More important than cash

Vor wenigen Tagen erschien im „Standard“ ein Interview mit James Heckman, dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften des Jahres 2000. „Gleiche Chancen für alle Kinder wird es nie geben“, lautete der Titel. (1)

Comparison Food Is Much More Important Than Money

Heckman schrieb einige Arbeiten über die Wirkung von Sozialprogrammen auf Gesellschaft und Wirtschaft. Vor allem interessiert er sich für den Einfluss vorschulischer Faktoren auf den weiteren Lebensweg. Die Erkenntnisse sind erschreckend und ermutigend zugleich.

Die Förderung in der frühen Kindheit ist entscheidend für den späteren Erfolg im Leben. „Investment in early education for disadvantaged children from birth to age 5 helps reduce the achievement gap, reduce the need for special education, increase the likelihood of healthier lifestyles, lower the crime rate, and reduce overall social costs.“ (2)

Nicht nur soziale Argumente sprechen für möglichst frühzeitige Investitionen zugunsten benachteiligter Kinder, sondern auch rein ökonomische: „Wer Kinder mit weniger gut gebildeten Eltern fördere, könne ihre Chancen im späteren Leben massiv erhöhen. Es sei auch keine Frage des Geldes. Für einen Euro, den man ausgebe, bekomme man später deutlich mehr zurück.“ (3)

Der Anteil von Kleinkindern in Frühkindbetreuung ist jedoch nicht der entscheidende Faktor. Es geht „um die Qualität des Umfelds, in dem die Kinder aufwachsen. Schlechte Kinderbetreuung kann sogar sehr schädlich sein“. (4)

Für Förderung von Kindern ist es allerdings nie zu spät. „Man kann nur deutlich mehr erreichen, wenn man früh interveniert. Es gibt aber kein Alter, ab dem man sich nicht mehr um Probleme kümmern sollte.“ (5)

Die Familienpolitik ist gefordert. „Adverse impacts of genetic, parental, and environmental resources can be overturned through investments in quality early childhood education that provide children and their parents the resources they need to properly develop the cognitive and personality skills that create productivity.“ (6) Aber es geht nicht nur um Steigerung von Produktivität, sondern – aus meiner Sicht wesentlich wichtiger – um Vermeidung von sozialem Elend. „Eine auf Neuseeland bezogene Arbeit zeigte, dass 20 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent der Probleme verursachen, also etwa Kriminalität, hohe Gesundheitskosten, wenig Bildung, Drogenmissbrauch. Im Alter von drei bis fünf Jahren kann man relativ gut vorhersagen, wer davon betroffen sein wird.“ (7)

Entscheidend ist die Eltern-Kind-Beziehung. „In allen Studien zeigt sich aber, dass eine stärkere Bindung zwischen Eltern und Kindern essenziell ist. Das ist der Schlüssel.“ (8) Oder anders ausgedrückt: „Good parenting is more important than cash.” (9)

(1) Starökonom Heckman: Gleiche Chancen für alle Kinder wird es nie geben. In: Standard online vom 17. Jänner 2017.

(2) James J. Heckman, The Economics of Inequality. The Value of Early Childhood Education. In: American Educator (Spring 2011), S. 31-47, hier S. 32.

(3) Heckman, Gleiche Chancen.

(4) a.a.O.

(5) a.a.O.

(6) Heckman, Economics of Inequality, S. 32.

(7) Heckman, Gleiche Chancen.

(8) Heckman, Gleiche Chancen.

(9) Heckman, Economics of Inequality, S. 33.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

2 Kommentare

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2 Antworten zu “More important than cash

  1. Erich Wallner

    1. „Adverse impacts of [ … ] parental [ … ] resources can be overturned through investments in quality early childhood education that provide children and their parents [sic] the resources they need to properly develop the cognitive and personality skills that create productivity.“
    Mit “adverse impacts of parental resources” wird verschämt eines der letzten Tabus in unserer Gesellschaft umschrieben: Für jeden Würstelstand braucht es eine Bewilligung, als Hufschmied benötigt man neuerdings einen Befähigungsnachweis (damit den schutzwürdigen Pferden kein Unheil geschehe), aber um ein Kind in die Welt zu setzen, ist die einzige Voraussetzung die Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr.

    2. „Eine auf Neuseeland bezogene Arbeit zeigte, dass 20 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent der Probleme verursachen, also etwa Kriminalität, hohe Gesundheitskosten, wenig Bildung, Drogenmissbrauch. Im Alter von drei bis fünf Jahren kann man relativ gut vorhersagen, wer davon betroffen sein wird.“
    Inkonsequent an dieser Aussage ist der Beginn des zweiten Satzes. Nicht im Alter des Kindes von drei bis fünf Jahren kann man relativ gut voraussagen, wer „davon“ betroffen sein wird, sondern bereits vor dessen Geburt – das ergibt sich logisch aus dem ersten Satz, wonach 20 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent der Probleme verursachen. Da hat den Verfasser des Textes wohl mittendrin der Mut verlassen, und wir sind wieder beim unter 1. angesprochenen Tabu.

  2. Alfred Schirlbauer

    „Schlechte Kinderbetreuung kann sogar sehr schädlich sein.“ Wow! – Aber gut…wenn die Banalität von einem Nobelpreisträger kommt, dann ist sie zitierungswürdig.

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