16 Tage

In 16 Tagen, am 29. April 2014, wird dem Nationalrat die Budgetrede geboten. Eine Passage wird wohl auch den Einsparungen im Bildungsbereich gewidmet sein. Viel Wehklagen wird darin aber nicht vorkommen. „Ich bin dafür, dass wir raus aus dieser Jammerspirale kommen“, erklärte BM Heinisch-Hosek bereits gestern in einem Radiointerview. (1) Irgendwie erinnert mich das an den berüchtigten „Gesudere“-Sager von Alfred Gusenbauer (2) oder die „Leidensgemeinschaft“ von Claudia Schmied (3).

2014 year calendar. April calendar on a white background

Die derzeitige Unterrichtsministerin richtete uns LehrerInnen ihre Interpretation aus: „Hier werden wir bei den Überstunden ein bisschen schrauben. Denn wenn wir die ein oder andere Teilungszahl verändern, heißt das zum überwiegenden Teil, dass weniger Überstunden gemacht werden – ist ja auch eine Erleichterung für die Kolleginnen und Kollegen draußen in den Schulen.“ (4) Die KollegInnen, die doppelt so viele SchülerInnen unterrichten wie bisher, werden sich sehr entlastet fühlen – und die, die ihren Job verlieren, ganz besonders!

Offenbar sind die Maßnahmen koalitionär abgestimmt – auch im Bildungsbereich, zu dem der Finanzminister so zitiert wird: „Die Frage ist nicht, ob wir sparen müssen, sondern wie.“ (5)

Die Beliebigkeit, mit der dieses Spardiktat verordnet wird, ist atemberaubend. […] Es zeigt sich eine Systematik zunehmend autoritärer Geistfeindlichkeit und Bildungsabwehr. Denn das, was – ausgerechnet! – den Schulen zugemutet wird, ist nicht weniger als eine gefährliche Zerstörungsstrategie. Verordnete Verblödung. Vorsätzlicher Chancenentzug. Staatlicher Zukunftsraub.

Alles, was von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nun recht lapidar verlautbart wurde, nimmt vielen Schülerkohorten jede Chance, einigermaßen unbeschadet durch die Schule zu kommen, geschweige denn, sie möglichst erfolgreich zu absolvieren. Im zweitreichsten Land der EU wird das Schulsystem willentlich auf einen Minimalstandard heruntergefahren. Und niemand in der Regierung schreit auf?“ (6)

Und um wie viel Geld geht es eigentlich? Nach den Aussagen der letzten Tage sind es im Doppelbudget 2014 und 2015 117 Millionen Euro.

Allein im Jahr 2013 hat die Hypo Alpe-Adria 2,7 Milliarden Euro in den Sand gesetzt. (7) Anders ausgedrückt: In gerade einmal 16 Tagen hat die Regierung in dieser Pleite-Bank soviel Geld verbrannt, wie sie nun der Bildung in zwei Jahren entzieht.

Bildung oder Banken? Man kann der Regierung nicht vorwerfen, sie setze keine Prioritäten. Wem die Zukunft unserer Jugend und unseres Wohlstands am Herzen liegt, wird mit mir aber übereinstimmen, dass es die falschen sind.

(1) Heinisch-Hosek: Gute Schule nicht nur Geldfrage. In: ORF online vom 12. April 2014. Die „Jammerspirale“ ist hier zu hören.

(2) „Und des wird heit wos Ordntliches in Donawitz oder des übliche Gesudere?“ Siehe Gusenbauer im Report.

(3) „Jeder, der des Studium beginnt im Joar zwatausendvierzehn, weiß, wos ihm dann erwartet. Und wannas net wü, sollas net studieren. Bitte, i zwing jo niemanden, dass a Lehrer oder Lehrerin wird. I waaß net, i hob manchmoi den Eindruck, des is ois a so eine Leidensgemeinschaft do!“, so Claudia Schmied bei einer Pressekonferenz in Bregenz am 19. September 2013. Allerdings muss man den Originalton hören, um die Sprachmelodie und den überschäumenden Enthusiasmus in ihrer Stimme wirklich „genießen“ zu können.

(4) Heinisch-Hosek bestätigt Schul-Sparpläne. In: Ö1-Morgenjournal vom 11. April 2014.

(5) Spindelegger beharrt auf 800-Mio.-Sparpaket. In: Österreich online vom 12. April 2014.

(6) Lisa Nimmervoll, Bildungsblinde Schraubenfabrik. In: Standard online vom 11. April 2014.

(7) Hypo-Verlust 2013: 2,7 Mrd. Euro. In: ORF online vom 10. April 2014.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


4 Gedanken zu “16 Tage

  1. Wenn man die Schulpolitik dieser Ministerin und ihren Umgang mit Lehrern, Eltern und Schülern betrachtet, gibt es nur eine logische Konsequenz: treten Sie rasch zurück, Frau BMHH.

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