Faktencheck

Wir brauchen eine Bildungsoffensive, dass unsere Schulen im PISA-Rating in der Mitte, dass sie wiederum nach vorne kommen.“ So formulierte es heute der WIFO-Chef Prof. Mag. Dr. Karl Aiginger in der ORF-Pressestunde.

fact or myth fiction true

Ich erlaube mir, diese Aussage einem „Faktencheck“ zu unterziehen. Bei PISA 2012, dem letzten PISA-Durchgang, stand Mathematik im Fokus der Überprüfung. Österreich belegte dabei

  • unter allen 65 an PISA 2012 teilnehmenden Staaten und Volkswirtschaften den 18. Rang,
  • unter allen 34 OECD-Staaten den 11. Rang,
  • unter den 27 an PISA teilnehmenden EU-Staaten den 7. Rang. (1)

Als Wirtschaftswissenschafter wird Aiginger wohl nicht behaupten wollen, dass diese Platzierungen „in der Mitte“ oder gar unter der Mitte liegen. Ich vermute vielmehr, dass er einfach das nachplappert, was viele PolitikerInnen und JournalistInnen seit Jahren gebetsmühlenartig von sich geben. Richtiger wird es deshalb allerdings nicht.

Ähnlich hartnäckig hält sich ja auch die Mär, Österreichs Schulwesen wäre im internationalen Vergleich furchtbar teuer. Tatsache ist vielmehr, dass Österreich mit seinen Ausgaben von 3,6 Prozent des BIP unter dem OECD-Mittel (3,9 %) und weit hinter skandinavischen Staaten liegt (Norwegen 4,9 %, Dänemark 4,4 %, Finnland 4,1 %). (2) Würden wir in dieser Hinsicht nur OECD-Mittelmaß erreichen wollen, müsste jährlich rund eine Milliarde Euro zusätzlich ins österreichische Schulwesen investiert werden. (3)

Aber schon Alfred Polgar wusste: „Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.

(1) Siehe OECD (Hrsg.), PISA 2012. Ergebnisse im Fokus (2013), S. 5.

(2) Siehe OECD (Hrsg.), Education at a Glance 2014. OECD Indicators (2014), Table B2.2.

(3) Vom OECD-Mittel trennen uns 0,3 Prozent des BIP. Österreichs BIP betrug 2014 329,3 Milliarden Euro. Siehe dazu http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/volkswirtschaftliche_gesamtrechnungen/bruttoinlandsprodukt_und_hauptaggregate/jahresdaten/index.html.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


6 Gedanken zu “Faktencheck

  1. Eckehards und Gerhards Recherchen und Kommentare sind im Gegensatz zu den Möchtegern-Wissenden fundamentiert und objektiv.

    Das Problem daran ist, die Aussagen der Möchtegerns werden von Millionen in der „Krone“, in „Österreich“ und sonstigen Qualitätsmagazinen gelesen, die Kommentare der beiden oben genannten von vielleicht ein paar hundert bis tausend.

    Bemüht euch bitte, diese Artikel so oft wie möglich in einem Printmedium unterzubringen.
    Danke ebenfalls für eure unermüdliche Arbeit.

    1. Dem kann ich nur zustimmen. Es ist erstaunlich, wie unreflektiert irgendwelche Studien und Statistiken zum Thema Bildung in den Medien immer wieder breitgetreten werden. Koll. Quins Stellungnahmen gehören unbedingt in die Printmedien.

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