Die Gelegenheit ergreifen

Nun haben wir sie also, die neue Regierung, und damit auch einen neuen Bildungsminister und ein neues Regierungsprogramm mit einem neuen Bildungskapitel.

Über die Inhalte wurde in den Medien schon viel diskutiert. Was den Schulbereich betrifft, halte ich viele Vorhaben für vernünftig, manches für heikel, und etliches entzieht sich einer genaueren Beurteilung, weil es sich um bloße Überschriften handelt. Ich möchte aber fair bleiben, denn das war bisher in jedem Regierungsprogramm so, das ich gelesen habe.

Entscheidend sind immer die handelnden Personen, ihr Prioritätensetzung, ihre Fähigkeit, mit den Betroffenen gemeinsame Lösungen zu finden. Unter Claudia Schmied war der Dialog sehr schwierig. Unter ihren Nachfolgerinnen Gabriele Heinisch-Hosek und Sonja Hammerschmid gab es trotz so mancher Meinungsverschiedenheit die grundsätzliche Bereitschaft, sozialpartnerschaftliche Lösungen durch ihre Mitarbeiter (1) finden zu lassen.

Bei aller Kritik möchte ich festhalten, dass es manchmal zwar sehr harte und emotionale, aber konstruktive Verhandlungen waren. Schwächen von Gesetzespaketen entstammten den politischen Vorgaben und nicht einem Versagen der Mitarbeiter des Unterrichtsministeriums und anderer Behörden und Institutionen, mit denen Verhandlungen geführt worden sind. Diesen Personen, die die immense operative Arbeit im Hintergrund der Politiker leisten, sei an dieser Stelle ausdrücklich für ihr Engagement gedankt.

Mit Heinz Faßmann wird ein profunder Kenner des universitären Bereichs Bildungsminister. Soweit ich ihn kenne, ist er jemand, der Sozialpartnerschaft schätzt und gemeinsame Lösungen sucht. Die Gewerkschaft steht für einen solchen Weg jederzeit zur Verfügung.

Bei allem Verständnis für mache Sorgen, die man sich über die neue Regierungskonstellation machen kann, bin ich der festen Überzeugung, dass jeder in einer neuen Funktion eine Chance verdient und man jeden Menschen weniger nach seinen Worten und mehr nach seinen Taten beurteilen sollte.

Peter Michael Lingens, dem man allein schon aufgrund seiner Biographie mit Sicherheit nicht die geringste Nähe zu Rechts nachsagen kann, meint: „Ich glaube, dass größtmögliche Sachlichkeit bei größtmöglicher Differenzierung die einzige erfolgreiche Möglichkeit für den journalistischen Umgang mit Türkis-Blau darstellt.“ (2) Ich meine, dass das nicht nur für den Umgang mit Türkis-Blau gilt, sondern eigentlich die Richtschnur für jede Art von seriösem Journalismus sein sollte.

Und wer gar eine krisenhafte Entwicklung diagnostiziert, sei an die Worte von John F. Kennedy erinnert: „The Chinese use two brush strokes to write the word ‚crisis.‘ One brush stroke stands for danger; the other for opportunity. In a crisis, be aware of the danger – but recognize the opportunity.“ (3) Ich bin dafür, Gelegenheiten, die sich bieten, zu ergreifen.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Auch mit der FPÖ kann Vernünftiges gelingen. In: lingens.online vom 9. Dezember 2017.

(3) John F. Kennedy in einer Rede am 12. April 1959 in Indianapolis.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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