„Mander – ’s isch Zeit!“

Andreas Hofer, unbekannter Maler, Mitte des 19. Jahrhunderts, Tiroler Kaiserjägermuseum Innsbruck (Bild von Wikimedia Commons)
Andreas Hofer, unbekannter Maler, Mitte des 19. Jahrhunderts, Tiroler Kaiserjägermuseum Innsbruck (Bild von Wikimedia Commons)

Am 28. Februar finden in Tirol Gemeinderatswahlen statt. Und daher musste ich an die bekannte Definition des Wiener Bürgermeisters von Wahlkampf als der Zeit fokussierter Unintelligenz denken, als mir ein Schreiben aus Tirol auf den Bildschirm flatterte. Darin reitet die Tiroler Bildungslandesrätin Mag. Dr. Beate Palfrader doch tatsächlich allen Ernstes eine Attacke gegen die gesamte Schulgemeinschaft des Gymnasiums Landeck – also SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen, weil diese den Plan, ihre Schule einer Modellregion zur achtjährigen Volksschule zu opfern, alles andere als „fast geil“ findet. Der Schulgemeinschaftsausschuss habe in einer Einladung zu einem Elternabend „unsachlich und niveaulos absolut falsche Informationen an die Eltern/Erziehungsberechtigten kommuniziert“. Den weiteren Inhalt dieses Elternbriefs habe ich teilweise bereits analysiert. (1)

Den Brief der Bildungslandesrätin mussten die DirektorInnen der Pflichtschulen im Bezirk Landeck auf deren Weisung hin allen SchülerInnen für ihre Eltern mitgeben. An der Tatsache, dass eine Politikerin SchuldirektorInnen dazu eine Weisung erteilt, stößt sich in Tirol niemand? Palfrader steht ein Weisungsrecht zu, denn sie ist nicht nur ÖVP-Regierungsmitglied, sondern auch amtsführende Präsidentin des Landesschulrates für Tirol. Wahrscheinlich versteht die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung diese Ämterkumulierung als „Entpolitisierung“ des Schulwesens.

Aber gerade als Politikerin sollte die Landesrätin besser mit Kritik umgehen können. Ihre Nerven müssen blank liegen, wenn sie so agiert. Es stellt sich wohl nicht nur mir die Frage, wie lange sich ein Landeshauptmann ein solches Regierungsmitglied politisch leisten kann. Interessant wird auch sein, ob sich die Unterrichtsministerin zu Wort meldet. Denn sie könnte der amtsführenden Präsidentin Palfrader per Weisung Einhalt gebieten.

Bemerkenswert ist, welches Ergebnis eine Befragung der SpitzenkandidatInnen für die Tiroler Gemeinderatswahlen an den Standorten von Gymnasien gebracht hat: Fast alle wahlwerbenden Gruppierungen in Lienz, Kufstein, St. Johann in Tirol, Wörgl, Schwaz, Hall, Telfs, Landeck, Imst und Reutte erklärten, sich für den Weiterbestand des achtjährigen Gymnasiums einzusetzen und eine Modellregion verhindern zu wollen. Es gab zwei Ausnahmen: die Grünen in Reutte und eine Namensliste in Kufstein. (2)

Da scheint sich ein gehöriger Volksaufstand gegen eine abgehobene Politik anzubahnen, deren Ziel die Entmachtung der Schulpartner vor Ort ist. Wie meinte Andreas Hofer so treffend: „Mander – ’s isch Zeit!

(1) Eckehard Quin, Mist-Reiter. In: QUINtessenzen vom 23. Februar 2016.

(2) Die Tiroler wollen die Gesamtschule nicht! Presseaussendung von „Pro Gymnasium“ vom 23. Februar 2016.


6 Gedanken zu “„Mander – ’s isch Zeit!“

  1. Ad: „Den Brief der Bildungslandesrätin mussten die DirektorInnen der Pflichtschulen im Bezirk Landeck auf deren Weisung hin allen SchülerInnen für ihre Eltern mitgeben. An der Tatsache, dass eine Politikerin SchuldirektorInnen dazu eine Weisung erteilt, stößt sich in Tirol niemand?“

    Wenn eine Lehrerin auf (An)weisung ihrer Direktorin ihren Schülerinnen ein Schreiben der Direktion mit nach Hause gibt, dann ist das die natürlichste Sache der Welt. Eine Lehrerin, die daran Anstoß nimmt, würde sich lächerlich machen.

    Wenn die DirektorInnen der Pflichtschulen im Bezirk Landeck schon so empfindlich sind – was hat sie daran gehindert, dem Palfrader-Schreiben auf einem separaten Blatt Papier ein paar „erläuternde Bemerkungen“ hinzuzufügen? Wenn man diesen Brief liest, dann drängt sich sowieso der Eindruck eines aufgelegten Elfmeters auf. Und ausgerechnet Pädagogen sind da auf einmal schmähstad?

    1. Wenn das Schreiben des Direktors / der Direktorin (zumindest) Halbwahrheiten ünd Diffamierungen über den/die KlassenlehrerIn (und die ElternvertreterInnen und KlassensprecherInnen) enthielte und dasselbe Schreiben dann auch noch an die Eltern anderer Klassen der Schule verteilt würde, so hielte ich das selbstverständlich für einen riesen Skandal, ein/e LehrerIn, der/die daran Anstoß nimmt, würde sich nicht lächerlich machen, sondern zu Recht dagegen vorgehen. Den Direktor / die Direktorin hielte ich für untragbar und rücktrittsreif!

  2. Lieber Ekki, eine Funktion der Frau Landesrätin möchte ich ergänzen: Sie ist langjähriges Mitgleid des Landesvorstandes der GÖD Tirol.
    Schöne Grüße aus dem „Heiligen Land“
    Rainer Hofmann

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