Gerhard Riegler: … frei von Stereotypen und Rollenbildern

Rollenbilder und Stereotype schränken uns alle ein.“ Mit diesen Worten beginnt eine Presseaussendung von BM Heinisch-Hosek. Allerdings dürfte die Bildungsministerin diese Erkenntnis und die aus ihr zu gewinnende Haltung noch nicht verinnerlicht haben, denn nachhaltig „frei von Stereotypen und Rollenbildern“ scheint sie leider nicht zu sein. (1)

bigstock-A-metal-toggle-switch-with-pla-17623520_blogBei einer internationalen Bildungskonferenz im Klagenfurter Konzerthaus distanzierte sie sich zwar von der NMS-Jubelpropaganda ihrer Vorgängerin und gestand, dass die Neue Mittelschule „nach wie vor Anlaufschwierigkeiten“ hat, fiel aber dann in alte Stereotype und Rollenbilder zurück: Schuld an den Problemen der NMS seien, so dozierte die Bildungsministerin, die Gymnasien, die durch „Ausleseverfahren“ bewirkten, dass sich „schwierige Kinder, mit Migrationshintergrund oder soziökonomischen [sic!] Schwierigkeiten,“ in den NMS sammeln. (2)

Diese Aussage von BM Heinisch-Hosek beweist, dass der Weg zur leider auch von ihr angestrebten Gesamtschule offenbar mit massiven Vorurteilen gepflastert ist:

  • Ich vermute einmal, dass BM Heinisch-Hosek das, was sie damit zum Ausdruck bringt, eigentlich gar nicht zum Ausdruck bringen möchte. Die Botschaft der Bildungsministerin ist aber eindeutig: Kinder mit Migrationshintergrund und aus Familien mit niedrigem Einkommen sind schwierige Kinder. Eine starke Aussage für eine sozialdemokratische Politikerin!
  • Ein Blick in die Statistik ihres eigenen Ressorts hätte der Ministerin gezeigt, dass z. B. in Wien im vorigen Schuljahr 33,5 Prozent der SchülerInnen der AHS-Unterstufe Deutsch nicht als Umgangssprache hatten. Dass dieser Wert in vielen Wiener Gymnasien bei über 50 Prozent liegt, ist der zuständigen Ministerin entweder gänzlich unbekannt oder wird von ihr bewusst verschwiegen.

Wer durch die ideologische Brille schaut, übersieht offensichtlich, wo soziale Selektion im Bildungswesen tatsächlich stattfindet, nämlich in Ländern mit staatlichen Gesamtschulen. Dort versammeln sich die unterprivilegierten SchülerInnen tatsächlich in Eintopfschulen, während die Begüterten ihren Sprösslingen in sündteuren Privatinstituten einen uneinholbaren Bildungsvorsprung sichern.

Ich hoffe, dass sich BM Heinisch-Hosek möglichst bald aus der Rolle ihrer gescheiterten Vorgängerin befreit und sich ein Bild von der Wirklichkeit macht. Gerne stelle ich ihr dafür Fakten zur Verfügung – im persönlichen Austausch oder in aller Öffentlichkeit:

  1. In England, a child’s socio-economic status is the best predictor of their educational attainment.“ (3)
  2. In keinem anderen OECD-Staat bestimmt der finanzielle Hintergrund des Elternhauses den Schulerfolg dermaßen wie in Frankreich. (4)
  3. Bei den vor eineinhalb Wochen präsentierten PISA-Ergebnissen zum Problemlösen blieben 15-Jährige, die im Ausland geboren sind, in keinem anderen OECD-Staat derart weit auf einheimische zurück wie in Finnland. (5)

Rollenbilder und Stereotype schränken ein, Frau Bundesminister! Unsere SchülerInnen verdienen eine faktenbasierte Politik – unabhängig davon, ob sie Ayse, Ibrahim oder Irene heißen. Gönnen wir sie ihnen!

(1) Heinisch-Hosek: „Mädchen und junge Frauen motivieren, selbstbestimmt ihren Weg zu gehen – frei von Stereotypen und Rollenbildern“. OTS-Aussendung vom 9. April 2014.

(2) Anlaufschwierigkeiten für Neue Mittelschule. In: ORF online vom 31. März 2014.

(3) Loic Menzies, Educational Aspirations: How English schools can work with parents to keep them on track (Jänner 2013), S. 2.

(4) Raphaela Schlicht-Schmälzle und Kathrin Ackermann, Logics of Educational Stratification: A Cross-National Map of Educational Inequality (2012), S. 7.

(5) OECD (Hrsg.), PISA 2012 Results: Creative Problem Solving (2014), S. 209.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Gerhard Riegler: … frei von Stereotypen und Rollenbildern

  1. Jaja, die Frau Bundesministerin wäre gut beraten sich eigene Schuhe zu kaufen! Das Paar, welches sie am Minoritenplatz in der untersten Schreibtischschublade gefunden hat, passt nämlich nicht!

    Matthias

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