Gerhard Riegler: Die Schöpfung der Krone

Am 22. August 2008 hatte „Kritikrax“ in den „Salzburger Nachrichten“ eine „kleine Rätselfrage“ gestellt: „Ist Werner Faymann die Krone der Schöpfung – oder ist er bloß eine Schöpfung der ‚Krone‘?“ Ein Kommentar in der vorgestrigen Abendausgabe dieses kleinformatigen Blatts erinnerte mich an die Zeiten, in denen „Onkel Hans“ Dichand und der damalige Wiener Wohnbaustadtrat Werner Faymann ein Herz und eine Inseratenseele waren.

bigstock-dog-wearing-crown--english-bu-47388769_blogDie Kronenzeitung hat sich offenbar dazu entschlossen, mit einem von Budgetdesaster und gebrochenen Wahlversprechen gebeutelten Bundeskanzler in Sachen Lehrerdienstrecht ins Feld zu ziehen. Und sie tut das gleich einmal mit einem Griff in die untersten Schubladen des Boulevard-Journalismus.

Den im Raum stehenden Lehrerstreik interpretiert die „Krone“ locker-flockig in eine von LehrerInnen herbeigesehnte Weihnachtsferienverlängerung um. Der Redakteur macht sich Sorgen, ob denn die Lehrergewerkschaften bei den anderen Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes die nötige Zustimmung für Kampfmaßnahmen erhalten, ob diese „viel Verständnis für die Minderleister im Staatssold aufbringen“. (1)

Letztlich packt die „Krone“ auch noch staatstragend die Rechtskeule aus und bezweifelt „ob eine Gewerkschaft für Kollegen streiken kann, die es noch nicht gibt“ (2) – ganz brav im Sinne des inhaltlich falschen „Arguments“ von Heinisch-Hosek, dass es ja ohnehin „nur“ die Jungen betreffe.

Werner Faymann wird den Kommentar der „Krone“ mit breitem Dauergrinsen wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Der Herr Bundeskanzler wird aber auch zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich weder die von der „Krone“ genannten anderen Berufsgruppen im öffentlichen Dienst noch die LehrerInnen von höchst kleinformatiger Propaganda daran hindern lassen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für ihre Rechte und die ihrer künftigen KollegInnen zu kämpfen. Das ist nämlich nicht nur unser gutes Recht, sondern unsere Pflicht! Uns geht es um die Zukunft des Schulwesens und damit unseres Landes. Österreich wird nämlich, wenn es seinen Platz unter den Top 10 der Welt behaupten will, auch in Zukunft auf Menschen angewiesen sein, deren Bildung sie zu mehr befähigt als zum Lesen der Kronenzeitung.

(1) Lehrerstreik als Erholungspause. In: Krone, Abendausgabe vom 14. November 2013.

(2) a.a.O.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


2 Gedanken zu “Gerhard Riegler: Die Schöpfung der Krone

  1. Man muss das schon verstehen: die „Krone“ hat viele Leser an den Gratisboulevard verloren. Lehrer-bashing ist immer ein gutes Mittel, wieder Leser zu gewinnen. Dazu kommen sicher noch Untergriffe gegen alle Beamte, Kollege Neugebauer wird lächerlich gemacht und auf diese Art werden die laufenden Gehaltsverhandlungen „objektiv“ kommentiert. Ich frage mich nur, warum der Vizekanzler und seine Partei hier mitspielen.

  2. Warum hat nicht schon längst jemand die Kronen Zeitung wegen Rufschädigung einer ganzen Berufsgruppe verklagt? „Minderleister“ im Staatssold? Muss man sich das gefallen lassen?

    Anmerkung Quin: Leider kann man rechtlich nichts dagegen tun, denn dafür müsste eine konkrete Person angegriffen werden. Man kann allerdings in Zukunft keine Kronenzeitung mehr kaufen und seine Freunde und Verwandte ebenfalls davon überzeugen. Das – und nur das – versteht die Kronenzeitung.

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