Herbert Weiß: OECD will Kommerzialisierung der Schule

Vor einigen Tagen hat mich ein Kollege auf eine interessante Sendung im ZDF aufmerksam gemacht, in der unter anderem der überbordende Einfluss der Wirtschaft bzw. der OECD auf die Schule angeprangert wird. (1)

In der Sendung wird die These vertreten, dass der PISA-Test „schief liege“, da er ausschließlich jene Fähigkeiten abfrage, die später für die Wirtschaft relevant sind. Nicht nur wir LehrerInnen befürchten also, dass die Qualität unserer Schulen in Hinkunft vor allem unter diesem Blickwinkel beurteilt werden wird, wenn sich die OECD-Lobby durchsetzt.

Unterstrichen wird diese These durch die folgende Passage: „Die OECD fragt ja vor allem nach Kompetenzen, die nur für die Wirtschaft von Interesse sind, als ob Schule ein Zuliefererbetrieb sei für die Ökonomie. Und sie hat ihre Klienten gefälligst fit zu machen für die Wirtschaft. Man spürt hier den Durchgriff des Geldes auf die Schulen. Und diese ständigen Tests, die sollen ja Qualität sichern. Auch so ein Begriff aus der Wirtschaft: Qualitätssicherung. […] Auf jeden Fall wird so aus dem Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern Misstrauensmanagement. Und aus den Tabellen lässt sich dann angeblich der Erfolg ablesen. Also das, was ökonomisch am wünschenswertesten ist.

Im Gegensatz dazu wird betont: „Je emotionaler wir involviert sind, desto tiefer prägt sich uns das Gesehene ein.“ Auch die Hattie-Studie wird erwähnt, die zu Recht betont, wie wichtig die soziale Kompetenz der Lehrkraft ist. „Ein guter Draht zu den Schülern, gegenseitiges Feedback und Glaubwürdigkeit stehen weit oben auf seiner Liste. Was wir von einer leidenschaftlichen Lehrkraft lernen, entfaltet größere Wirkung. Schulmaßnahmen sollten deshalb die Motivation der Lehrer stärken und fördern. So profitieren die Schüler am meisten. […] Nicht Digitalisierung und Whiteboard, sondern schlicht das menschliche Miteinander von Lehrern und Schülern können aus jedem Klassenraum einen Garten der Freude, der Neugier und der Phantasie machen. Eine glaubwürdige Lehrerpersönlichkeit, die kompetent ist und entspannt, überzeugt die Schüler, inspiriert sie und regt sie an. Aber dafür braucht es Freiräume und natürlich viel Zeit, also kein Gehetze durch die Lehrpläne.

Den Aussagen am Ende der Sendung ist aus meiner Sicht nichts mehr hinzuzufügen, außer, dass sie auch in Österreich auf fruchtbaren Boden fallen mögen: „Schule ist doch das humanistische Projekt, inspiriert von der Vorstellung, dass der Mensch sich bilden kann, weil er staunt, weil er neugierig ist und weil er aus seinen Fehlern und Irrtümern lernen kann. Überlassen wir die Schule endlich denjenigen, die dort miteinander versuchen, das Beste zu erreichen, zu dem Schule fähig ist: aus jungen Menschen Persönlichkeiten werden zu lassen, die mit Selbstbewusstsein und Freude in ihr Leben gehen und mit dem Ziel, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

(1) Durchgefallen? Schule auf dem Prüfstand. ZDF vom 27. Februar 2018.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Herbert Weiß: OECD will Kommerzialisierung der Schule

  1. Dasselbe, was über das Verhältnis zwischen SchülerInnen und LehrerInnen zutrifft, gilt auch für das Verhältnis zwischen LehrerInnen und DirektorInnen, Misstrauen, Mobbing erzeugt Demotivation. Wie fließen diese Erkenntnisse in die Direktorenbestellung, in die Hearings ein?

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