Reden ist Silber

Wir alle kennen es aus den Medien – das jährliche Ritual von Gehaltsverhandlungen. So unterschiedlich sie von Jahr zu Jahr und von Berufssparte zu Berufssparte auch verlaufen mögen, eines haben sie alle gemein: Über die konkreten Inhalte wird hinter verschlossenen Türen gesprochen und erst das Ergebnis medial verkündet.

Das hat einen guten Grund: Verhandlungen, die mit einem von beiden Seiten vertretbaren Ergebnis enden sollen, führen immer zu einem Kompromiss. Weder Dienstgeber- noch Dienstnehmerseite werden dabei ihre Vorstellungen zur Gänze umsetzen können. Würden konkrete Inhalte der Gespräche öffentlich, hätten die Verhandlungspartner ständigen Erklärungsbedarf, warum sie auf die Forderung A verzichten, um B durchzusetzen. Außerdem ist bei komplexeren Themen als einer Gehaltserhöhung immer nur ein „Gesamtpaket“ beurteilbar. Einzelne Details zeichnen notgedrungen ein unvollständiges und falsches Bild. Es wäre so, als wollte man das Aussehen einer Person anhand des Fotos ihres Handgelenks beurteilen wollen.

Bei den Verhandlungen zum „Autonomiepaket“ hat leider, wie so oft, die vereinbarte Verschwiegenheit nicht gehalten. Bereits am Morgen des 3. März wurden im Radio Passagen aus den Erläuterungen zitiert, obwohl noch einige Verhandlungsrunden vereinbart waren. Seither berichten verschiedene Medien mit mehr oder weniger Wahrheitsgehalt über die geplanten Reformen.

Die Politik wäre gut beraten, zu den sozialpartnerschaftlichen Gepflogenheiten zurückzukehren. Das Ablenken von (vermeintlichen?) Skandalen rund um Subventionen für Pleitefirmen mag ein Grund für plötzliche mediale Aktivität sein. Das Finden eines sozialpartnerschaftlichen Kompromisses erleichtert es jedenfalls nicht. „Es ist Unsinn, Türen zuzuschlagen, wenn man sie angelehnt lassen kann“, wusste schon der US-Demokrat James William Fulbright.

Im Verhandlungsteam sind die Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden aller fünf Lehrergewerkschaften und damit auch alle Fraktionen vertreten. Sie haben unter der Führung von Paul Kimberger, dem Vorsitzenden der ARGE LehrerInnen in der GÖD, schon viel erreicht und einen weiten Weg vom ersten Referentenentwurf bis zum derzeitigen Verhandlungsstand zurückgelegt. Am Ende des Tages wird jedenfalls das Gesamtpaket einer genauen Analyse zu unterziehen und zu beurteilen sein. Danach werden die Lehrergewerkschaften die KollegInnen umfassend und korrekt informieren, denn wie sagte einer meiner pensionierten Kollegen immer: „Ist es wahr, oder steht es in der Zeitung?

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


3 Gedanken zu “Reden ist Silber

  1. In der angesprochenen Sache – nämlich Stellungnahmen und Meinungsäußerungen, bevor ein Gesamtentwurf vorliegt – gibt es ein Analogie-Beispiel, das jeder kennt: Die jahrelange konzertierte Stimmungsmache gegen TTIP, bevor noch ein ausverhandeltes Paket vorliegt / vorlag. Eines der Hauptargumente der TTIP-Gegner lautet(e) ja, dass dort hinter verschlossenen Türen verhandelt wird / wurde.
    Sich in Sachen TTIP als (vorläufig) neutral zu bezeichnen, kommt in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht so gut an: Die political correctness gebietet nämlich, gegen TTIP zu sein (bevor der Vertrag noch auf dem Tisch liegt).

    Wird hier etwa mit zweierlei Maß gemessen?

  2. @ Erich Wallner: Der Vergleich mit TTIP hinkt mE gewaltig!
    Während bei den Verhandlungen zum „Autonomie-Sparpaket“ zumindest von gewerkschaftlicher Seite Pädagogen dabei sind, die die Auswirkungen auf die Betroffenen besser beurteilen können, als reine Ideologie- und Budgetstrategen, sucht man Sozialökonomen oder Gesellschaftsethiker bei den TTIP Verhandlungen vergebens, was eben zu diesem Misstrauen führt!

    1. @ Christian Höfner:
      Wo sind bitte die Sozialökonomen und Gesellschaftsethiker in den Verhandlungen zum „Autonomie-Sparpaket“? (Ich ersuche um Nennung von ein paar Namen. Oder sind vielleicht die gewerkschaftlichen Verhandler ex officio „Experten für eh alles“?)
      Aber vielleicht hat dieses Paket ja gar keine sozialökonomischen und gesellschaftsethischen Auswirkungen?
      Weil Sparen nichts mit Ökonomie und Kaputtsparen nichts mit Ethik und Gesellschaft zu tun hat?

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