Zu viele Nullen

1 000 000 000 Euro, eine Milliarde. So viel Geld ist im (noch nicht fertigen) Budget 2014 „aus Vorsichtsgründen“ für die Hypo Alpe Adria eingeplant. (1) Zur Erinnerung:

bigstock-Number-Zero-1511512Im Vorjahr musste die Hypo Alpe Adria mit 1,75 Mrd. Euro gestützt werden, seit 2008 flossen 3,6 Mrd. Euro in die Bank, zuzüglich wurden 1,2 Mrd. Euro an Bundesgarantien gewährt. Insgesamt hat die EU auf Basis der österreichischen Angaben bis 2017 maximal 11,7 Mrd. Euro an Hypo-Beihilfen genehmigt.“ (2)

11 700 000 000 Euro. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie viel Geld das ist, ein paar Beispiele:

  • Die Summe entspricht dem durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommen von fast 400.000 ArbeitnehmerInnen in Österreich. (3)
  • Alle österreichischen StaatsbürgerInnen – vom Säugling bis zum Greis – müssen 1.570 Euro zahlen, um diese Summe aufzubringen. (4)
  • Als Bürger eines der reichsten Staaten der Welt werfe ich einen Blick auf die ärmsten Länder. Vor wenigen Tagen las ich, dass Österreichs Beiträge zur bilateralen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) heuer nicht noch weiter gekürzt würden. Aufgrund der „budgetären Kürzungsvorgaben für die Ressorts“ war ursprünglich geplant, die für die bilaterale EZA vorgesehenen 77 Millionen Euro aus dem Budget 2013 fast zu halbieren. (5) Stolze 152 Jahre lang wäre mit dem Geld für die Hypo die gesamte bilaterale EZA zu finanzieren.
  • An Österreichs Schulen stehen für Begabungsförderung 461.000 Euro jährlich zur Verfügung – 40 Cent pro SchülerIn. (6) Würde man diese Mittel verhundertfachen, wäre mit den Euro-Milliarden, die man in das bodenlose Hypo-Fass leert, die Begabungsförderung immer noch 254 Jahre hindurch finanziell abgesichert!

PolitikerInnen müssen selbstverständlich Prioritäten setzen. Ob das wirklich die richtigen sind? Mir persönlich sind jedenfalls viel zu viele Nullen im Spiel.

(1) Heuer noch eine Hypo-Milliarde? In: Presse Printausgabe vom 30. Jänner 2014.

(2) a.a.O.

(3) Das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen unselbständig Erwerbstätiger in Österreich belief sich 2010 auf 29.482 Euro. Siehe Statistik Austria (Hrsg.), Registerbasierte Statistiken. Einkommen (RS). Kalenderjahr 2013. Auswertungen der Lohnsteuerstatistik 2004-2010 (Wien 2013), S. 6.

(4) Lt. Statistik Austria gab es 2012 7.451.118 österreichische StaatsbürgerInnen. Siehe Jahresdurchschnittsbevölkerung seit 1981 nach Geschlecht, breiten Altersklassen und Staatsangehörigkeit.

(5) Entwicklungszusammenarbeit wird nicht gekürzt. In: Oberösterreichische Nachrichten online vom 23. Jänner 2014.

(6) Diese Summe war lt. BM Dr. Schmied 2012 und 2013 im Bildungsbudget vorgesehen. Siehe Parlamentskorrespondenz Nr. 873 vom 7. November 2012.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


6 Gedanken zu “Zu viele Nullen

  1. Und die Alternative wäre? Meiner Ansicht nach bedürfte es eines grundlegenden Bruchs mit der neoliberalen Budgetpolitik.

  2. Zu den 461.000 Euro Begabtenförderung heißt es im Original der Parlamentskorrespondenz:
    „V-Mandatarin Katharina Cortolezis-Schlager erfuhr, die Mittel für Begabtenförderung werden nächstes Jahr nicht erhöht, da die 461.000 € im Vorjahr nicht völlig ausgeschöpft wurden und man das bei der Planung berücksichtigt habe.“
    Offenbar handelt es sich hier um Mittel, welche extra abzurufen sind. Was das ist, wird nicht erklärt: Fremdsprachenwettbewerbe? Redewettbewerbe? Physikolympiaden? Theater-Projekte? Sportveranstaltungen? Preise für Umweltprojekte? Womöglich gar Förderkurse?
    Der Begriff „Begabtenförderung“ ist äußerst dehnbar. Ein Überbucher eines Wahlpflichtfaches wird auch begabtengefördert – fällt aber nicht unter die € 461.000 (weil er nichts kostet). Die privilegierte Teilungszahl für Griechisch-Gruppen ist ebenso eine Form der Begabtenförderung und kostet sogar etwas, fällt aber sicher auch nicht unter die € 461.000.
    Hier geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Semantik.

  3. Aber so lange man an Anerkennung dazugewinnt, wenn man sich öffentlich als Mathematik Banause deklariert, wird das Verstehen von „Zahlenmathematik“ kein Anstellungserfordernis von Politiker/innen sein ….. („Bei uns kokettieren viele damit, schon in der Schule in Mathe schlecht gewesen zu sein“ aus http://www.welt.de/wissenschaft/article2441231/Es-ist-schick-schlecht-in-Mathe-zu-sein.html)
    „Unter den Persönlichkeiten, die in der Schule eingebrochen sind, sind überraschend viele Politiker“ ..Ist zwar aus Deutschland offensichtlich so, wird bei uns nicht viel anders sein …… ;-)))
    (Quelle: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/jugend-schreibt/beruehmte-schulversager-schlechte-zensuren-halb-so-schlimm-1548378.html)

  4. Sehr schön illustriert. Unser geld scheint in zwei Wertigkeiten zu kommen. Im Alltag ist ein Euro ganz nett was wert. Wenn es um Banken geht ist der Euro nichts mehr wert, da müssen es schon Milliardien sein. Ist das eine Art versteckte Inflation? Und was ist der wirkliche Wert des Euro? Die Höhe der Stützungsbeträge erinnert mich fatal an ausgehöhlte Währungen nach Inflationsjahren, an Zeiten als Staaten im akkord Geld drucken liessen um Schulden zu „bezahlen“ – mit wertlosem Papier. Sind unsere Ersparnisse überhaupt noch etwas wert?

  5. Wann jagen wir endlich diese vielen Nullen aus unserem Parlament bzw. aus der Regierung. Ich musste, um Kosten zu sparen, meine Reiseabrechnungen mehrmals umschreiben. Ersparnis 3,50 €! Dann wurde es genehmigt. Vor Jahren wurde mir sogar 1 Cent als Übergenuss abgezogen! Österreich gehört zu den reichsten Ländern dieser Welt. Dieser Aussage stimme ich voll und ganz zu, reich an Nullen, an den falschen Stellen!

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