The government’s priority …

Österreichs Schulsystem sei viel zu teuer. Fast jeder „Experte“ (1) behauptet es. Fast jeder Journalist schreibt es. „Eine Lüge, die oft genug erzählt wird, wird irgendwann zur Wahrheit“, soll Lenin postuliert haben.

Sehen wir uns die Fakten an (2):

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Österreichs Bildungsausgaben befinden sich auf sehr niedrigem Niveau. Im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Staaten ist der Anteil am Bruttoinlandsprodukt, der ins Schulwesen (3) investiert wird, in Österreich seit 1995 erheblich gesunken – von 1995 bis 2011 um 15 %. Im OECD-Mittel ist er im selben Zeitraum um 7 % gestiegen. In den Niederlanden, dem neuen Lieblingsland vieler österreichischer Bildungspolitiker, hat sich der Anteil sogar um 19 % erhöht. (4)

Oftmals wird dem entgegengehalten, dass der Anteil am Bruttoinlandsprodukt kein taugliches Maß für die Beurteilung der Bildungsausgaben sei. Die Statistik Austria sieht das anders: „Die Ausgaben für Bildung in % des BIP sind ein Maß für die Priorität, die dem Bildungswesen im Rahmen der Ressourcenverteilung zukommt.“ (5)

Die Sparmaßnahmen im Schulbereich sind umso bemerkenswerter, als Österreich, gemessen am kaufkraftbereinigten BIP/Kopf, Platz 2 unter den wohlhabendsten EU-Staaten einnimmt. (6) Österreichs kaufkraftbereinigtes Mediannettoeinkommen ist EU-weit (nach dem Luxemburgs) am zweithöchsten und liegt 50,2 % über dem Mittelwert der EU28-Staaten. (7) Wir nagen also nicht am Hungertuch.

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Die Frage ist, wofür die Politik Geld bereitstellt: 1.750 Millionen Euro 2013 und „bescheidene“ 750 Millionen Euro 2014 für die Hypo Alpe Adria (8), 495 Millionen Euro für Werbeausgaben von öffentlichen Stellen seit 2012 (9), 5 Millionen jährlich für sprachliche Frühförderung (10) etc.

Public expenditure on education as a percentage of total public expenditure indicates the government’s priority to education compared to other public services“, meint die OECD. (11) Man muss eben Prioritäten setzen. Fragt sich nur, welche …

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) OECD (Hrsg.), Education at a Glance 2014. OECD Indicators (2014), Table B4.2.

(3) Exakt formuliert geht es um Ausgaben für „primary, secondary and post-secondary non-tertiary education“.

(4) Siehe Education at a Glance 2014, Table B2.2.

(5) Statistik Austria (Hrsg.), Bildung in Zahlen 2012/13. Schlüsselindikatoren und Analysen (Wien 2014), S. 112.

(6) Siehe World Economic Outlook Database.

(7) Siehe Eurostat-Datenbank.

(8) Siehe Website des Finanzministeriums.

(9) Siehe Markus Hametner, 495 Millionen für Inserate öffentlicher Stellen seit Mitte 2012. In: Standard online vom 15. März 2015.

(10) Siehe OTS-Aussendung der Stadt Wien, 15a-Vereinbarung zur sprachlichen Frühförderung – Oxonitsch: „Wien verdoppelt SprachförderassistenInnen! [sic!]“ vom 25. Februar 2015.

(11) OECD (Hrsg.), Improving Schools in Wales (2014), S. 32.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

3 Antworten zu “The government’s priority …

  1. Barbara Kadan

    Herzlichen Dank für diese interessante Zusammenstellung!!

  2. Leider hat Lenin recht. Ich benötige nicht Ihre gute Darstellung, um die offensichtlichen Lügen unserer Regierung erkennen zu können. Nur ein Beispiel: vor nicht allzulanger Zeit gab es doch die Diskussion um 190 Millionen Euro, welche die Unis benötigt hätten. Absolut unmöglich. Wenn man aber sieht, was halbjährlich an die Hypo zugebessert wurde, fragt man sich, wie die Verantwortung der Regierung hier vereinbart werden kann.
    Aber jedenfalls ein großes Dankeschön an Ihren Beitrag und Ihre Arbeit

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