Die schüchterne Gewerkschaft?

Am 18. November lieferten BM Heinisch-Hosek, StS Dr. Ostermayer und StS Dr. Lopatka den Medien nach Abbruch der Verhandlungen folgende beachtenswerte Aussagen:

Max_Liebermann_Selbstbildnis_mit_PinselZusätzliche Abschlagsstunden habe die Gewerkschaft nicht gefordert, meinte Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ). […] „Wäre diese Forderung von den Lehrern gekommen, hätten wir es eingehend beraten“, so Heinisch-Hosek. Dies sei aber nicht erfolgt. […] „Die Gewerkschaft hat gewusst, dass es noch Spielraum geben könnte“, so Lopatka. Sie habe diesen Punkt aber nicht aufgegriffen. „Eine Forderung sollte immer der stellen, der sie hat“, meinte Ostermayer.“ (1)

Diese Aussagen wurden auch in Fernsehen und Radio wiederholt.

„Selbst im für den Lehrer (2) günstigsten Fall bedeuten 22 Stunden Unterricht für Lehrer mit zwei Sprachfächern eine Erhöhung der Lehrverpflichtung um 28,4 %! […] An Abendschulen fällt durch die Streichung des BLVG der Aufwertungsfaktor nach § 5 BLVG. Dort würde die Lehrverpflichtung für einen Lehrer mit zwei Sprachfächern um 71,2 % erhöht! […]

Das ist völlig inakzeptabel!

Bei diesen Berechnungen wird – wie gesagt – der günstigste Fall für den Lehrer angenommen, denn nach der derzeitigen Formulierung ist es nicht ausgeschlossen, dass die zwei „Betreuungsstunden“ sehr wohl Unterrichtsstunden nach der derzeitigen Rechtslage darstellen (etwa Förderkurse).“

Diese Zeilen – in genau dieser Formatierung – findet man in der dem Parlament übermittelten Stellungnahme der AHS-Gewerkschaft zum Begutachtungsentwurf eines neuen Lehrerdienstrechts vom 6. September 2013. Seit Mai 2012 haben wir in den Gesprächsrunden mit der Dienstgeberseite selbstverständlich unzählige Male auf diesen Irrsinn hingewiesen.

Was soll man von den Aussagen Heinisch-Hoseks und der beiden Staatssekretäre halten, die übrigens erstmalig bei den Gesprächen dabei waren? Salonfähige Gedanken schießen mir dazu sehr wenige durch den Kopf. Letztlich bleibe ich bei den Worten des deutschen Malers Max Liebermann hängen: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

(1) Keine Einigung: Kommt jetzt Lehrer-Streik? In: Österreich online vom 18. November 2013.

(2) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

Bild: Max Liebermann, Selbstbildnis mit Pinsel, 1913, via Wikimedia Commons

4 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

4 Antworten zu “Die schüchterne Gewerkschaft?

  1. Haselböck

    Dass in der Regierung gelogen und getrickst wird, was das Zeug hält muss ja mittlerweile der Dümmste erfasst haben . Budget „loch“-Hypo Alpe Adria –
    ……… So auch beim Dienstrechtsentwurf. Alles ist halbwahr, Alles wird beschönigt und Alle für blöd verkauft.

  2. Hat dies auf Der Grantscherb'n rebloggt und kommentierte:
    Nun, unter der Annahme, dass die von Hrn. Quin getätigte Äußerung bezügl. der übermittelten Stellungnahme der AHS-Gewerkschaft korrekt ist (und ich sehe keinen logischen Grund, daran zu zweifeln), stellt sich die Frage, ob Minister und Staatssekretäre in Österreich bewußt die Unwahrheit sagen, also LÜGEN, oder es einfach nicht besser wissen (also zu DEPPERT für ihren Job sind).
    Suchen Sie sich’s aus Fr. Minister. Ich warte auf Ihre Antwort!

    PS: Irgendwie widerstrebt es mir ja, jemandem zu unterstellen er/sie wäre geistig minderbemittelt…. Was die Wahlmöglichkeiten ja etwas einschränkt.

  3. Gast

    Frau Heinisch-Hosek wird nicht müde ad nauseam auf ihre Expertise als ehemalige Lehrerin zu verweisen und darauf zu pochen, was sie nicht alles geschafft hätte. Ich entsinne mich eines Radio-Interviews vor etwa vier Jahren, in dem sie sich unter Verweis auf ihre eigene Erfahrung damit brüstete, dass die Beaufsichtigung einer Klasse bei gleichzeitiger Erledigung von Korrekturarbeiten durchaus machbar sei. Ich (D + E –
    Lehrerin an AHS in Wien 15) recherchierte daraufhin den Lebenslauf der Frau BM und fand heraus, dass sie an einer Gehörlosenschule unterrichtete.So viel zum Thema „gezinkte Karten“.
    Nicht minder peinlich finde ich, was Heidi Schrodt (Dir.in i.R.) aus der Komfortzone heraus Mittwochabend auf atv von sich gegeben hat. Auf die Frage der Moderatorin, ob man sich auf eine D- oder E-Stunde in der 6. Schulstufe, also 2. Kl. AHS, nach etlichen Dienstjahren überhaupt noch vorbereiten müsse, sagte sie mild lächelnd: „Selbstverständlich nicht.“
    Es gibt ja keine neuen Schulbücher durchzuackern, motivierende und trendige Zeitschriftenartikel auszusuchen, Trash-Filme anzuschauen („Die Tribute …“), die den Kindern im Kopf herumgeistern, oder etwa adhoc auf Ereignisse wie Fukushima zu reagieren, von denen die Kinder selbstverständlich nicht medial unberührt in die Schule kommen.

    • Österreichs „SchulexpertInnen“ sind entweder nie im System tätig gewesen oder aber vermitteln mir den Eindruck, dass sie ihre eigene berufliche Vergangenheit durch ihr im Ruhestand entwickeltes „Expertentum“ kompensieren wollen.

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