Herbert Weiß: Vertrauen

Das Vertrauen in die Schule wurde in unserem Land von der Politik seit vielen Jahren untergraben. Statt den Leistungen unseres Schulwesens und seiner LehrerInnen Anerkennung zu zollen – und für Anerkennung hätte es nie an Gründen und Anlässen gemangelt –, stellten die Bildungsministerinnen Österreichs Schule als desaströs hin. Sei es, um sich selbst medial zu inszenieren, sei es, um ideologisch motivierte Reformen durchzuboxen und / oder unsere Unterrichtsverpflichtung im Rahmen dieser Inszenierung erhöhen zu können. Das Ergebnis: eine Schullandschaft, die von Baustellen übersät ist. Die Aufräum- und Sanierungsarbeiten scheinen nun endlich anzulaufen. Zu hoffen ist, dass mutige Maßnahmen möglichst schnell die Rahmenbedingungen für Lehren und Lernen spürbar verbessern.

An der Behebung eines Schadens aber wird jahrelang zu arbeiten sein: am Wiederaufbau des Images, das unserem Schulwesen zuteilwird, und des damit verbundenen Vertrauens der Eltern in die Arbeit, die Österreichs LehrerInnen für deren Kinder leisten. Konrad Paul Liessmann ist leider nicht zu widersprechen: „Man hat kein Vertrauen mehr in jene Menschen, die im Bildungssystem arbeiten.“ (1)

Finnish education is characterised by a high level of trust in all the parties concerned, in particular teachers. This enables highly trained individuals to perform well and to remain highly motivated.“ (2)

Wie oft wurde in den letzten eineinhalb Jahrzehnten Finnland als Vorbild und Begründung für diverse Politmanöver genannt! Man hat jedoch „großzügig“ darauf hinzuweisen vergessen, dass Finnlands Schule aber auf dem Fundament einer sie wertschätzenden Politik steht und Finnlands LehrerInnen von SchülerInnen, Eltern und Öffentlichkeit als Fachleute der Bildung respektiert und wertgeschätzt werden und auf dieser Basis wesentlich leichter erfolgreich wirken können.

Vertrauensverlust lässt sich leider nicht von heute auf morgen und sicher nicht durch Gesetze und Verordnungen reparieren. Vertrauen muss wachsen. Wachstum braucht Zeit, verdient aber von den schulpolitischen VerantwortungsträgerInnen jede Unterstützung. Vertrauen sollten sie auch bei dieser so wichtigen Langzeitaufgabe auf die Expertise der wirklichen ExpertInnen unseres Schulwesens. Und das sind ohne Zweifel Österreichs LehrerInnen und deren Vertretung.

(1) Konrad Paul Liessmann, PISA ist verzichtbar. In: Salzburger Nachrichten vom 5. Dezember 2013.

(2) EU-Kommission (Hrsg.), Education and Training Monitor 2015 – Country analysis (2015), S. 90.


5 Gedanken zu “Herbert Weiß: Vertrauen

  1. Zwei Gedanken zum Lamento darüber, dass die österreichische Schule ein schlechtes Image hat:

    1. Was, bitte, hat denn in Österreich – der Suderanten-Nation schlechthin – überhaupt ein gutes Image? Jetzt sind ja nicht einmal mehr die Schifahrer sakrosankt. Wir Lehrer sollten nicht so wehleidig sein – anderen Berufen geht es auch nicht besser.

    2. Die Zentralmatura wäre eine Chance gewesen, die Leistungen der Höheren Schulen zu dokumentieren. Aber die Lehrerschaft – inklusive der AHS- und BHS-Gewerkschaft – hat es widerspruchslos zugelassen, dass eine Farce daraus wurde, mit einem Viertel Sehr Gut in den Sprachfächern. Und wenn in Mathematik als einzigem Gegenstand realistische Noten herauskamen, dann galt das als Betriebsunfall.
    In Deutsch kamen 2015 auf ein Nicht genügend bei der Zentralmatura 199 (einhundertneunundneunzig) Sehr gut. Publiziert wurde das erst im Mai 2016 – niemand hatte bis dahin die Zahlen eingefordert. Und als sie dann heraußen waren, hat niemand eine solche Absurdität hinterfragt – kein Journalist, kein Lehrer, kein Gewerkschafter, auch kein Politiker von der Opposition.
    Und wir grämen uns, dass wir dafür nicht auch noch gelobt worden sind?

