PISA-Test für „Sokrates“

Am 1. April wurde ein weiterer Teil der Auswertung von PISA 2012 präsentiert – das Abschneiden der SchülerInnen im Kompetenzbereich „Problemlösen“.

Multiquesion answer sheet

Kein gelungener Aprilscherz war die Interpretation der Ergebnisse durch manche Medien, die unreflektiert eine APA-Meldung übernahmen. 506 österreichische Punkte lägen „praktisch genau im OECD-Schnitt“ von 500 Punkten, 508 belgische oder US-amerikanische Punkte hingegen „signifikant über dem OECD-Schnitt“. Schade, dass es für Qualitätsjournalismus keine OECD-Tests gibt.

Die AdministratorInnen an Österreichs Gymnasien durchleben derzeit einen permanenten Test im Problemlösen. Dabei geht es nicht wie bei PISA um den Erwerb von Fahrscheinen oder um die Steuerung von Klimaanlagen, sondern um den mühsamen Versuch, die neue Schülerverwaltungssoftware „Sokrates“ zum Laufen zu bringen. Nun haben sogar die AdministratorInnen eines ganzen Bundeslandes eine Resolution verfasst, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. (1)

Im Format der typischen PISA-Aufgaben sehen sich die AdministratorInnen u.a. mit folgenden Herausforderungen konfrontiert:

Aufgabe 1

Der Bildschirm friert während der Eingabe wichtiger Daten in „Sokrates“ ein. Was tun Sie?

A) Sie hoffen auf die Klimaerwärmung.

B) Sie warten 10 Minuten, danach drücken Sie den Reset-Knopf und starten den Computer neu.

C) Sie rufen die Hotline an und warten 40 Minuten, danach drücken Sie den Reset-Knopf und starten den Computer neu.

D) Sie gehen in die Apotheke und besorgen sich eine Großpackung „Valium“.

Aufgabe 2

Der Maturavorsitzende wartet auf die Reifeprüfungszeugnisse, um sie unterschreiben zu können. Der „Sokrates“-Server reagiert wegen Überlastung extrem langsam. Was tun Sie?

A) Sie bieten dem Vorsitzenden eine Tasse Kaffee an, um ihm die Wartezeit zu verschönern.

B) Sie rufen die Hotline an und warten 40 Minuten, danach drücken Sie den Reset-Knopf und starten den Computer neu.

C) Sie basteln in einem Textverarbeitungsprogramm ein provisorisches Formular und tippen die Noten händisch ein.

D) Sie arbeiten nach wie vor mit SchüSta und drucken die Zeugnisse aus.

Während unsere AdministratorInnen an diesen beiden Aufgaben noch zu kiefeln haben, dürfte ihnen die Lösung von Aufgabe 3 recht leicht fallen:

Aufgabe 3

Sie sind eine Ministerin a.D. und haben den „Sokrates“-Vertrag unterschrieben. Was tun Sie?

A) Sie machen Urlaub in der Heimat von Sokrates.

B) Sie freuen sich jeden Tag beim Aufstehen, rechtzeitig aus dem Amt geschieden zu sein.

C) Sie lesen Zeitungsartikel über das Chaos am Burgtheater.

D) Sie freuen sich, dass ihre persönlichen Daten samt Erreichbarkeit nicht auf einem rumänischen Server liegen.

Mehrfachantworten sind möglich.

(1) Resolution von AdministratorInnen an niederösterreichischen AHS zur Einführung des Schülerverwaltungsprogramms „Sokrates“ vom 1. April 2014.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

3 Antworten zu “PISA-Test für „Sokrates“

  1. Hm, ich denke, es kommt schließlich so: Von Dingen, die zentral den Schulen vorgegeben werden (zB vom BIFIE, von BITMEDIA, …) bleibt es wieder am Schulleiter „hängen“, der dann „vor Ort“ für die zu erwartenden / befürchteten „Notfälle“ vorzusorgen und diese (rasch) zu lösen hat…

    • Interessant wir die Sache bei den EDV Accounts. Wenn nicht in der ersten Woche die Exportdaten (csv) von Sokrates vorliegen können die Schüler nicht im EDV System arbeiten – es gibt keine Schülerkonten. Damit steht dann der gesamte EDV Unterricht (u.a.)

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