Höchstes Lob und Wertschätzung

„Teuer und schlecht.“ So etwa könnte man die jährlich wiederkehrende Beschreibung des österreichischen Bildungswesens durch Politiker (1), Journalisten und „Bildungsexperten“ zusammenfassen, die der Veröffentlichung der OECD-Studie „Education at a Glance“ folgt. Selbstverständlich noch am Tag der Präsentation der hunderte Seiten starken Publikation. Chapeau, meine Damen und Herren Schnellleser!

Schaut man sich die Studie tatsächlich an, findet man viele interessante Daten wie etwa:

  • Die jährliche Nettounterrichtszeit österreichischer Lehrer ist im internationalen Vergleich tatsächlich relativ gering, was zu den alt bekannten Vorwürfen à la „Dienstagmittag bin ich fertig“ führt. In derselben (!) Tabelle wird aber auch die Gesamtarbeitszeit angegeben, und diese liegt mehr als 10 % über dem EU22-Schnitt. (2)
  • Im OECD-Durchschnitt haben 15,8 % der 25- bis 34-Jährigen noch keinen Abschluss der Sekundarstufe II (duale Ausbildung, Abschluss einer mittleren oder höheren Schule) geschafft. In Österreich sind es lediglich 11,4 %. (3)
  • NEET ist ein Akronym des Begriffs „Not in Education, Employment or Training“ und bezeichnet die Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und sich nicht in beruflicher Ausbildung befinden und dies auch nicht unmittelbar anstreben. Der NEET-Anteil unter den 18- bis 24-Jährigen beträgt in Österreich 12,1 %. Der OECD-Schnitt ist um mehr als ein Viertel höher. (4)
  • Betrugen hierzulande die Investitionen ins Schulwesen 1999 noch 4,2 % des BIP, lagen sie 2014 nur noch bei 3,1 %. Im selben Zeitraum blieben sie im OECD-Durchschnitt unverändert bei 3,6 %. (5) Für eine international betrachtet bloß mittelmäßige Finanzierung fehlen Österreichs Schulen daher 1,75 Milliarden Euro jährlich! (6) „Die Ausgaben für Bildung in % des BIP sind ein Maß für die Priorität, die dem Bildungswesen im Rahmen der Ressourcenverteilung zukommt“, hält die Statistik Austria fest. (7)

Das österreichische Schulsystem und die darin arbeitenden Menschen verdienten sich bei Betrachtung dieser Fakten höchstes Lob und Wertschätzung ihrer Leistungen. Dazu hört man allerdings von den meisten Politikern, Journalisten und „Bildungsexperten“ reichlich wenig …

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Siehe OECD (Hrsg.) Education at a Glance 2017 (2017), Tabelle D4.1.

(3) Siehe ebenda, Tabelle A1.2.

(4) Siehe ebenda, Tabelle C5.1.

(5) Siehe ebenda, Tabelle B2.1 und OECD (Hrsg.), Education at a Glance 2002 (2002), Tabelle B2.1b.

(6) Das österreichische Bruttoinlandsprodukt lag lt. Statistik Austria 2016 bei rund 349,3 Milliarden Euro.

(7) Statistik Austria (Hrsg.), Bildung in Zahlen 2012/13. Schlüsselindikatoren und Analysen (Wien 2014), S. 112.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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