2 x 3 macht 4 …

… widdewiddewitt und 3 macht 9e. Ich mach‘ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.

pippi-langstrumpf-3851200_blog

Zumindest aus meiner Generation kennt jeder diese Worte aus dem Titellied der deutsch-schwedischen Fernsehserie „Pippi Langstrumpf“.

Gestern fand die Zentralmatura in Englisch statt, an der sich sehr viele Maturaklassen beteiligten. Um 15:00 Uhr wurden die Beurteilungskriterien für LehrerInnen freigeschaltet. Danach begann mein ohnehin recht „unruhiges“ Handy ungewöhnlich oft zu vibrieren. Als mir die erste Kollegin erzählte, die für die Noten erforderlichen Prozentsätze seien im Vergleich zu den bisherigen hinaufgesetzt worden, dachte ich zunächst – die Kollegin möge es mir verzeihen –, dies könne nur ein Missverständnis sein. Da mir die folgenden AnruferInnen aber dasselbe mitteilten, musste ich mir eingestehen, dass mich das BIFIE und das Unterrichtsministerium trotz langjähriger Erfahrung immer wieder überraschen können. Die rechtliche Verantwortung trägt übrigens ausschließlich die Unterrichtsministerin. Denn die „Aufgabenstellung“ ist „durch den zuständigen Bundesminister“ zu bestimmen (§ 37 Abs. 1 Z 3 SchUG).

Zur Übersicht die fünf Beurteilungsstufen, die dafür laut gestrigem BIFIE-Schreiben bei der Zentralmatura zu erreichenden Prozentsätze und in Klammer die bisherigen Werte, wie sie auch bei den Schularbeiten angewandt werden:

  • Nicht genügend < 63,0 (60,0)
  • Genügend 63,00 bis < 72,25 (60,0 bis < 70,0)
  • Befriedigend 72,25 bis < 81,50 (70,0 bis < 80,0)
  • Gut 81,50 bis < 90,75 (80,0 bis < 90,0)
  • Sehr gut 90,75 bis 100,00 (90,0 bis 100,0)

Die Matura selbst ist in einen rezeptiven (Hör- und Leseverstehen) und einen produktiven (Schreiben, Sprachgebrauch) Kompetenzbereich geteilt. In jedem Bereich müssen mindestens 50 % der Punkte erreicht werden, um eine positive Beurteilung zu erhalten. Bisher konnten 50 % in einem Bereich durch 70 % im anderen kompensiert werden. Bei der gestrigen Matura sind dafür laut BIFIE 76 % notwendig.

Bei jedem Chemietest muss ich für jedes Beispiel die zu erreichende Punkteanzahl und den Notenschlüssel angeben – also mit wie vielen Punkten welche Note erreicht wird. Das ist im Sinne der Transparenz auch gut und richtig. Bei der Zentralmatura hingegen haben die KandidatInnen keine Ahnung, was und wie viel sie jeweils erledigen müssen, um welche Note zu bekommen. Würde ich als Lehrer so agieren, hätte ich zu Recht sofort Direktion und Schulaufsicht am Hals. Aber hier geht es ja „nur“ um die Matura …

Mich erinnert das sehr an die Arithmetik von Pippi Langstrumpf, aber die war zumindest lustig …

Bildquelle: http://www.tvmovie.de/sites/www.tvmovie.de/files/import/images/content/240985/pippi-langstrumpf-3851200.jpg

14 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

14 Antworten zu “2 x 3 macht 4 …

  1. Mag. Ingrid Szewieczek

    Und wer hilft uns entnervten EnglischlehrerInnen endlich gegen diesen Bifie-Wahn? – Niemand!!!
    Ich habe innerhalb von 8 Tagen (incl. Muttertagswochende) 24 Arbeiten zu korrigieren, natürlich neben meiner normalen vollen Unterrichtsverpflichtung. Solche Ärgernisse tragen weiter zu meiner Entwicklung Richtung Burn-out bei.

  2. Ich gehe von einem krassen Irrtum aus….

    Dieses Procedere ist nicht zu akzeptieren… Beurteilungsschlüssel NACH absolvierter Aufgabenerledigung zu ändern….das öffnet Tür und Tor für Notenbeschwerden, gerade im Bereich – positiv/negativ!!

  3. Mag. Inge Pichler

    Ich frage mich ernsthaft, WARUM das bifie alle paar Wochen/ Monate ungebremst in ein neues Fettnäpfchen tritt. Sind die Verantwortlichen inzwischen zu mächtig und zu ‚abgehoben‘ und meinen, sich ALLES erlauben zu können oder sind sie zu wenig schlau, sich VOR einem derartigen Vorgehen Gedanken über die Folgen zu machen????

