Gerhard Riegler: Hoch lebe die Courage!

„Achtung, die Lektüre kann zu depressiven Verstimmungen führen.“ So oder so ähnlich könnte der Beipacktext lauten, würden Printmedien in Apotheken feilgeboten.

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In der letzten Woche konnte ich jedoch mehrere Medienbeiträge lesen, ohne meine Gesundheit zu gefährden. Besonders beeindruckt hat mich die Courage, die zwei Damen und zwei Herren beweisen. Lassen Sie mich zuerst die vier Personen beschreiben:

  1. eine britische Philosophin
  2. eine österreichische Journalistin
  3. ein deutscher Universitätsprofessor
  4. ein österreichischer Landesschulinspektor

Und hier deren vier Aussagen. Versuchen Sie bitte, diese via Multiple-Choice-Verfahren, das durch PISA & Co in den OECD-weiten Olymp aufgestiegene Prüfungsformat, den vier Personen zuzuordnen, noch bevor Sie den Blick in Richtung Fußnoten lenken:

Zitat 1: „Lösen wir uns auch endlich von der Illusion, dass alle Schüler gleich begabt sind, fördern wir (auch handwerklich!) Begabte mehr, stärken wir den Gründergeist.“ (1)

Zitat 2: „PISA war der demokratisch nicht legitimierte normgebende Angriff auf das bis dahin im deutschsprachigen Raum mehr auf Allgemeinbildung Wert legende Bildungssystem […]. Normgebend auch deshalb, weil die PISA-Studien keinesfalls die geltenden Lehrpläne in irgendeiner Form berücksichtigen, sondern angeblich Kompetenzen abprüfen, in denen halt problemorientierte Anwendungen, notfalls auch Scheinanwendungen vorgeben werden, die oftmals durch Lesekompetenz und geschickten Umgang mit Multiple-Choice-Verfahren nach dem „Wer wird Millionär“ Ausschlussprinzip erfolgreich zu lösen sind.“ (2)

Zitat 3: „Um Kinder zu inspirieren, sind vor allem Lehrer extrem wichtig. Aber wir können nicht erwarten, dass sie die gesamte Verantwortung alleine tragen. Die ganze Gesellschaft muss ihren Teil beisteuern: Eltern, Großeltern, Künstler, Wissenschaftler, Politiker und auch Unternehmer. Als ich jung war, hieß es immer: ‚Es braucht ein Dorf, um Kinder großzuziehen‘. Ich sage: es braucht das ganze Land, um Kinder großzuziehen.“ (3)

Zitat 4: „Ob es allerdings im Sinne der Volkswirtschaft wäre, die Zahl der Lehrlinge weiter zu senken und jene der (arbeitslosen) Akademiker zu steigern, ist mehr als fraglich.“ (4)

Wenn Ihnen die Zuordnung nicht gelungen ist, wundert mich dies nicht. Ich glaube nämlich, dass sich die AutorInnen selbst nicht nur mit der jeweils eigenen Aussage identifizieren könnten. Sollten aber auch Sie den Zitaten zustimmen, werden Sie keine Bestseller auf Kosten des Schulwesens verkaufen, weil Sie die kompetenzorientierte Aufnahmeprüfung in den Kreis der „BildungsexpertInnen“ NICHT bestanden haben, wozu ich Ihnen herzlich gratuliere.

(1) Martina Salomon, Die Illusion von der Gleichheit. In: Kurier online vom 27. Februar 2016. Dr. Martina Salomon ist stellvertretende Chefredakteurin des „Kurier“.

(2) Axel Göhring, „Deutschland ist auf dem Weg in die Inkompetenz“. In: Wirtschaftswoche online vom 1. März 2016. Die zitierte Aussage stammt von Univ.-Prof. Dr. Hans Peter Klein, Professor für Didaktik der Biowissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt.

(3) Jürgen Klatzer, „Es braucht das ganze Land, um Kinder großzuziehen“. In: Kurier online vom 27. Februar 2016. Das Zitat stammt von Univ.-Prof. Dr. Angela Hobbs, Professorin für Public Understanding of Philosophy an der University of Sheffield in England.

(4) Thomas Plankensteiner, Das Handwerk als Bildungschance begreifen. In: Tiroler Tageszeitung vom 2. März 2016. HR Mag. Dr. Thomas Plankensteiner ist AHS-Landesschulinspektor in Tirol.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


3 Gedanken zu “Gerhard Riegler: Hoch lebe die Courage!

  1. Ich frage mich, wie lange wir uns in Österreich die sozialistische PISA-Diktatur wirklich noch gefallen lassen müssen? Könnte man nicht ein Volksbegehren gegen diesen Schwachsinn einleiten?

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