Herbert Weiß: Ein gutes Fundament

Dem österreichischen Schulwesen wird immer wieder nachgesagt, dass es teuer und ineffizient sei und dringend reformiert werden müsse. Dr. Martina Salomon hat sich dazu folgendermaßen geäußert: „Im Laufe der Jahre und vieler, vieler erfolgloser Reformen ist leider das System fast kaputt gegangen.“ (1)

Daraus könnte mancher den Schluss ziehen, dass das System so schlecht sei, dass die besten Reformen es nicht verbessern konnten und die Reformunwilligkeit der Betroffenen am Ende fast zu seiner Zerstörung geführt hätte. In Wahrheit ist aber wohl das Gegenteil der Fall. Nicht das System ist schlecht, sondern die großteils ideologisch motivierten oder dem Spardiktat folgenden, meist wenig durchdachten und gegen den Willen der Betroffenen durchgezogenen Reformen haben nicht das gebracht, was man im Vorfeld propagiert hat. Das meinte wohl auch der Bildungswissenschafter Univ.-Prof. Dr. Hopmann, als er sagte: „Österreich ist in einem Punkt genial: Es funktioniert nicht wegen, sondern trotz. Die Schulen haben so eine Kultur, ich nenne das die ‚Kultur des kontrollierten Regelverstoßes‘. Die machen solange vernünftige Arbeit, wie keiner kommt und meckert. Und das ist enorm, was manche Schulstandorte, manche Schulleitungen vor allem da zustande bringen.“ (2)

Ich bin stolz auf unsere KollegInnen, dass sie das zustande gebracht haben, was Univ.-Prof. Dr. Hopmann konstatiert hat. Die Vernunft der handelnden Personen und ihr Mut zum Widerstand bilden also ein Bollwerk gegen verfehlte Utopien selbsternannter „ExpertInnen“ und ideologiegesteuerte „Innovationen“, die nicht im Sinn einer positiven Weiterentwicklung der Schulwirklichkeit erdacht wurden.

Ein Bollwerk zeichnet sich vor allem durch seine solide Bauweise aus. Dazu hat auch die Gewerkschaft ihren Beitrag geleistet, auf den ich als Gewerkschafter ebenfalls sehr stolz bin. In diesem Zusammenhang fällt mir der Satz von Fritz Neugebauer ein, den er immer wieder angebracht hat, wenn ihm und seinem Team vorgeworfen wurde, als „Betonierer“ sinnvollen Veränderungen im Weg zu stehen: „Beton ist ein guter Baustoff.

Seien wir als Fachleute der Schulwirklichkeit also stolz auf die Leistungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte und blicken wir mit Optimismus in die Zukunft! Dieser Optimismus ist gerade jetzt angebracht. Wir haben ja in den letzten Tagen mit Freude erlebt, dass ein Bildungsminister auf Qualität statt auf Reformtempo zu setzen wagt. Dass er dabei nicht auf die Basis vergessen wird, lassen mich seine Äußerungen erwarten, in denen er die Rolle der LehrerInnen betont und die Gewerkschaft als Partner bezeichnet hat. Wir stehen ihm für positive Entwicklungen im Schulwesen jederzeit ebenso engagiert als Partner zur Seite, wie wir gegen das Kaputtmachen des Systems Widerstand geleistet haben.

(1) Martina Salomon, Wie die Schule in der Neuzeit ankommen könnte. In: Kurier online vom 29. November 2017.

(2) Univ.-Prof. Dr. Stefan Hopmann, Referat beim „Weis(s)en Salon“ am 16. Oktober 2013.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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