Es ist ja Fasching …

Während ich als einziger Frühaufsteher in der Familie alleine meinen Morgenkaffee schlürfe, versuche ich mir einzureden, dass die verschiedenen Meldungen der letzten Tage, die ich während des Frühstücks lese, nur durch ein Faktum erklärt werden können: Es ist Fasching.

bigstock-toy-the-clown-7166853_blogDer Vizekanzler antwortet auf die Frage, ob die ÖVP gegen die Gesamtschule sei: „Im Mittelpunkt stehen das Kind und die Eltern, die derzeit zu viel an Nachhilfe zahlen müssen. Ich möchte die Frage der Gesamtschule aber auch nicht aussparen. Auch da werden wir einen Weg finden – mit Modellregionen zum Beispiel.“ (1) Diese Aussage ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert. Einerseits haben sich bei der Abstimmung im Rahmen des intensiv beworbenen „Evolutionsprozesses“, an der nur ÖVP-Mitglieder teilnehmen konnten, 84 % „für ein differenziertes Schulsystem“ ausgesprochen. Andererseits gehört Österreich international zu den Ländern mit dem geringsten Nachhilfeaufkommen. (2)

Seit Jahren ist bekannt, dass in diesen Tagen rund 20.000 SchülerInnen ihre „Vorwissenschaftlichen Arbeiten“ auf einen Server hochladen müssen. Die Beherrschung von Grundrechnungsarten reicht, um sich daraus die zu erwartende Serverbelastung ausrechnen zu können – und trotzdem steht alles still. Diese Panne war wirklich zu vermeiden, die erste Reaktion des Ministeriums peinlich und falsch („Die Verzögerung bzw. Fehlermeldung beim Upload passiert nur bei Arbeiten mit sehr umfangreicher Datenmenge (etwa durch nicht komprimierte Bilder bzw. Grafiken).“), und die Problembehebung mehr als mangelhaft. Und es wird kein Fettnapf ausgelassen. Obwohl die Daten diesmal nicht auf einem rumänischen Kapsch-Server liegen, lieferte die Sicherheitsprüfung der Domain die Bewertung „F“, was einem Sechser in unserem Notensystem entspräche. Einen Tag, nachdem ich diese Unglaublichkeit medial aufgezeigt habe, ist es immerhin schon ein „C“ geworden, was beweist, wie leicht es wäre … (3)

Aber Gott sei Dank gibt es „unabhängige Experten“ wie den Präsidenten des Rechnungshofes. „Warum uns der aufgeblähte Staat Milliarden kostet“, erklärt er der für ihren Qualitätsjournalismus bekannten „Krone“. (4) Der Anteil der Beschäftigen „in general government as a percentage of the labour force“ liegt in den am Hungertuch nagenden skandinavischen Staaten Finnland, Schweden, Dänemark oder Norwegen exorbitant über dem in Österreich (114, 145, 182 bzw. 187 % darüber). Im OECD-Mittel ist der Anteil immerhin noch um 45 % größer als hierzulande, und selbst in den USA, bekannt als Hort der staatlichen Planwirtschaft, liegt der Anteil um 35 % über dem in der Alpenrepublik. (5)

Und dann lese ich zum Abschluss folgende Meldung: „Schon vor der Notverstaatlichung Ende 2009 galt die Krisenbank Hypo Alpe-Adria als Eldorado für Berater. Vor allem aber in der Zeit danach, ab 2010, wurden jede Menge Experten, Gutachter und Consultants unter Vertrag genommen. Dafür wurden bis Ende 2013 bereits wieder Summen jenseits von 250 Mio. Euro ausgegeben.“ (6)

Mich beschleicht leider der Verdacht, dass dieses närrische Treiben am Aschermittwoch nicht zu Ende sein wird …

(1) Oliver Pink, Mitterlehner: „SPÖ schaut halt nicht zu, wie wir uns profilieren“. In: Presse online vom 11. Februar 2015.

(2) Bei PISA 2012 gaben 23 % der getesteten österreichischen Jugendlichen an, Mathematiknachhilfe zu bekommen. In Finnland waren es 47 %, in Südkorea 65 %, in Singapur 67 %, in Japan 70 % und in Shanghai 71 %. Siehe dazu PISA 2012-Datenbank, Abfrage vom 14. Februar 2015.

(3) Siehe Bernadette Bayrhammer, Zentralmatura: Sicherheitslücke bei Maturaplattform. In: Presse online vom 13. Februar 2015.

(4) Manfred Schumi, RH-Präsident Moser: Warum uns der aufgeblähte Staat Milliarden kostet. In: Kronen Zeitung online vom 13. Februar 2015.

