Herbert Weiß: Teures Schulsystem?

In jüngsten Medienberichten wurde die nächste Katastrophe für das Bildungssystem kolportiert. Auf die Forderung nach einer Erhöhung des Bildungsbudgets, die die Bildungsministerin am Ende ihrer Amtszeit aufgestellt hat, habe man nämlich angeblich „sowohl von türkiser wie auch von blauer Seite“ mit folgender Aussage reagiert: „Für die Bildung wird es nicht mehr Geld geben und auch keine zusätzlichen Lehrkräfte“. (1)

Diesen Einsatz der Bildungsministerin fände ich sehr lobenswert, käme er nicht von einer Politikerin, die, als sie noch die tatsächliche Letztverantwortung für unser Schulwesen trug, dieses wider alle Fakten als „eines der teuersten Schulsysteme“ diffamiert hat. (2) Damals hätte sie sich für unsere Forderungen stark machen können, hätte sich gemeinsam mit der Lehrervertretung und den Schulpartnern für ausreichende Ressourcen einsetzen sollen! Ob vielleicht „Die Presse“ richtig liegt, wenn dort zu lesen ist, dass die Ministerin die Lehrer-Mehrarbeit an die Wand male, um „vor türkis-blauer Bildungspolitik zu warnen“ und „um Unstimmigkeit in die Koalitionsverhandlungen zu bringen“? (3)

Ob wir tatsächlich auf die nächste Katastrophe zusteuern oder ob die EntscheidungsträgerInnen in unserem Land endlich erkennen, dass Investitionen in die Bildung dringend nötig sind, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. In Medienberichten wurden Verhandlungen des Bildungsbudgets am Mittwoch dementiert. „Das sei ‚schlichtweg falsch‘ […]. In der Untergruppe Bildung sei den Verhandlern wichtig, dass das System verbessert, die Struktur optimiert und die vorhandenen Mittel effizient eingesetzt werden […]. Bisher gebe es ‚keine Verhandlungen über das Bildungsbudget‘.“ (4)

Es wäre an der Zeit, dass der vor der Wahl gepriesene neue Stil in der Politik wirklich zum Tragen kommt. Für mich bedeutet ein neuer Stil unter anderem, dass man auf die wirklichen ExpertInnen hört und ihnen Pläne nicht über Medien ausrichtet. Wir LehrervertreterInnen setzen darauf. Unser Beitrag dazu ist, dass wir weder auf Gerüchte noch auf Spekulationen reagieren und unsere Gesprächsbereitschaft signalisieren. Wenn man aber glauben sollte, wieder einmal gegen die Betroffenen vorgehen und z.B. den LehrerInnen noch mehr Arbeit umhängen zu müssen, wird es mit unserer Zurückhaltung schnell vorbei sein. Ein Kampf gegen die Überlastung unserer KollegInnen ist nämlich nicht nur ein Kampf für die LehrerInnen, sondern auch ein Kampf für unser Schulwesen, das zusätzliche Aufgaben enormer Dimension zu lösen hat, die auf das langjährige Versagen der bisherigen Politik zurückzuführen sind.

(1) Ida Metzger, Koalitionsverhandlungen: Kein frisches Geld für Schulen. In: Kurier online vom 21. November 2017.

(2) Bernhard Gaul, AHS-Lehrer wollen 2 Milliarden mehr Budget. In: Kurier online vom 31. März 2017.

(3) Streik, Scheitern, Sauerei: Und ewig Grüßt [sic!] die Lehrer-Mehrarbeit. In: Presse online vom 22. November 2017.

(4) Koalitionsverhandlungen: ÖVP und FPÖ erhöhen das Tempo. In: Presse online vom 22. November 2017.


Ein Gedanke zu “Herbert Weiß: Teures Schulsystem?

  1. 1. Zitat H. Weiß:

    In jüngsten Medienberichten wurde die nächste Katastrophe für das Bildungssystem KOLPORTIERT. Auf die Forderung nach einer Erhöhung des Bildungsbudgets, die die Bildungsministerin am Ende ihrer Amtszeit aufgestellt hat, habe man nämlich ANGEBLICH „sowohl von türkiser wie auch von blauer Seite“ mit folgender Aussage reagiert: „Für die Bildung wird es nicht mehr Geld geben und auch keine zusätzlichen Lehrkräfte“.

    (Meine Hervorhebungen in Blockschrift – E.W.)

    2. Zitat H. Weiß:
    Unser Beitrag dazu ist, dass wir weder auf Gerüchte noch auf Spekulationen reagieren.

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