„Bildungsreform“

Am 17. November wird sie also präsentiert, die „Bildungsreform“. Was darin enthalten sein wird, steht teilweise schon seit zwei Wochen in den Zeitungen, teilweise wird, so pfeifen es die Spatzen von den Dächern, noch heftig um Positionen gerungen.

November 17. Day on the calendar. 3d

Eine Bewertung vorzunehmen, bevor ein Konzept vorliegt, halte ich für unfair. Daher hier exemplarisch einige Forderungen, die alle Schulpartner in einer gemeinsamen Presseerklärung am Freitag wieder einmal vorgebracht haben (1):

  • eine Attraktivierung des Lehrerberufs
  • ein Ende des parteipolitischen Gezänks auf Kosten des Schulwesens
  • die für die Einhaltung der Klassenschülerhöchstzahlen und Teilungszahlen erforderlichen Ressourcen
  • zusätzliche Mittel zur gezielten Förderung lernschwacher Schüler
  • Freifächer und Unverbindliche Übungen als kostenloses Zusatzangebot zur Förderung individueller Interessen und besonderer Begabungen
  • den Erhalt des differenzierten Schulsystems inklusive der AHS-Langform
  • eine Schulautonomie, die Schulpartnern Gestaltungsmöglichkeiten für die Schule eröffnet, statt zur Mängelverwaltung missbraucht zu werden
  • eine Investitionsoffensive in den Schulbau
  • Supportpersonal
  • zusätzliche Ressourcen für die zusätzlichen Aufgaben zur Integration von Flüchtlingen
  • Wertschätzung der Politik für Österreichs Schulwesen

Zugegeben, ich bin wenig optimistisch, dass diese Forderungen am 17. November erfüllt werden. Vielmehr befürchte ich, dass der Streit über eine Schulverwaltungsreform pädagogische Aspekte zudecken wird. Die kolportierte Einführung von „Modellregionen“, in denen gegen den Willen der Betroffenen die Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen umgesetzt wird, würde uns unumkehrbar zu neun Schulsystemen in Österreich führen. Und der Finanzminister sieht in der „Bildungsreform“ den Weg zu Einsparungen im jetzt schon deutlich unterdotierten Bildungsbereich. (2)

Jetzt wissen Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, warum ich „Bildungsreform“ unter Anführungszeichen setze. Es würde mich unheimlich freuen, könnte ich diese am 17. November streichen …

(1) Wegweiser für eine neue Schulpolitik. OTS-Aussendung des Bundes-Schulgemeinschaftsausschusses vom 13. November 2015.

(2) Siehe meinen Kommentar „Selbstbefriedigung?“ vom 17. Oktober 2015.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

4 Antworten zu “„Bildungsreform“

  1. Norbert Steinkellner, IFLD

    Wir vom IFLD befürchten ja, dass der Punkt Schulautonomie dazu benutzt werden könnte, bei Anstellungen einen Konkurrenzdruck zwischen billigeren Lehrkräften im Neuen Dienstrecht und teureren im alten aufzubauen. So wird wohl Druck aufgebaut werden, die neuen viel schlechteren Verträge zu akzeptieren bzw. mittelfristig in bestehende Verträge einzugreifen.
    Wir würden uns sehr wünschen, dass es vor 2019 noch massiven gewerkschaftlichen Widerstand gegen die derzeitige Form des LDR gibt – auch dieses ist.novellierbar (und hat ja schon zwei Mini-Novellierungen hinter sich).

    • Erich Wallner

      Dass die neuen Verträge „viel schlechter“ sind, stimmt nur für AHS/BHS.
      Die Abstimmung mit den Füßen an APS ergibt immerhin, dass sich dort fast alle KollegInnen für das neue Dienstrecht entscheiden.

      Ein Punkt dabei ist mir selber nicht klar: Könnte es sein, dass es für APS momentan ein window of opportunity für die letzten LehrerInnen-Jahrgänge gibt, welche noch eine dreijährige Ausbildung gemacht haben – dass sie nämlich im neuen Dienstrecht zu Konditionen angestellt werden, die eigentlich für eine fünfjährige Ausbildung gelten?

      Den Befürchtungen des Kollegen Steinkellner ist entgegenzuhalten, dass Neueinsteiger auch an AHS/BHS im neuen Dienstrecht in den ersten paar Jahren ein klein wenig teurer kommen. Der finanzielle Nachteil zeigt sich erst langfristig – und langfristiges Denken ist eine Erscheinung, die in der Schulverwaltung noch nie beobachtet wurde.

      • Norbert Steinkellner

        Lieber Erich Wallner, du musst genauer nachrechnen. Gerade in den ersten paar Jahren verdienen die Lehrkräfte im neuen Dienstrecht beträchtlich weniger als im alten IIL/L1 – Vertrag, konkret verlieren etwa die der LVG III 17,7% des Bruttostundengehalts pro Unterrichtsstunde. Vgl. §44 des „alten“ Dienstrechts im Vergleich zu den Bruttostundengehältern, die sich im neuen ergeben.
        In Zukunft gibt es die dreijährige APS-Ausbildung nicht mehr, ein Vergleich der dafür bezahlten Gehälter mit dem neuen DR ist also sinnfrei. Und – ja, natürlich nützen derzeit viele den Korridor alte, kurze, einfache Ausbildung – gleiches Gehalt wie Masterausbildung.

  2. Erich Wallner

    Lieber Kollege Steinkellner,
    bei meinem AHS-Gehaltsvergleich Alt vs. Neu habe ich nach Deiner Mahnung nachgegoogelt:

    https://www.bmbf.gv.at/schulen/lehrdr/index.html

    Diese Broschüre des Ministeriums scheint mir jedenfalls Recht zu geben: ein Oberstufenlehrer mit Deutsch / Mathematik verdient dort Neu anfangs über € 3.000, bei 50% Unter- und Oberstufe (Fächer Deutsch / Geschichte) Neu € 2.820 gegenüber Alt jeweils € 2.381. (Als Datum der Abfassung der Broschüre wird April 2015 angegeben.)

    Allerdings verkenne ich nicht, dass die zeitliche Mehrbelastung im neuen Dienstrecht in diesen Zahlen nicht zum Ausdruck kommt: Man könnte also argumentieren, dass ein Lehrer, der 3.000 Euro verdient, den Dienstgeber unterm Strich anfangs womöglich billiger kommt als ein Lehrer, der € 2.381 verdient, weil er mehr Stunden halten (und noch zusätzliche Tätigkeiten verrichten) muss .
    Dann wird es aber schon sehr kasuistisch und hängt von den Fächern ab: Lehrer von Schularbeitsfächern schneiden im neuen Dienstrecht ja deutlich schlechter ab als z.B. Turnlehrer. In Deinem Szenario gäbe es folglich Druck auf Sprachenlehrer, ins neue Dienstrecht zu wechseln, und Druck auf Musik, BE, BSP und Freifächer, im alten zu bleiben. Realistisch kommt mir das nicht vor.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s