetzt erfolgt ist?
    Die Regierung betreibt „kontrolliertes Informationsmanagement“ („message control“), d.h., jede Woche darf / muss ein anderer Minister etwas sagen, was dann in die Auslage gestellt wird. Dass der Bildungsminister ausgerechnet in der Woche zu Wort kommt, in der die Zentralmatura beginnt, ist naheliegend.

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