Aufnahmsprüfung

Ich sage es klipp und klar ohne diplomatisches Gesülze: „Ja, ich bin für Aufnahmsprüfungen – für Regierungsmitglieder.“ Ein Mindestmaß an Wissen über das Ressort, das man politisch führt, sollten diese Personen nämlich schon haben, denke ich. Manche Schildbürgerstreiche blieben uns dann wohl erspart.

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Angeregt zu dieser Forderung wurde ich von BM Heinisch-Hosek, die gestern am Rande des Ministerrats die Ergebnisse von PISA 2012 so kommentierte: „Ich freue mich, dass die Bemühungen dadurch, dass die Neue Mittelschule eingeführt wurde, greifen. […] Ich denke, die Neue Mittschule greift Platz in Österreich, und das ist gut so.“ (1)

Getestet wurden bei PISA 2012 junge Menschen des Geburtsjahrgangs 1996. Am 1. September 2009 waren laut Statistik Austria

  • 146 der 91.880 SchülerInnen, die im 14. Lebensjahr standen, SchülerInnen der NMS, also 0,16 %
  • 1.199 der 91.104 SchülerInnen, die im 13. Lebensjahr standen, SchülerInnen der NMS, also 1,32 % (2)

Bei einer Gleichverteilung des PISA-Samples über den Geburtsjahrgang 1996 – und diese Gleichverteilung ist wichtig, bedeutet doch ein zusätzliches Bildungsjahr rund 40 PISA-Punkte – kann man davon ausgehen, dass unter den 4.755 getesteten österreichischen SchülerInnen 26 AbsolventInnen der NMS waren. Und diese haben den „PISA-Erfolg“ Österreichs bewirkt?!

Unsere, glaubt man den Gerüchten, zukünftige Unterrichtministerin hat sich vor Amtsantritt via Dienstrecht verhasst gemacht und jetzt auch noch ihre völlige Ahnungslosigkeit dokumentiert. Einen vorsätzlichen Missbrauch von PISA-Daten für Propagandazwecke möchte ich ihr ja nicht unterstellen. Daher nochmals: Ich bin für eine Aufnahmsprüfung.

P.S.: Zum „PISA-Erfolg“ ein Zitat von Mag. Maria Zimmermann in den gestrigen „Salzburger Nachrichten“: „Daher lasset uns einstimmen in den Jubel und zusammenfassen: Nach sieben Jahren Bildungsministerin Schmied liegen die Werte bei der aktuellen PISA-Studie nach wie vor unter jenen Werten, für die Bildungsministerin Elisabeth Gehrer einst geprügelt wurde. Herzliche Gratulation!“ (3)

(1) Siehe etwas Faymann, Schmied und Spindelegger erfreut über Ergebnisse. In: Standard online vom 3. Dezember 2013.

(2) Statistik Austria (Hrsg.), Bildung in Zahlen – Tabellenband, Seite 126.

(3) Maria Zimmermann, Herzliche Gratulation! In: Salzburger Nachrichten vom 3. Dezember 2013.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Aufnahmsprüfung

  1. Bei manchen (vielen?) MinisterInnen stellt sich ohnehin nur die Frage: Ist es Absicht oder Dummheit …

  2. Alfred Schirlbauer

    leider ist heinisch-hosek lehrerin – der ultrakurzkurs in statistik an der pädak-baden dürfte nicht gereicht haben. beziehungen und beziehungsarbeit (glattauer) dürften ihr schon damals wichtiger gewesen sein als solides wissen

  3. Hans Handler

    Gibt es wirklich keine Möglichkeit eine genauere Auswertung der Pisa-Daten zu veröffentlichen? Zum Beispiel aufgeteilt nach Schultyp, Bundesland, …

    • Marion de Boer

      Dieser link wurde mir vom BMU geschickt – da ist ein bisschen etwas d´rin.
      http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/2013/20131203.xml
      Zu den Schultypen wollte ich auch etwas wissen, das Bifie hat diese nicht online – das BMU hat offensichtlich die Daten. Ich habe auch gebeten, dass man die Info zu den Schultypen erhält, weil ich den Auswertungen von den „höheren“ Stellen nicht glaube, weil man auch allen Leuten weismachen will, dass es in Mathe keine Probleme gibt, nur vereinzelt in Wien – und das stimmt so nicht, weil ich einige Schule in NÖ kenne, wo es auch mehr als rund geht. Ich habe aber – wie gesagt nur diesen link bekommen, die gewünschte Info aber nicht gefunden – man findet aber zumindest darin, dass die NMS keinen Einfluss auf die Pisa-Studie 2012 gehabt haben kann.

  4. Wie lange dauert es bis Maßnahmen im Schulwesen greifen?

    Frau Schmid ist seit 11. Jänner 2007 im Dienst, bis zur Pisatestung 2009 war sie also etwas mehr als ein Jahr im Amt. Für die Ergebnisse 2007 muss man schon noch die Vorgängerin verantwortlich machen. Man kann es also drehen und wenden wie man will: Die Ergebnisse aus der Amtszeit von Frau Schmid zeigen einen Aufwärtstrend.

    Wenn man die Qualität der Neuen Mittelschule (Blöder Name, wie lange bleibt sie denn neu?) an den Pisaergebnissen messen möchte, muss man also bis zur nächsten Testung warten (oder die Ergebnisse der Mittelschulen, die es zu jenem Zeitpunkt gab, heraus rechnen).

  5. Marion de Boer

    Zur Aussage von Frau Heinisch-Hosek muss man leider sagen, dass sie mit ihrer Aussage, dass „die NMS greift“ versucht, die Östterreicher mit Falsch-Informationen in die Irre zu führen – ich habe beim bifie selbst angerufen …… lt. Auskunft, der Leiterin von Pisa können die Maßnahmen der NMS noch nicht greifen. Wenn ein „irgendjemand“ solch eine Aussage macht, ist es egal – bei Frau Heinisch-Hosek ist es aber nicht egal, wenn sie – an der Quelle der Informationen und in dieser Position sitzt und dann in allen Medien solche Falsch-Aussagen publiziert werden.

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