(5) OECD (Hrsg.), Government at a Glance 2013, S. 103. Und falls sich der Herr Präsident mit Englisch ein bisschen schwer tut, kann er sich das auch in einem Bericht des Bundeskanzleramts ansehen: BKA (Hrsg.), Das Personal des Bundes 2014. Daten und Fakten (Wien 2014), S. 14.

(6) Staatsbank Hypo machte 250 Mio. Euro für Berater locker. In: ORF online vom 14. Februar 2015.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

5 Antworten zu “Es ist ja Fasching …

  1. Wenn’s nicht so ernst wäre, gäb’s das ganze Jahr etwas zu lachen…. Als Insider des Schulsystems kenne ich die Diskrepanzen zwischen Schul-, Schüler-, Eltern- und Lehrerwirklichkeit und dem, was so in den Medien dahingeplaudert wird, sehr gut. Immer wieder frage ich mich dann, ob das Absicht („schwere Täuschung“?) oder Unwissenheit („Dummheit“?) der verantwortlichen PolitikerInnen ist …

  2. Erich Wallner

    Ad: „Der Anteil der Beschäftigen „in general government as a percentage of the labour force“ liegt in den am Hungertuch nagenden skandinavischen Staaten Finnland, Schweden, Dänemark oder Norwegen exorbitant über dem in Österreich (214, 245, 282 bzw. 287 % darüber).“

    Wie sind diese Prozentzahlen zu interpretieren? Dass Finnland um 214% mehr Beamte (d.h. mehr als das Dreifache) hat als Österreich? Offenbar verstehen diese Länder unter dem Begriff „general government“ etwas anderes als man hierzulande darunter versteht – sofern man überhaupt etwas darunter versteht.
    Wäre also Syriza auf dem richtigen Weg, wenn sie als Erstes gleich einmal mehr Beamte einstellen wollen?

    Anmerkung Quin: Die Zahlen sind so zu verstehen: Der Anteil der Beschäftigen „in general government as a percentage of the labour force“ liegt in Norwegen bei 30,5%, in Österreich bei 10,7%. Danke für den Hinweis auf meinen Tippfehler. Der Text war zunächst anderes formuliert.

  3. Detlef Schaffer

    Trotz Fasching, ein paar unangenehme Wahrheiten: Eine wirkliche Schulreform kann nur gelingen, wenn außer Streit steht:
    1. Es gibt begabte und weniger begabte Kinder. Darauf ist bei der Schulwahl Bedacht zu nehmen.
    2. Es kann nur um Chancengleichheit gehen, niemals um Ergebnisgleichheit.
    3. Das Leistungsprinzip, eingebettet in einen pädagogischen Kontext, muss wieder Vorrang haben.
    4. Funktionale, nicht ritualisierte Disziplin bekommt wieder den Stellenwert, der für geordneten Unterricht unumgänglich ist. Bei Fehlverhalten muss es Konsequenzen geben.
    5. Die Schule ist maßlos überfordert, wenn sie alle gesellschaftlichen Defizite ausbügeln soll.
    6. Profunde Sachkenntnisse und methodisches Geschick bei den Lehrerinnen/bei den Lehrern sind keine Gegensätze.
    7. Sofortige Aussetzung der neuen Lehrerausbildung und zurück an den Start. Weg mit der Nivellierung nach unten. Verschiedene Schulformen brauchen unterschiedlich ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer- durchaus auf Universitätsebene, aber mit unterschiedlichem fachlichen Anforderungsprinzip, und daher unterschiedlich langer Ausbildungszeit. Auch muss die Bezahlung diese Tatsachen reflektieren. Daher: Weg mit dem neuen Gehaltsgesetz und daher auch hier: Zurück an den Start.
    8. Schule muss sich neuen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen.
    Sie muss sich dem Leben öffnen und offen für Neues sein. Sie darf aber nicht dem Zeitgeist hinterher hecheln, sonst hört die Schule auf Schule zu sein.
    9. Was ist Schule? Der, der es weiß, sagt es dem, der es nicht weiß.
    10.Warum Bildung? Wer nichts weiß, muss alles glauben.
    FH Hon. Prof. Mag. Dr. Detlef Schaffer, LSI i. R. 2015

    • Peter Trenker

      Vielen Dank für dieses sensationelle 8 Punkte-Programm (Die Punkte 9 und 10 sind mir zu schwammig und ungenau). Ich werde es mir ausdrucken und an die Pin-Wand hängen, auf dass ich es nicht vergesse.

  4. Danke für die klare und pointierte Formulierung der „unangenehmen Wahrheiten“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s