Gerhard Riegler: Was wichtig ist, bestimme ich …

Es gebe einfach wichtige und weniger wichtige Tests“, erklärte laut Medienberichten die Sprecherin von BM Heinisch-Hosek: „Pisa gehört dazu, andere Tests nicht.“ (1)

Stammwappen der Starchemberg um 1340 (Bild von Wikimedia Commons)
Stammwappen der Starchemberg um 1340 (Bild von Wikimedia Commons)

Im barocken Palais Starhemberg am Minoritenplatz scheint der Absolutismus Renaissance zu feiern. Wozu sich mit langen Erklärungen aufhalten, die das dumme Volk ohnehin nicht versteht? Das hohe Ministerium verkündet die Wahrheit, und damit basta!

Doch dummerweise lassen sich im 21. Jahrhundert nicht alle vom Glanz imperialen Gehabes blenden. So wagte es die „Presse“-Redakteurin Mag.a Julia Neuhauser, unter dem Titel „Danke, Datenleck“ (2) geradezu Majestätsbeleidigendes zu Papier zu bringen. Sie bezeichnete Heinisch-Hoseks doppelten PISA-Salto mit anschließender PIRLS-TIMSS-Schraube als „entlarvend und demaskierend“.

Dabei wandelt die Unterrichtsministerin doch nur auf den „bewährten“ Spuren ihrer Amtsvorgängerin, der es mittlerweile noch besser als KHG gelingt, das Licht der zürnenden Öffentlichkeit zu meiden. Deren Motive wurden vom vormaligen BIFIE-Direktor DDr. Günter Haider vor elf Monaten folgendermaßen beschrieben: „Daten, die nicht entstehen, können später keinen Erklärungsnotstand für Politiker verursachen.“ (3) Bezogen haben sich diese Worte auf Schmieds skandalösen Ausstieg aus der TALIS-Studie, die den enormen Rückstand Österreichs beim Supportpersonal nachgewiesen hatte.

Haiders Erklärung passt jetzt bestens zum dreisten Versuch Heinisch-Hoseks, PIRLS- und TIMSS-Ergebnisse aus der Welt zu schaffen. Lassen Sie mich einige der, wenn sich das Volk dem Machtwort vom Minoritenplatz demütig unterwirft, letztmaligen Ergebnisse Österreichs bei PIRLS und TIMSS in Erinnerung rufen (4):

  • Österreichs 10-Jährige, die zu Hause nicht die Unterrichtssprache sprechen, weisen beim Lesen im internationalen Vergleich einen der größten Leistungsrückstände auf.
  • Bei der Lesekompetenz der 10-Jährigen landet Österreich hinter allen 13 EU-Staaten, „die Österreich aufgrund ihrer ökonomischen oder geografischen Lage besonders nahe stehen, da sie zu den zehn reichsten EU-Ländern zählen und/oder ein Nachbarland sind“ (5), auf dem letzten Platz.
  • Während es 19 % der 10-Jährigen Nordirlands und 18 % derer aus England und Finnland in die Gruppe der sehr guten LeserInnen schaffen, gelingt dies in Österreich nur 5 % der 10-Jährigen. Auch diesbezüglich landet Österreich unter den 14 Vergleichsländern auf dem letzten Platz.
  • Österreich und die Tschechische Republik sind die beiden Länder, in denen sich die Mathematik-Leistungen der 10-Jährigen seit Mitte der 1990er-Jahre am meisten verschlechtert haben.

Weniger wichtig“, meint Österreichs Majestät vom Minoritenplatz, sofern die Botschaft von ihrer Sprecherin richtig verkündet wurde.

(1) Lisa Aigner, Trotz Pisa-Teilnahme: Volksschultest TIMSS bleibt abgesagt. In: Standard online vom 26. Mai 2014.

(2) Julia Neuhauser, Danke, Datenleck! In: Presse online vom 27. Mai 2014.

(3) Zit. n. Julia Neuhauser, Schmied sagt Lehrerstudie ab: Fürchtet sie Ergebnisse? In: Presse online vom 25. Juni 2013.

(4) Eine ausführliche Analyse der Ergebnisse habe ich vor einem Jahr unter dem Titel „Der Leistungsstand unserer 10-Jährigen“ im „gymnasium“, der Zeitschrift der AHS-Gewerkschaft, veröffentlicht.

(5) BIFIE (Hrsg.), PIRLS & TIMSS 2011. Schülerleistungen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft in der Grundschule. Erste Ergebnisse (Graz 2012), S. 9.


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