Gerhard Riegler: Tag(e) des Gymnasiums

Am heutigen 14. November, dem „Tag des Gymnasiums“, fanden quer durch Österreich beeindruckende Demonstrationen der Vitalität der AHS statt.

Ich durfte in den letzten Wochen viele „Tage des Gymnasiums“ erleben. Im Vorfeld der Personalvertretungs- und Gewerkschaftswahlen war ich an zahlreichen Schulen eingeladen und konnte eine bunte Vielfalt schulischer Wirklichkeit erleben, konnte tausenden AHS-LehrerInnen, für die ich seit vielen Jahren als „höchster“ Personalvertreter mein Bestes zu geben versuche, in die Augen blicken und mich ihren Fragen und Anliegen stellen. 100 Mails am Tag – und meistens sind es mehr – können trotz aller Vorteile digitaler Kommunikation diesen persönlichen Kontakt nicht ersetzen!

Es bewegt mich, junge KollegInnen in den Konferenzzimmern zu sehen, um deren berufliche Existenz wir gekämpft haben und weiter kämpfen werden. Dass wir diese jungen LehrerInnen ebenso wie diejenigen, die in den nächsten fünf Jahren in unsere Berufsgruppe eintreten, dem neuen Lehrerdienstrecht im letzten Moment entreißen konnten, habe ich neben ihnen stehend als besonders beglückend empfunden.

Allen KollegInnen, die der Öffentlichkeit am „Tag des Gymnasiums“ einmal mehr vor Augen führten, dass das Gymnasium eine tragende Säule unseres differenzierten Schulwesens ist, sei herzlich gedankt! Wir bieten Österreichs Jugend Chancen, von denen ihre Altersgefährten in der Mehrzahl der EU-Staaten leider nur mehr träumen können.

Wie wichtig unser Engagement für das Gymnasium ist, beweist auch die SPÖ Tirol, die beim Bundesparteitag neben einem Antrag zur Cannabis-Legalisierung auch einen zur Abschaffung des Gymnasiums in seiner Langform einbringen will. „Ganz Tirol soll zu einer Gesamtschulmodellregion werden“, fordern die Tiroler GenossInnen. Die „Bildungsministerin müsse dafür sorgen, dass Lehrer sowie Eltern solche Schulversuche gar nicht mehr durch Abstimmung verhindern können“. (1) Schluss mit demokratischer Mitbestimmung der Betroffenen, her mit dem Diktat der Politik! Ein Aufschrei der vorgeblich „basisdemokratischen“ Grünen gegen diesen unglaublichen Anschlag auf die demokratischen Rechte von LehrerInnen und Eltern ist selbstverständlich nicht zu vernehmen. Für Vorarlberg fordern sie ja dasselbe. (2) 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer stimmt mich ein solches „Demokratieverständnis“ besonders nachdenklich. Wissen manche den Wert der Freiheit nicht mehr zu schätzen?

Gymnasium-Zug_blog

Der 26. und 27. November 2014 sind besondere „Tage des Gymnasiums“. Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek, die an ihren Vorurteilen gegenüber den GymnasiallehrerInnen festhält (3), der Grüne Bildungssprecher Walser, Wirtschaftskammerpräsident Leitl und andere warten gespannt auf das Wahlergebnis: Werden die österreichischen AHS-LehrerInnen die wahlwerbenden Gruppierungen stärken, die für den Erhalt der AHS-Langform und damit auch um zwei Drittel der Arbeitsplätze im AHS-Bereich kämpfen, oder werden Sie für die angeblich „unabhängige“ Gruppierung votieren, die seit Jahren deren Abschaffung fordert?

Ich hoffe auf Festtage für das Gymnasium! Möchtegern-TotengräberInnen des Gymnasiums mögen sehr deutlich erfahren: Das Gymnasium lebt!

(1) Katharina Mittelstaedt, Roter Parteitag: Tiroler SPÖ will sich für Cannabis-Legalisierung starkmachen. In: Standard online vom 11. November 2014.

(2) Vorarlberg: Rauch (Grüne) ist „stolz“. In: Ö1-Mittagsjournal vom 8. Oktober 2014.

(3) BM Gabriele Heinisch-Hosek in der ATV-Sendung „Klartext“ am 3. November 2014.

Karikatur von Andreas Paar.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

Eine Antwort zu “Gerhard Riegler: Tag(e) des Gymnasiums

  1. H.K.

    Zitat: „Dass wir diese jungen LehrerInnen ebenso wie diejenigen, die in den nächsten fünf Jahren in unsere Berufsgruppe eintreten, dem neuen Lehrerdienstrecht … entreißen konnten…“

    Bei aller Anerkennung, da hätte es schon ein bisschen mehr sein dürfen… Nämlich weniger „reißen“, dafür bessere Bedingungen für die 2019/20er im neuen Dienstrecht. Und mit welchen Taktiken die Junglehrer bis zu diesem „Zeitpunkt ohne Option auf das alte Dienstrecht“ ins Neue gezwungen werden, ist noch nicht absehbar!

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