Rückgratverkrümmung

17 Prozent der Vorarlberger (1) haben bei den Landtagswahlen die Grünen gewählt – immerhin jeder sechste Wahlberechtigte, der seine Stimme abgegeben hat. Ob für alle Grün-Wähler die „Abschaffung der Gymnasien“ im Ländle ein Wahlmotiv war, sei dahingestellt.

Skoliose_blogDie „Tiroler Tageszeitung“ ließ kurz nach Durchsickern der schwarz-grünen Gesamtschulpläne in einer Online-Umfrage erheben, was die Bevölkerung davon hält. Das Ergebnis war mehr als eindeutig: Gerade einmal 10 Prozent sprachen sich für die flächendeckende Gesamtschule aus. (2)

Dass die Befindlichkeit der Tiroler ganz anders ist als die der Vorarlberger, glaubt wohl auch LH Wallner nicht, denn er relativierte daraufhin das Attribut „flächendeckend“ deutlich. Nicht so sein Grüner Koalitionspartner. Der künftige LH-Stellvertreter zeigte sich von der Meinung der Bevölkerung völlig unbeeindruckt. Wenn schon nicht „flächendeckend“, dann zumindest das gesamte Rheintal mit seinen rund 280.000 Bewohnern – etwa zwei Drittel der Vorarlberger Bevölkerung –, forderte er kühn. (3)

Die Vorarlberger SPÖ sagt, was Sache ist. „Eines ist klar – einen Schulversuch zur gemeinsamen Schule beispielsweise nur im Bregenzerwald zu machen, in welchem es nicht einmal eine Unterstufe der AHS gibt, macht keinen Sinn“, kritisiert auch SPÖ-Bildungssprecherin Gabi Sprickler-Falschlunger. „Dann kann man es gleich lassen, da es nichts anderes als eine Mogelpackung ist.“ Sie befürchtet eine „Schülerflucht“, sollte es zu einem regional beschränkten Versuch kommen. Diejenigen, die mobil seien und Geld besäßen, könnten nämlich den Bezirk verlassen.“ (4)

Gesamtschulversuche könnte man jederzeit durchführen, wenn sie von den Betroffenen der beteiligten Schulstandorte gewünscht würden. Die geplante Modellregion Lustenau scheiterte 2012 jedoch binnen 48 Stunden am Widerstand der betroffenen Schulpartner. „Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt“, denken offenbar die meisten Vorarlberger Politiker und fordern ein Ende dieses Mitspracherechts.

In Sonntagsreden von Schulautonomie, mehr Mitbestimmung, Ausbau der direkten Demokratie etc. zu faseln und dann so zu agieren, zeugt von äußerst schmerzhafter Skoliose, um es vorsichtig auszudrücken.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) „Soll das Gymnasium in dieser Form erhalten bleiben oder soll die Schule einer Gesamtschule weichen?“, lautete die Fragestellung. Nur 10 Prozent wählten die Antwort „Das Gymnasium sollte abgeschafft werden, eine gemeinsame Schule für alle wäre besser.

(3) Vorarlberg: Rauch (Grüne) ist „stolz“. In: Ö1-Mittagsjournal vom 8. Oktober 2014.

(4) Schwarz-Grüne Bildungspolitik am Pranger. In: ORF online vom 8. Oktober 2014.

Bild von http://www.jameda.de/gesundheits-lexikon/skoliose/.


2 Gedanken zu “Rückgratverkrümmung

  1. Danke; die Grünen haben auf den LH-Stellvertreter (Landesstatthalter) verzichtet und begnügen sich mit 2 Landesräten! Gruß Wolfgang

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