    In meiner Schule stellen wir KollegInnen uns bezüglich schwacher (Oberstufen-) SchülerInnen meist die Frage: KANN sie/er nicht – oder WILL sie/er nicht? In beiden Fällen sollte sie/er sich einen ‚Plan B‘ überlegen. Das würde ich dem bifie in der jetzigen Situation auch raten.

  4. Hmm kniffliges Thema. Wenn die Aufgaben dieses Jahr leichte rwaren als in den Vorjahren, dann muss man die Prozentanforderungen höher setzten um vergleichbare Ergebnisse zu haben.

    Vorher nicht zu wissen wie viel man richtig lösen muss um eine bestimmte Note zu erreichen ist allerdings diskutabel. Aber letztendlich löst ein Proband immer so viele Aufgaben wie irgendwie in der gegebenen Zeit möglich. Niemand wird sagen, „Ok, ich habe genügend für die 2.0, jetzt mache ich Schluss“ sondern man nimmt die restliche Zeit um weitzerzumachen. D.h. es ist eigentlich irrelevant, ob man die Anforderungen kennt oder nicht, man wird immer versuchen so viele Aufgaben so gut wie möglich zu lösen.

  5. mittend

    Seit wann hat das BIFIE ein Weisungsrecht gegenüber den Lehrer/innen? Solange die „neuen“ Richtlinien nicht rechtskonform (d.h. durch Weisung eines zuständigen Organs) veröffentlicht worden sind, sind sie kaum das Papier wert, auf dem sie abgedruckt sind. Vorauseilender Gehorsam ist von der Seite der Lehrer/Lehrerinnen nicht angebracht.

    • Gernot Prünster

      Tja, so einfach ist das leider nicht:

      1.) Der LSR Stmk. hat heute (08.05.) erlassen, dass der Korrekturrechner des BIFI zu verwenden ist. Zitat: „Jede Abweichung von diesen Korrekturrichtlinien ist rechtswidrig.“

      2.) Medial verbreitet das BIFI aber folgendes: „Das Bifie weist die Lehrer an – ebenfalls in einem neuen Schreiben an die Direktoren – bei der Korrektur der Fremdsprachen-Zentralmatura vor allem im Falle knapper Ergebnisse und der Entscheidung über das Durchkommen nicht nur die vom Computer vorgeschlagene Note zu vergeben, sondern auf die Gesamtleistung zu achten.“ (http://derstandard.at/1399506880146/Notenschluessel-Aenderung-fuer-Brandsteidl-unhaltbar)

      Meine Interpretation: Wenn es hart auf hart kommt (Berufung), sollen die Lehrer den schwarzen Peter haben, das BIFI ist unschuldig.

  6. Wir werden allen Schülerinnen und Schülern die mit Nicht genügend beurteilt werden, raten den Rechtsweg zu beschreiten.
    Bis jetzt habe ich immer gedacht es gibt in diesem Land Gesetze die die Beurteilung regeln. Anscheinend stimmt das so nicht mehr.

  7. Nun nochmals – bisher wurden immer 60 % angesetzt,
    nun auf einmal wird „adaptiert“? Weil die Aufgaben“ leichter“ waren?
    Das versteht in der Ö. Bildungslandschaft niemand…schon garnicht die Schüler/innen….. !

    • Erich Wallner

      Da sich bisher niemand bemüßigt gefühlt hat, in diesem Forum auf die Argumentation des Bifie zu verweisen, tue ich es hiermit: Am einfachsten findet man sie im Netz, wenn man diesen String googelt: „Carol Spöttl, unter deren Leitung“. (OTS0216 II 07.05.2014 15:26:59)
      Im Prinzip kann ich ja verstehen, dass ein Kalibrierungsfaktor nötig ist. Was ich nicht verstehe, ist, wieso ein solcher bei den zentralen Englischklausuren 2013, 2012 und 2011 NICHT nötig war. Waren die damals unwissenschaftlich?
      Interessant wird auch sein, wie es heuer in den anderen Fremdsprachen läuft. Nimmt man die oben zitierte Bifie-Argumentation für bare Münze, dann müsste eigentlich in jeder Sprache eine andere Fünfer-Grenze zum Tragen kommen, weil „es nicht möglich ist, Texte für die Überprüfung der Lesekompetenz zu finden, die bei jedem Matura-Termin exakt gleich schwierig sind. Dasselbe gilt auch für die Hörbeispiele“. Da erklärt man den Leuten zuerst, wir bräuchten eine Zentralmatura, weil dort alles standardisiert ist, und dann benötigt man in Englisch 63%, in Französisch vielleicht nur 58% und in Spanisch 60%, weil die dort zufällig (?) eine Punktlandung geschafft haben. Nächstes Jahr ist es wieder ganz anders, da hat dann Englisch 57% und Französisch 63%. So sieht also Standardisierung aus?

