Gerhard Riegler: Aufbruch in die Freiheit!

Die Auswahl der Zitate für das ÖPU-Podest vom Juli und August war heuer besonders schwierig, da es aus einer auffallend großen Menge „podestverdächtiger“ Aussagen drei auszuwählen galt.

Es freut mich, dass sich – wohl angesichts der in vielen Staaten der EU dramatisch hohen Jugendarbeitslosigkeit – immer mehr PolitikerInnen von Positionen befreien, die sich als Irrtum erwiesen haben.

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Drei der folgenden Aussagen stammen von sozialdemokratischen und Grünen PolitikerInnen. Gratulation an alle, die ohne einen vorherigen Blick auf die Fußnoten die richtige Zuordnung schaffen:

  1. Das Gesamtschulsystem anderer Länder zeigt: Die soziale Trennung ist mindestens so stark, oft aber sogar stärker als in unserem System.“ (1)
  2. Welche Schule am besten für ein Kind ist, das müssen die Bürger frei entscheiden können.“ (2)
  3. In vielen Klassenräumen, in denen ich gewesen bin, hängen Plakate mit Regeln. Aber es fehlt meist das ergänzende Plakat: Welche Konsequenzen folgen bei Regelübertretungen?“ (3)
  4. Wenn wir nicht wollen, dass uns ganze Stadtteile entgleisen, müssen wir etwas tun.“ (4)
  5. Spanische oder griechische Jugendarbeitslosigkeiten sind auch auf eine Überakademisierung zurückzuführen.“ (5)
  6. Es ist völlig illusorisch zu glauben, ein Lehrer könne für jeden Schüler einen eigenen, auf ihn zugeschnittenen Lehrplan entwickeln. Das kann zu einer Überforderung für alle Beteiligten führen.“ (6)
  7. Inklusion ist oft ein Etikettenschwindel. Kinder können im Unterricht dabei sein, aber sie werden nicht spezifisch gefördert.“ (7)
  8. In Finnland ist auch der Anteil der Akademikerkinder in den renommierten Universitäten extrem hoch. In Österreich funktioniert die soziale Durchlässigkeit besser.“ (8)

Höchst erfreulich ist es, dass sich nun endlich auch auf dem Feld der Bildungspolitik das Denken von alten Dogmen zu befreien scheint. Noch erfreulicher wäre es, wenn es diesen Aufbruch auch in Österreich gäbe. Aber in Österreich glaubt man offensichtlich noch immer, auf ahnungslose Pseudo-ExpertInnen setzen zu müssen.

Auf dem September-Podest der ÖPU sind noch drei Plätze frei. Gesucht sind PolitikerInnen, denen die Zukunft unserer Jugend ein größeres Anliegen ist als das sture Festhalten an alten Denkmustern, deren Scheitern heute sichtbarer denn je ist.

(1) Univ.-Prof. Dr. Stefan Hopmann, Kleine Zeitung online am 29. Juni 2014.

(2) Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im deutschen Bundestag, FAZ online am 23. August 2014.

(3) Dr. Walter Kowalczyk, Schulpsychologe und vielfacher Buchautor, bildungsklick.de am 5. August 2014.

(4) Heinz Buschkowsky, sozialdemokratischer Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Die Welt online am 28. August 2014.

(5) Dr. Klaus von Dohnanyi, sozialdemokratischer Bildungsminister Deutschlands a. D., Süddeutsche Zeitung online am 29. August 2014.

(6) Univ.-Prof. Dr. Bernd Ahrbeck, Der Spiegel vom 18. August 2014, S. 38.

(7) Univ.-Prof. Dr. Werner Dollase, profil (Zeitung des dphv) vom Juli/August 2014, S. 21.

(8) Univ.-Prof. Dr. Josef Aff, Die Presse online am 18. Juli 2014.

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