Gerhard Riegler: Das macht mir Mut

Als am 4. September 2014 die Tageszeitung „Österreich“ die Headline „Bildungsreform: Salcher berät Mitterlehner“ trug, hielt ich dies für eine Zeitungsente. Noch am selben Tag erfuhr ich, dass es sich um keinen Schwachsinn der Redaktion handelte. Klar war damit, welchen Stellenwert das Schulwesen beim eine Woche davor gekürten neuen ÖVP-Chef und Vizekanzler Mitterlehner haben wird.

Wenige Monate davor hatte Robert Palfrader die unfassbar peinliche Performance des „Bildungsexperten“ Salcher bei „Wir sind Kaiser“ folgendermaßen bilanziert: „Wir haben ein Bildungsproblem in Österreich.“ (1).

Österreichs Schulwesen hat in der Tat ein Bildungsproblem. Österreichs Bildungsproblem ist seit vielen Jahren seine Bildungspolitik bzw. das, was man in Parteizentralen dafür hielt. Umso mehr freute mich Anfang August dieses Jahres die Information, dass Mitterlehners Nachfolger Sebastian Kurz in Bildungsfragen nicht mehr auf Salcher setzt, sondern auf Univ.-Prof. Dr. Rudolf Taschner. (2)

Nicht nur, wenn man die mathematischen Qualitäten der beiden Herren vergleicht, ist dies eine Spitzkehre und signalisiert ein schulpolitisches Umdenken, das wir seit vielen Jahren fordern, wo immer wir uns einbringen können. Aus Platzgründen nur einige Aussagen Rudolf Taschners, die in Zukunft politisches Gewicht bekommen mögen:

Der Durchschnitt ist nicht nur, wie Hengstschläger in seinem Buch nachweist, weit davon entfernt, erstrebenswert zu sein, der Durchschnitt hat, so Friedman, keinerlei Zukunft.“ (3)

Entmündigung und Hybris laufen mit diesem Kompetenzgerede einher. Entmündigung, weil man es ablehnt, Wissen bloß zu vermitteln, und denjenigen, die es in sich aufnehmen, nicht zutraut, damit in eigener Verantwortung umzugehen.“ (4)

Die OECD ist nicht der Papst, dem ich gehorchen muss.“ (5)

Länder wie Finnland mit hoher Jugendarbeitslosigkeit brauchen wir trotz PISA-Erfolgen und hoher Akademikerquote nicht zu beneiden.“ (6)

Um die Einwanderer für die Zukunft, wie wir sie uns wünschen, zu rüsten, muss man viel Geld in die Hand nehmen.“ (7)

Der Lehrer muss die Zügeln 50 Minuten lang fest halten. Das ist nicht einfach. Und dann kommen noch die unzähligen Bildungsexperten hinzu, die den Lehrern ständig erzählen wollen, wie sie zu unterrichten haben, obwohl sie noch keine Minute im Klassenzimmer gestanden sind.“ (8)

Das macht mir Mut.

(1) Der „Bildungsexperte“ Andreas Salcher blamiert sich beim „Kaiser“ am 23. Mai 2014.

(2) Siehe Maria Sterkl, Mathematiker Rudolf Taschner tritt für ÖVP an. In: Standard online vom 8. August 2017.

(3) „Warum Durchschnitt keine Zukunft hat.“ Podiumsdiskussion am 19. Juni 2012.

(4) Rudolf Taschner, Liessmanns Protest gegen das Kompetenz-Abrakadabra. In: Presse online vom 17. September 2014.

(5) Zit. n. Alexandra Parragh, PISA-Test: „Spätestens 2018 ist Schluss“. In: Salzburger Nachrichten online vom 10. April 2012.

(6) Zit. n. Reformen für das Land. 100 Ideen für Österreich. In: Österreich online vom 13. Oktober 2013.

(7) Rudolf Taschner, Über Fehler klagen hilft nicht: Wir müssen ehrlich sein und anpacken. In: Presse online vom 8. März 2017.

(8) Zit. n. Ida Metzger, Rudolf Taschner: „Verstehe die Sturheit der Lehrer“. In: Kurier online vom 30. Juli 2013.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


4 Gedanken zu “Gerhard Riegler: Das macht mir Mut

  1. Toll, das macht wirklich Mut. Ein Problem bleibt für mich aber die Frage, wie KURZ sein Ziele an die Basis der Partei bringen und durchsetzen will. Den dort regieren zum Teil, besonders im „schwarzen NÖ“, noch immer selbstherrliche Politiker, denen der eigene Vorteil wichtiger ist als die Visionen der hohen Politik.

  2. Zwecks Ausgewogenheit ein Teil eines Artikels aus der „Tiroler Tageszeitung“ vom 10. August:

    Wien – „Die Rache der Journalisten an den Politikern ist das Archiv“, sagte ORF-Mann Robert Hochner einst. Rudolf Taschner, der für Sebastian Kurz bei der Wahl kandidiert, ist zwar noch kein Politiker. Er spürt aber schon, wie es ist, einer zu sein. Auch Polit-Konkurrenten haben ein Archiv. In diesem haben sie gestöbert. Gefunden wurde zweierlei; es betrifft Taschners bisheriges Wirken in der Presse, in der er seit 2006 Gastkommentare schreibt; künftig aber nicht mehr. In einer dieser Kolumnen zweifelte der Mathematiker, der an der Wiener TU werkt, den Klimawandel an („Klimakatastrophe abgesagt – aber niemand will es wahrhaben“), qualifizierte diesen als „Scheinproblem“.
    Derlei Aussagen sind just jetzt, ob großer Hitze und deren Folgen, die Wissenschafter auf den Wandel des Klimas zurückführen, besonders heikel. Vor allem die Grünen, die keine Hoch-Zeit haben, sehen darin Verbalmunition gegen Kurz, zeihen ihn ob seines Nationalratsanwärters der „Klima-Ignoranz“.

    2012 hat sich Taschner, unter dem Titel „Pädagogisch unkorrekte Notiz zu einer pädagogisch unkorrekten Bemerkung“ positiv zu Ohrfeigen als Erziehungsmittel geäußert („Kein Platz mehr für das Kokettieren mit einer Watsche?“). Wegen der Kritik an den damaligen Befunden und deren rasanter Verbreitung auf Facebook & Co. fühlen sich der Autor und seine nunmehrigen Polit-Heimatgeber zu Erklärungen bemüßigt: Taschner leugne den Klimawandel nicht; er habe – ob der CO2-Abgas-Hysterie – lediglich mehr Sachlichkeit eingefordert. Tascher sagt in Sachen „G’sunde Watschn“, dass das „selbstverständlich unmöglich“ sei. „Das schreibe ich heute nicht mehr.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s