Gerhard Riegler: Mit einem Wort: Rührung

Andreas Salcher hat uns LehrerInnen via reißerischen Buchtitel pauschal zu Feinden der talentierten SchülerInnen erklärt. Als ich vorigen Samstag einen Artikel in der Kleinen Zeitung (1) las, stieß mir dieses absurde Bild Salchers, mit dem der Herr „Bildungsexperte“ seinen Verkaufserlös zu maximieren versuchte, wieder einmal besonders sauer auf.

Open Your Mind appearing behind torn brown paper.

Die SchülerInnen zweier Kärntner Gymnasien haben von der Krankheit einer Lehrerin erfahren und darauf so reagiert, wie ich es bisher nur bei Menschen, die einem besonders nahestehen, gehört habe:

Eine schwere Knochenmarkserkrankung ihrer Lehrerin motivierte SchülerInnen des BG/BRG St. Veit und des BG Tanzenberg dazu, die onkologische Tagesambulanz im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in St. Veit als potentielle StammzellenspenderInnen in so großer Zahl zu stürmen, dass diese aus allen Nähten platzte.

Doch nicht genug damit: „Die Eltern eines ehemaligen Maturanten haben ein Busunternehmen. Sie wollten für die Spender sogar einen Shuttledienst zur Verfügung stellen“, berichtet der Ehemann der erkrankten Lehrerin, ebenfalls an einem Kärntner Gymnasium tätig, der Kleinen Zeitung.

Die Kollegin zeigte sich angesichts dieser besonderen Form gelebter Schulpartnerschaft tief bewegt: „Mit einem Wort: Rührung“, beschrieb sie ihren Gemütszustand. Und eben diese Rührung erfasste wohl sehr viele Menschen, die diese Vorweihnachtsgeschichte in der Zeitung lasen.

Herzenswärme und Mitgefühl werden von PISA und ähnlichen Testungen nicht erfasst. Sie sind aber für ein gedeihliches soziales Miteinander wohl mindestens ebenso wichtig wie andere Kompetenzen, die derzeit alles überstrahlen.

Der erkrankten Kollegin wünsche ich auf diesem Weg alles Gute und baldige Genesung, den so engagierten SchülerInnen sende ich herzlichsten Dank und ihren PädagogInnen Gratulation zu ihrem Wirken.

Den „BildungsexpertInnen“ aber wünsche ich zum bevorstehenden Weihnachtsfest Zeit zur Selbstreflexion und das Talent, sich aus ihrer bisherigen Rolle zu befreien.

(1) Markus Sebestyen, Stammzellen-Spende: Zwei Schulen kämpfen um Lehrerin. In: Kleine Zeitung online vom 6. Dezember 2014.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

Eine Antwort zu “Gerhard Riegler: Mit einem Wort: Rührung

  1. mag. hugo klingler

    Ich hoffe, Herr Salcher von der Bildungsinquisition lernt aus solchen Beispielen—hk

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