Gerhard Riegler: Das Ende einer fahrlässigen Schulpolitik

Der Absturz Baden-Württembergs beim innerdeutschen Leistungsvergleich von SchülerInnen der 9. Jahrgangsstufe (IQB-Bildungstrend 2015) könnte für Österreich Goldes wert sein. Der jähe Aufprall sollte nämlich einen Denkanstoß geben, und zwar auch über die Grenzen Deutschlands hinaus!

Baden-Württembergs SchülerInnen landeten bei derartigen Vergleichsstudien immer wieder in Deutschlands Spitzenfeld. Neben Bayern schien Baden-Württemberg einen Platz auf dem Podest gepachtet zu haben.

bildungswissenschaft-at_blogNach Jahren intensiver „Reformpolitik“, deren Phrasen bis ins Detail jener Propaganda glichen, der wir in Österreich schon so lang ausgesetzt sind, ist Baden-Württemberg von Deutschlands Spitze ins Mittelfeld abgerutscht und erreicht in etlichen Bereichen nicht einmal mehr durchschnittliche Ergebnisse.

Die Folgen einer Schulpolitik, die auf das Trommeln von Politphrasen statt auf das reiche Erfahrungswissen der PraktikerInnen und die ebenso reiche bildungswissenschaftliche Evidenz gesetzt hat, rufen jetzt Bestürzung in der schulpolitischen Chefetage hervor, aus der sich manche „Player“ inzwischen verabschieden mussten. Für die geschädigten jungen Menschen kommt dies leider zu spät. Unseren KollegInnen in Baden-Württemberg gilt meine tief empfundene Sympathie.

Eine Schulpolitik, die nicht genug Zeit findet, sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen, und die zu abgehoben ist, um das Wissen der LehrerInnen als Basis ihrer Arbeit zu nutzen, hat sich in fahrlässiger Art und Weise auf windige „ExpertInnen“ verlassen und damit der Schule massiven Schaden zugefügt. Und damit bin ich auch schon in Österreich gelandet.

Seit wenigen Tagen kann sich jeder schulpolitisch Interessierte – und das sollten politische EntscheidungsträgerInnen doch wenigstens sein – mit extrem wenig Aufwand auf www.bildungswissenschaft.at über aktuellste bildungswissenschaftliche Erkenntnisse informieren. Es steckt in dieser Website enorm viel Arbeitszeit. Bei der steirischen ZA-Mandatarin Gudrun Pennitz, ohne die ich dieses Werk nie geschafft hätte, möchte ich mich dafür herzlichst bedanken.

Wir wollten einer fahrlässigen Schulpolitik einen Riegel vorschieben. Ich bin davon überzeugt, dass uns dies gelungen ist. Sollte nämlich weiterhin Schulpolitik an der bildungswissenschaftlichen Evidenz vorbeigeführt werden, kann nicht mehr von Fahrlässigkeit gesprochen werden. Dann ist Vorsatz am Werk, wenn es LehrerInnen sukzessive erschwert bis verunmöglicht wird, im Interesse ihrer SchülerInnen erfolgreiche Arbeit zu leisten.

Ich hoffe doch sehr, dass niemand unser Schulwesen vorsätzlich in den Graben fahren will.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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