Autonomie – her damit!

Es handle sich um ein „Ermöglichungspaket“ für die Schulen, sagte die Bildungsministerin …“ (1)

Allem zugrunde liegt die Idee, dass sich bis zu acht Schulstandorte einer Region freiwillig zu einem Schulcluster zusammenschließen …“ (2)

Schulen werden zukünftig wesentlich stärker in die Autonomie und Eigenverantwortung entlassen. Sie können sich somit stärker regional ausrichten und bekommen maximalen Gestaltungsspielraum, um Österreichs Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und zu fordern.“ (3)

Die beiden ersten Zitate stammen vom 18. Oktober 2016, als die Politik eine Einigung zum „Autonomiepaket“ verkündete, das letzte aus dem Arbeitsprogramm der Bundesregierung vom 30. Jänner 2017.

Ermöglichungspaket“, mehr Entscheidungsfreiheit am Schulstandort und damit einhergehend weniger Verwaltungsaufwand – wer soll da dagegen sein? Sinnvolle pädagogische Autonomie, her damit!

Leider handelt es sich bei dem bis Sonntag in Begutachtung befindlichen „Autonomiepaket“ im Gegensatz dazu allerdings in erster Linie um ein Strukturpaket, dessen Maßnahmen unter dem Diktat der Kostenneutralität stehen und dessen „Autonomie“ in vielen Fällen eine der Schulbehörde bedeutet – und nicht die der Schule. Gernot Schreyer, Präsident des Bundesverbandes der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen Österreichs, bezeichnete den Entwurf gar als „ein abgehobenes Schreibtischpapier, dem die Erdung fehlt“. (4)

Die vorgesehenen Gesetzesänderungen tragen kaum dazu bei, die Probleme, mit denen Schule tagtäglich konfrontiert ist, zu lösen. Wie mehrmals in den Verhandlungen betont, muss Schulautonomie mehr als strukturelle Veränderungen bedeuten: Sie muss der „Schule“ – also SchülerInnen, aber auch Eltern und LehrerInnen – Nutzen und Verbesserungen bringen.

Gelebte Schulpartnerschaft, die Zusammenarbeit von Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen, ist unverzichtbar für das Gelingen von Schule und im Sinne einer gemeinsamen demokratischen Verantwortung für den Bildungsbereich. Eine Beschneidung der Rechte der SchulpartnerInnen erscheint (nicht nur) mir als der falsche Weg.

Ich erwarte mir, dass die über tausend Stellungnahmen von der Politik ernst genommen werden. Es zeugt hingegen von einem eigenwilligen Demokratieverständnis und einer Missachtung des Parlaments, wenn manche PolitikerInnen schon vor Kenntnis dieser Stellungnahmen behaupten, an den Eckpunkten könne nicht gerüttelt werden.

Ab sofort heißt es „Zurück an den Start“. Das Schulautonomiepaket ist ein dringender Fall fürs Nachsitzen. Devise: Aus widerspenstigen Betroffenen müssen möglichst viele reformwillige Beteiligte werden. Denn was „Reformen“ bringen, die keine Partner in der Praxis finden, kann man schon jetzt in jedem guten Schul-Lehrbuch nachlesen.“ (5) Diesen Worten von Josef Votzi, u. a. Leiter der Politik-Ressorts des „Kurier“, dem man nicht gerade eine besondere Nähe zu den Lehrergewerkschaften nachsagen kann, ist nichts hinzuzufügen.

(1) Lisa Kogelnik, Schulen sollen sich zusammenschließen, Aus für Schüler-Höchstzahl. In: Standard online vom 18. Oktober 2016.

(2) Bernhard Gaul, Bildungsreform fixiert: Die Schulcluster sollen es richten. In: Kurier online vom 18. Oktober 2016.

(3) Für Österreich. Arbeitsprogramm der Bundesregierung 2017/2018 vom 30. Jänner 2017, S. 16.

(4) Schulautonomie: Eltern gegen „abgehobenes Schreibtischpapier“. In: Kurier online vom 27. April 2017.

(5) Josef Votzi, Ein Fall fürs Nachsitzen. In: Kurier online vom 28. April 2017.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Autonomie – her damit!

  1. Alfred Schirlbauer

    …allein für den Ausdruck „Ermöglichungspaket“ sollte man der Ministerin das Maturazeugnis entziehen!

  2. Margit Neuböck

    Ich bin seit 30 Jahren AHS Lehrerin und die Reformen, die in dieser Zeit über die Schule hereingebrochen sind, waren alle entweder vom Sparstift (“ Lehrer/Innen sollen nur mehr für das bezahlt werden, was sie wirklich arbeiten“ so strich man Klassenvorstand und Kustos aus der Lehrverpflichtung, was sicher tausenden Junglehrer/Innen den Job kostete) oder von schnöden Wirtschaftsinteressen ( 5-
    Tagewoche, damit das Wochenende fürs üppige Shoppen und Kurztrips länger ist) bestimmt. Die Beispielreihe könnte noch lange fortgesetzt werden und es fällt mir nichts ein, was in punkto Motivation aus dem Rahmen fiele, oder fällt irgendwem eine echt pädagogisch sinnvolle, dem Wohle der SchülerInnen dienende reformatorische Maßnahme ein?

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