      Anmerkung Quin: Diese „Kalibrierung“ findet bei der Zentralmatura in allen lebenden Fremdsprachen statt, in den alten Sprachen, Mathematik oder Deutsch hingegen nicht.

  8. LK

    Die Argumentation des Bifie find ich hochgradig inakzeptabel. Unterschiedliche Aufgabenstellungen sind nie gleich schwierig (wie misst man das überhaupt? Nach dem Bauchgefühl im großen Zeh?). Das ist in Mathematik auch nicht anders. Trotzdem muss ich für den Nebentermin den gleichen Notenschlüssel wie für den Haupttermin verwenden und kann nicht sagen „Diesmal sind die Beispiele leichter, da ist der Schüler erst ab 26 Punkten positiv und nicht mit 24“.

  9. Peter Trenker

    Und das ganz grundsätzliche Problem bleibt:
    Da es sich hier nicht um eine naturwissenschaftlich „objektive“ Beurteilung eines Werkstoffes handelt, ist die Vorgehensweise Größenwahn:
    Wie misst man eigentlich, dass die heurige Matura um genau 3% leichter war, als die im vergangenen Jahr? Warum nicht 2,5% oder 4%?
    Oder gibt es einfach zu wenig 5er sonst und man löst das Problem von hinten, also von den zu erwartenden Ergebnissen?

  10. Das Grundproblem ist, dass sich hier einige wenige Leute (ohne demokratisch abgesichertes Mandat), dazu aufschwingen die Schwierigkeit zu beurteilen und noch dazu einen Beurteilungsschlüssel zu verordnen und damit in das Leben anderer gravierend eingreifen. Ich denke das ist verfassungswidrig, weil hier die gesetzlich festgelegten Kompetenzen umgangen werden. Höchste Zeit das einmal rechtlich auf den Prüfstand zu stellen, das muss allerdings die GÖD machen….

  11. Marianne Findeis

    Erst im April ein Mail zu schicken, in dem vage mitgeteilt wird, dass es geringfügige Änderungen bei der Berechnung geben wird, ist unprofessionell und unterstreicht den chaotischen Eindruck.der letzten Zeit.

    Und bitte, was hat sich das BIFIE dabei gedacht, nach der SRP in Englisch die LÖSUNGEN der Hörtexte OHNE HINTERGRUNDGERÄUSCHE auf die Homepage zu stellen?????? So entsteht der Eindruck, die Texte wären sehr einfach gewesen, was überhaupt nicht der Wahrheiut entspricht. Der Öffentlichkeit wird so ein völlig falsches Bild vermittelt.

    .

  12. Mag. Katharina Renath

    Im letzten und laufenden Schuljahr wurden die Beurteilungskriterien bereits mehrmals für Schularbeiten kurzfristig geändert und uns SprachlehrerInnen auferlegt, und dann wieder geändert, zuletzt aufgrund von Protesten. Viel zu schnell, unüberlegt und kurzfristig werden solche Entscheidungen getroffen. Und die Krönung ist, dass nach der Matura sang und klanglos der cutscore gleich auf 63 gesetzt wird. Ich möchte gerne eine seriöse Darstellung für die Ermittlung des cutscores lesen. Wer hat diesen erstellt, und auf welchen Parametern beruht er. Wo liegt die Ober und wo die Untergrenze? Wird der Herbsttermin einen anderen cutscore haben? Ist der cutscore nun verbindlich od in Härtefällen ein Richtwert? Wie ist das bei SchülerInnen, die bei cutscore 62 mit Befriedigend und bei cutscore 63 mit Genügend bewertet werden? Würde dieser cutscore einer juristischen Überprüfung standhalten? Maturaarbeiten zu korrigieren und benoten ist ohnehin bereits viel Arbeit für uns Lehrer und, warum diese nervenraubende Zusatzbelastung mit der Unsicherheit cutscore! Und ein neuer Maturarechner! Wie schön… once again we have to deal with a lot of stress!!

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