    Anmerkung Quin: Der Gewerkschaft die Verantwortung für die Zentralmatura umzuhängen, hat etwas (wohl unfreiwillig) Komisches. Wer die Stellungnahme der AHS-Gewerkschaft zur Einführung der Zentralmatura liest, dürfte einen „etwas“ differenzierteren Eindruck gewinnen.

    1. Aus meinem Posting geht aber schon hervor, dass es nicht um die EINFÜHRUNG der Zentralmatura geht, sondern um den Modus der Notengebung. Auf Seite 6 der von Koll. Quin verlinkten „Stellungnahme“ wird dieser zwar angesprochen, aber im Hinblick auf Zuständigkeit, nicht Niveau. Außerdem war das 2012: Wo ist die Evaluierung der drei Zentralmatura-Jahrgänge 2015 – 2017?
      Wir Lehrer spielen jedenfalls brav die Rolle der Claque. Und niemand findet etwas dabei.

      Man bräuchte ja nur einen Moment lang nachzudenken: Wie kann es etwa sein, dass in einem validen Testverfahren die Noten in Mathematik so deutlich abweichen von Deutsch, obwohl beides Pflichtfächer sind (es also keine Flüchtlinge geben kann wie in den Fremdsprachen) und für beide dieselben Notendefinitionen gelten?

      1. Aber abgesehen von den Notendefinitionen gibt es auch noch einen Lehrplan, auf den sich diese beziehen, oder? Könnte es sein, dass der Lehrplan in den einzelnen Fächern sehr unterschiedliche Dinge fordert, auf sehr unterschiedlichen Anspruchsniveaus?

        Die Noten in den lebenden Fremdsprachen bilden das erreichte Niveau laut Lehrplan meines Erachtens sehr treffend ab. Ein „Sehr Gut“ in Englisch entspricht in jedem Fall einem Kompetenzniveau jenseits des Lehrplans, genau wie es die Notendefinition fordert.

      2. Zu Andreas Kaplan:

        1. Wenn der Lehrplan in Mathematik wesentlich fordernder ist als z.B. in Englisch, dann gehört doch wohl mindestens einer diese beiden Lehrpläne überarbeitet, oder? Wenn die Zentralmatura hier eine Baustelle zutage gefördert hat – wieso nimmt dann niemand Krampen und Schaufel in die Hand?

        2. Die Notendefinition für Sehr gut verlangt eine Leistung, welche die Anforderungen in „weit über das Wesentliche hinausgehendem Ausmaß“ erfüllt. Wenn österreichweit (d.h. nicht nur in Gymnasien mit Latein ab der 3. Klasse) angeblich ein Viertel aller Englischmaturanten Überflieger sind, dann stimmt entweder die Leistungsanforderung nicht, oder die Messlatte ist falsch:
        Wo hätte es das denn das VOR der Zentralmatura gegeben, dass ein Viertel aller SchülerInnen ein Sehr gut bekamen? Waren die alle um so viel leistungsschwächer damals? Was ist mit der Gauss’schen Normalverteilung? (Gilt die plötzlich für Schulnoten nicht mehr?) Oder hat die Zentralmatura vielleicht einen gewaltigen pädagogischen Aufschwung innerhalb weniger Jahre verursacht? Wieso aber dann nicht auch in Mathematik? Wieso haben sich nur dort die Noten vor und nach der Zentralmatura NICHT wesentlich verändert?

  2. Glauben Sie wirklich, dass Eltern – und Öffentlichkeit – nicht unterscheiden können zwischen den Leistungen von Lehrkräften und dem, wie ein paar mittlerweile in der Versenkung verschwundene Ministerinnen darüber dachten? Menschen können urteilen. Sie entscheiden sich für einen Zahnarzt oder einen Chirurgen, weil sie davon überzeugt sind, dass sie beim ihm gut aufgehoben sind. Vertrauen entsteht durch gute Arbeit, aber nicht durch die Lobhudeleien von Politikern.

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