Gerhard Riegler: Vorsätze …

Ich habe mir während der Sommerferien vorgenommen, mich im neuen Schuljahr nicht durch jeden Unfug, der dahergeredet wird, provozieren zu lassen und sattsam bekannten „BildungsexpertInnen“ in ihren Parallelwelten möglichst wenig Beachtung zu schenken. Ein Vorsatz …

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Als ich am Donnerstag der Vorwoche im €co-Journal Dr. Andreas Salcher seine Weisheiten von sich geben sah, war es vorbei mit meinem Vorsatz. Was Österreichs „Bildungsexperte Nr. 1“ im Brustton der Überzeugung dozierte, ist derart weit von der Realität entfernt, dass es meine Selbstbeherrschung überforderte.

Ich zitiere Dr. Salcher:

Wir haben mittlerweile das zweitteuerste Schulsystem der Europäischen Union mit der Tendenz, dass es unfinanzierbar wird. […] Das heißt einfach, dass dieses System in den Kosten explodiert und in der Qualität aber sinkt.“ (1)

Die Realität kann jeder lesekompetente Mensch nachlesen:

  1. Österreich hat keineswegs „das zweitteuerste Schulsystem der Europäischen Union. Unter den 20 EU-Staaten, zu denen die aktuellste Ausgabe der OECD-Studie „Education at a Glance“ (2) Angaben liefert, belegt Österreich mit einem Anteil von nur 3,6 Prozent des BIP für das Schulwesen den elften Platz. Den größten Anteil des BIP investieren in ihr Schulwesen Großbritannien, Irland, Belgien und Dänemark.
  2. Die Kosten für unser Schulwesen „explodieren“ keineswegs. Ganz im Gegenteil! Der Anteil des BIP, der Österreichs Schulwesen zur Verfügung gestellt wird, ist seit 1995 um 15 Prozent gesunken, während er im selben Zeitraum im OECD-Mittel um 7 Prozent erhöht wurde und inzwischen deutlich über dem Österreichs liegt. (3)

Drei brisante Fragen stellen sich mir angesichts dessen:

  1. Kennt der ORF wirklich niemanden, der zu Österreichs Schulwesen kompetenter Auskunft geben kann als Dr. Salcher?
  2. Warum hat der ORF in diesem Fall auf den „Fakten-Check“, der die Aussagen als wahrheitswidrig erwiesen hätte, verzichtet?
  3. Gibt es einen Auftraggeber für wahrheitswidrige Aussagen, die in der Öffentlichkeit die Stimmung für ein weiteres Sparen auf Kosten unseres Schulwesens aufbereiten sollen?

Meinen Vorsatz will ich zumindest insofern einhalten, dass ich mich nicht mehr frage, ob Dr. Salcher selber glaubt, was er sagt.

(1) Dr. Andreas Salcher, €co, ORF 2 am 17. September 2015

(2) OECD (Hrsg.), Education at a Glance 2014: OECD Indicators (2014), Table B.2.2.

(3) ibidem

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

3 Antworten zu “Gerhard Riegler: Vorsätze …

  1. G. Salzmann

    Offensichtlich ist das Verbreiten der Wahrheit /wahren Fakten im Bildungswesen ein Kampf gegen Windmühlen … bleibt nur zu hoffen, dass mal Flaute eintritt und so gegen Windmühlen auch ein Ankommen ist!
    DANKE für deinen unermüdlichen Einsatz lieber Gerhard!!

  2. B.NagyCui

    Cui bono ? Muss man sich dies nicht mittlerweile bei allem, was nachweislich falsch dargestellt wird, fragen?

  3. Pawel Rubljow

    Anpatzen ist heutzutage ein Probates Mittel der Propaganda. Dreck pickt und selbst wenn man ihn (oberflächlich) wegputzt, bleibt ein Fleck… Unwahrheit, Halbwahrheit, Angstmache sind solche Dreckquellen. So kann man etwas Wahlen mit einem Plus von 15 %-punkten fast gewinnen. Wege der Verbreitung von Schmutzerregrn gibt es ja genug, am einfachsten über „soziale“ Netzwerke und „Informations“medien. Und die einfachen, kleinmütigen Leute glauben’s (meist aus Denkfaulheit und Bildungsmangel), die steinalten Wirtschaftsbosse fördern’s (sich aus Kalkül).
    Fazit: Her mit mehr Bildung – aber dazu braucht es mehr Basis!

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