„Pädagogische Vorteile“

Am Mittwoch regte BM Heinisch-Hosek Mindestgrößen für Schulen an, „im sekundären Bereich schlägt sie mindestens 300 Schüler vor.“ (1)

Ich möchte mich nicht zum Pflichtschulbereich äußern, sondern mit meinen Betrachtungen im Bundesschulbereich bleiben, denn da ist BM Heinisch-Hosek die „Hausherrin“. Den Schulerhaltern im Pflichtschulbereich kann die Ministerin ohnehin nichts vorschreiben.

Vorteil Stamps

Kein Abschluss ohne Anschluss! Dieses Prinzip muss in jedem differenzierten Schulsystem gelten. Denn die Stärke eines solchen Systems liegt ja gerade darin, auf die Begabungen, Interessen und Neigungen junger Menschen eingehen und auch deren Veränderungen berücksichtigen zu können. Oberstufenrealgymnasien sind ein wertvoller Bestandteil unseres breit gefächerten Angebots und v. a. im ländlichen Raum de facto die allgemeinbildende Oberstufe von Haupt- und Neuen Mittelschulen.

Mit der Zentralmatura müssen ORG-SchülerInnen über dieselbe Hürde springen wie die der AHS-Langform, obwohl viele im ORG mit einem deutlichen Lernrückstand auf SchülerInnen der AHS-Langform beginnen. Bei der Standardtestung in Englisch haben SchülerInnen der vierten Klassen von Hauptschulen und NMS durchschnittlich 120 Punkte weniger erreicht als ihre AlterskollegInnen in der AHS. (2) Die verwendete Punkteskala entspricht der von PISA, wo innerhalb eines Lernjahres durchschnittlich eine Steigerung von 40 Punkten erreicht wird! Ich fordere deshalb für die Oberstufenrealgymnasien eine Erweiterung der Stundentafel in Deutsch, Mathematik und Englisch um eine Stunde je Schulstufe, um diesen jungen Menschen faire Chancen zu bieten.

BM Heinisch-Hosek hingegen möchte die Oberstufenrealgymnasien großflächig schließen, wenn ihre Aussage (mindestens 300 SchülerInnen pro Schule im Sekundarschulbereich) ernst gemeint ist. Denn die meisten Oberstufenrealgymnasien haben keine drei bis vier Parallelklassen pro Schulstufe. Ich habe keine österreichweite Statistik, die die aktuelle Klassenanzahl pro Schulstandort präsentiert. Exemplarisch ein Blick nach Vorarlberg, um zu zeigen, was BM Heinisch-Hoseks Anregung vor Ort bewirken würde: Alle drei reinen ORG-Standorte im Ländle müssten ihre Pforten schließen. Aber auch der Kahlschlag im berufsbildenden mittleren Schulwesen wäre nahezu flächendeckend.

BM Heinisch-Hosek sieht darin aber offensichtlich kein Problem. Ganz im Gegenteil: „Die Schließung von Kleinschulen hat für die Unterrichtsministerin nicht nur finanzielle, sondern auch pädagogische Vorteile.“ (3) Die betroffenen SchülerInnen, deren Eltern und die LehrerInnen werden diese Schulschließungen wohl kaum als „pädagogischen Vorteil“ empfinden und sie nicht hinnehmen. Meine Unterstützung ist ihnen sicher.

(1) Lisa Kogelnik, Heinisch-Hosek will weniger Kleinschulen. In: Standard online vom 14. Jänner 2015.

(2) Claudia Schreiner und Simone Breit (Hrsg.), Standardüberprüfung 2013. Englisch, 8. Schulstufe. Bundesergebnisbericht (2014), S. 32.

(3) Kogelnik, Heinisch-Hosek will weniger Kleinschulen.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Quins Kommentare

Eine Antwort zu “„Pädagogische Vorteile“

  1. Erich Wallner

    Ad: „Ich fordere deshalb für die Oberstufenrealgymnasien eine Erweiterung der Stundentafel in Deutsch, Mathematik und Englisch um eine Stunde je Schulstufe, um diesen jungen Menschen faire Chancen zu bieten.“
    Bei mir ist dieser Blog E. Quins leider unvollständig angekommen. Es fehlt jener Teil, in dem erklärt wird, auf Kosten welcher anderer Gegenstände diese Erweiterung der Stundentafel erfolgen soll – oder ob an den ORGs in Zukunft die 6-Tage-Woche eingeführt werden soll, weil das Gesamtstundenausmaß steigt.
    Wäre ich z.B. Geografie- oder Geschichte-Lehrer, dann käme ich doch glatt auf den Gedanken, eine Stunde mehr in diesen Fächern zu fordern, weil ja die diesbezügliche Vorbildung meiner ORG-Schüler (verglichen mit der Langform des Gymnasiums) zu wünschen übrig lässt …

    Anmerkung Quin: Die Forderung zielt auf eine Erweiterung der Stundentafel. Machbar wäre das allemal. In einer HTL etwa sind 36-38 Unterrichtsstunden pro Woche vorgesehen. In einem ORG sind es derzeit 28-33 Stunden. Mit drei Stunden mehr pro Jahrgang wären es dann 31-36 Stunden, also immer noch merklich weniger als in anderen Schulen der Sekundarstufe II.

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