„Na, was brauch i des?“

Diese geflügelten Worte des Herrn Travnicek auf Reisen sind vielleicht den Verantwortlichen im Unterrichtsministerium in den Sinn gekommen, als sie an die österreichischen LehrerInnen im Ausland gedacht haben.

Bild von http://www.youtube.com/watch?v=Id8c7gBIlcI
Bild von http://www.youtube.com/watch?v=Id8c7gBIlcI

Österreichische Schulen gibt es in Budapest, Guatemala City, Istanbul, Prag, Querétaro (Mexiko) und Shkodra (Albanien). Zusätzlich werden einige österreichische LehrerInnen als „lebende Subventionen“ an deutsche Auslandsschulen entsandt – bisher, jedenfalls. Ihnen flatterte dieser Tage ein Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Frauen ins Haus, in dem ihnen mitgeteilt wird, dass „im Bereich der Auslandsschulen empfindliche Personalkürzungen vorgenommen werden. Für die Entsendungen der österreichischen Subventionslehrkäfte an die Deutschen Auslandsschulen bedeutet dies die Beendigung aller Entsendungen mit dem Auslaufen des jeweiligen Entsendedatums.“ (1) Darüber hinaus wird die Zahl der Lehrkräfte an den österreichischen Auslandsschulen drastisch reduziert.

Selbstverständlich ist es nicht nur in Zeiten knapper Budgets angebracht, den Sinn von Ausgaben immer wieder zu hinterfragen: Österreichische und deutsche Schulen im Ausland sind Schulen der Begegnung. „Diese Begegnung will die Schule in verschiedensten Bereichen, ganz besonders auf dem Gebiet des Bildungswesens, der Kultur und Religion, der Sprachen, im sozialen Bereich und unter den Schülern und späteren Absolventen ermöglichen und fördern“, heißt es etwa im Leitbild des Österreichischen St. Georgs-Kollegs in Istanbul, das ich erst kürzlich besucht habe. „Den Unterricht erteilen zu etwa einem Drittel türkische und zu zwei Drittel österreichische Lehrerinnen und Lehrer. Wie die Lehrer sind auch die Schüler von unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund: 99 % der Schüler sind türkische Staatsbürger und ca. 96 % sind Moslem, 3 % Christen verschiedenster Konfessionen und 1 % Juden. Die Schule will den Wissensstand über die jeweils andere Kultur und Religion heben und so das Verständnis und die Toleranz dafür fördern.“ (2)

Ich persönlich denke, dass wir – allen Travniceks zum Trotz – das ganz dringend brauchen …

(1) Schreiben des BMBF an alle österreichischen Subventionslehrkräfte an Deutschen Auslandsschulen vom 29. Juli 2014, Gz BMBF-650/0018-IA/4a/2014.

(2) Leitbild des Österreichischen St. Georgs-Kollegs in Istanbul.


5 Gedanken zu “„Na, was brauch i des?“

  1. Als Absolventin der Deutschen Schule in Addis Abeba stimmt mich dieser Artikel ganz besonders traurig.
    Ich möchte keinen Tag der 7 Schuljahre an dieser Schule missen, denn sie haben mein Leben und meinen Zugang zu Menschen geprägt und sicher auch die positive Einstellung zu meinem Beruf und den Kindern maßgeblich beeinflusst.

    1. Anlässlich der Erwähnung der Deutschen Schule in Addis Abeba möchte ich auf deren wohl bekanntesten Absolventen hinweisen. Er heißt Asfa-Wossen Asserate und hat mehrere Bücher auf Deutsch geschrieben; das bekannteste davon heißt „Manieren“ und behandelt eben dieses Thema. Ich kann es allen MitleserInnen nur empfehlen – auch die Bewertungen auf amazon sind durchwegs sehr gut. Die Taschenbuch-Ausgabe kostet 10 Euro.

      Erich Wallner

      1. Asfa Wossen Asserate ist Neffe von Kaiser Haile Selassie und war gleichzeitig mit uns im Internat der Deutschen Schule. Er hat 1968 sein Abitur gemacht.
        Mit etwa Glück erwischt man sogar in Wien eine persönliche Lesung aus seinem Buch.

  2. Ja, alles richtig und berührend aufgeschrieben, aber:
    wie schon so oft, meine (monoton bohrende) Fragen:
    Was geschieht weiter? Tut jemand (von den Observierern der
    Geschehnisse) etwas? Unternimmt jemand (von den Kommentatoren
    der Entwicklungen) etwas? Hat jemand (von den Wissenden) einen
    guten Vorschlag? Ist jemand (von unseren Standesvertretern) auch
    bereit, nicht nur von beklagenswerten Fakten zu berichten, sondern
    aktiv(!) mitzugestalten.

    Zwar Off-Topik aber dennoch mit Verlaub:
    Wie wir nun (durch die Medien) wissen, ist der Vizepräsident-Posten
    des SSR-Wien, obwohl nicht schlecht dotiert, für nichts gut, da damit
    keine echten Kompetenzen – außer Einsichtnahme in Akten, die
    doch jedem Staatsbürgen möglich sei sollte – verbunden sind.
    Wer hilft mit, den Schwung, „das Momentum“, mitzunehmen und
    den Posten einzusparen?

    MfG, W. Stuzka, 910026

  3. „Wozu brauch‘ ma des?“ Ja, das ist schon lange das Motto unserer österr. Bildungspolitik. Nun hat es also auch die weiter entfernten Gebiete erreicht.

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