Einen Schritt weiter …

Reinhold Mitterlehner hat die undankbare Aufgabe übernommen, seine Partei auf Erfolgskurs zu führen. Man möchte das verstaubte Image ablegen, sich öffnen, progressiv sein etc.

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Was das im Bildungsbereich bedeuten könnte, entnehme ich den Medien. Der Tiroler Landeshauptmann betonte gestern im Interview, „dass die Tiroler VP für die gemeinsame Schule eintritt“ und dass es dafür „einstimmige Beschlüsse im Landesparteivorstand“ gebe. (1) Und heute lese und höre ich, dass Andreas Salcher der „Bildungsguru“ des neuen ÖVP-Parteiobmanns werden soll. (2)

Im Ö1-Mittagsjournal konnte Österreich vernehmen, welchen Ratschlag Salcher für die ÖVP parat hat. Auf die Frage, ob „Mitterlehner lieber auf die Stimmen der Lehrer verzichten und dafür die der Eltern und der Wirtschaft einsammeln“ solle, antwortete der „Experte“: „Na ja, ich glaube, jeder Politiker, der die Grundrechnungsarten beherrscht, der wird sehr schnell zu diesem Schluss kommen.“ (3) Dass er es selbst nicht so mit den Grundrechnungsarten hat, verschwieg er geflissentlich. (4)

Mit dieser Aussage zeigt Salcher, dass er, obwohl Betriebswirt, von Mitarbeiterführung ebenso viel Ahnung zu haben scheint wie von Bildung. Denn unabhängig davon, wie man zu Salchers Vorschlägen steht, gehört es zum kleinen Einmaleins jeder Managementausbildung, dass ein Betrieb nur mit motivierten MitarbeiterInnen gute Ergebnisse liefern kann. In eine Schule mit demotivierten LehrerInnen wollte ich jedenfalls meine Kinder nicht schicken.

Glaubt man den Umfragen und den politischen KommentatorInnen, stand die Bundes-ÖVP vor wenigen Tagen vor dem Abgrund. Mit solchen Beratern ist sie einen großen Schritt weiter. Fragt sich nur, in welche Richtung.

(1) Platter: „Nulldefizit nicht in Stein gemeißelt“. In: Tiroler Tageszeitung online vom 3. September 2014.

(2) Bildungsreform: Salcher berät Mitterlehner. In: Österreich online vom 4. September 2014.

(3) Ö1-Mittagsjournal vom 5. September 2014.

(4) Der „Bildungsexperte“ blamierte sich am 23. Mai 2014 in „Wir sind Kaiser“. Die rund zwei Minuten kann man hier genießen.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


8 Gedanken zu “Einen Schritt weiter …

  1. Diese Partei muss man offensichtlich vor sich selbst schützen. Damit steht jetzt zu befürchten, dass das Gymnasium und alle seine positiven Auswirkungen (auch auf die wirtschaftliche Situation Österreichs) bald Geschichte sind.
    Ich glaube übrigens nicht, dass die ÖVP für diesen Kurs die „Stimmen der Eltern und Wirtschaft“ bekommen wird, denn die Mehrheit der Eltern will, dass ihre Kinder möglichst gute Schulen besuchen und die Wirtschaft will gut ausgebildete Arbeitnehmer. Aber vielleicht geschieht – durch Überzeugungsarbeit unsere Personalvertretung – noch ein Wunder!

  2. Ich brech nieder … 😄😄😂😄😄!
    „DER“ Experte berät nun die ÖVP!
    Gott sei Dank habts ihn euch ghalten … hab ja immer befürchtet, dass ein sozialdemokratischer Innovativling auf die doofe Idee kommt.
    Tja, jede Partei bekommt die Berater/Experten, die sie verdient!

    Ich lach mich nieder …
    Hab ich was verpasst? Is heut eh nicht 1.April???

    Ein bissl neidig bin i scho … alle ÖVP-Mitglieder bekommen sicher ein talentiertes Buch günstiger … oder eher das von den letzten Dingen …

    Ist das Leben nicht schön!
    Es gibt nichts spannenderes als einen peinlichen Moment!
    😄😄😄

    Kann mich gar nicht einrenken …
    Eckehard … diskutierst du jetzt mit Herrn S. die Schulpolitik und lässt dich von ihm und seinen Ideen leiten, befruchten, verführen, inspirieren …?

    Okok … das war fies … man soll nicht in offenen Wunden bohrln ..
    Aber die Welt braucht diese freudvollen Momente … dieses kleine auskostbare Glück!
    😄😄😄

  3. Ich danke Gott, dass ich schon im Ruhestand bin und den nun endgültigen Niedergang der österreichischen Schulpolitik nicht mehr mitmachen muss!
    Dr. I. K.

  4. Den Kasperl hat man an seiner Zipfelmütze erkannt, echte “Experten“ erkennt man an der erreichten Anzahl an ORF-Sendesekunden und Krone-Buchstaben. Der Kasperl hat auch viel Unsinn gequatscht, aber der war wenigstens lustig und hat keinem weh getan außer dem bösen Krokodil…

  5. Mit Salcher soll offenbar nun auch in der ÖVP der Weg zur „Gesamtschule“ geebnet werden. Man ist fassungslos, weshalb nun auch in der ÖVP daran gegangen wird, den nachweislich erfolgreichsten Schultyp – die AHS Langform – zu zerstören und durch die „Gesamtschule“ zu ersetzen.

    Ist der ÖVP noch zu helfen??? Man hat in den „eigenen Reihen“ exzellente LandesschulinspektorInnen und (AHS) DirektorInnen, die aus langjähriger Praxis konstruktive Ansätze für eine Weiterentwicklung des österreichischen Bidlungssystems bieten könnten. Und nun SALCHER ! – ein selbsternannter „Bidlungsexperte“, der keine Minute vor einer Klasse gestanden ist – ein eitler Schwätzer, ein Bildungspopulist ohne jede Fachkompetenz. Wenn die ÖVP den Weg mit Salcher zur Gesamtschule beschreitet, hat sie die nächste Wahl schon verloren …

    Es wird mir als Universitätslehrer künftig eine Freude sein, die weisen Erkenntnisse des neuen Bildungsexperten in den Lehrveranstaltungen für LA-KandidatInnen zur Diskussion (somit öffentlich an den Pranger) zu stellen…

    ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Franz Wöhrer
    Institut für Anglistik und Amerikanistik
    Universität Wien

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