Gerhard Riegler: Zauberkräfte

Die Gratiszeitung „Heute“ ist nicht gerade für kritischen Journalismus auf höchstem Niveau bekannt. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!“ schien bisher eher die Devise zu sein. Die Inseratenabteilung war wohl auch maßgeblich für die Blattlinie zuständig.

bigstock-Wizard-hat-and-old-book--eps-28073765_blogUmso mehr überraschte der Kommentar von „Heute“-Chefredakteur Christian Nusser in der Dienstag-Ausgabe. Unter dem Titel „Schmied hinterlässt Scherbenhaufen“ (1) schrieb Nusser vielen LehrerInnen aus der Seele – offensichtlich befreit vom Druck drohenden Liebesentzugs in Form von Inseraten-Stornos. Der Chefredakteur brachte ein Staccato von Kritik an der scheidenden Unterrichtsministerin zu Papier.

Sowohl beim Blick zurück als auch beim Blick in die Zukunft teilen wohl viele Christian Nussers Meinung. Es könnte in der Tat „ein Magier vonnöten sein, der das alles kittet“. (2) Was wir am Minoritenplatz dringend brauchen, ist aber kein Harry Potter, sondern ein Mensch mit Herz und Hirn.

Ich gebe Mag. Dr. Günter Schmid, dem Vorsitzenden der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt, in seiner Analyse völlig Recht: „Über 1700 Stellungnahmen zum Horrorprojekt Lehrerdienstrecht beweisen, dass es Österreichs Lehrerschaft weder an Engagement noch an Courage mangelt. […] Es gilt nun, die Motivation der Lehrerinnen und Lehrer wieder zu stärken, ihnen den Respekt und die Anerkennung zukommen zu lassen, die BM Schmied ihnen jahrelang beharrlich verweigert hat.“ (3)

Der Enthusiasmus der LehrerInnen und das Vertrauen der Eltern in die LehrerInnen ihrer Kinder sind notwendige Bedingungen für ein erfolgreiches Schulwesen. Möge es Schmieds NachfolgerIn rasch gelingen, diesem Enthusiasmus die ministerielle Unterstützung zukommen zu lassen, die wir sieben lange Jahre lang schmerzlich vermisst haben. Bis das von BM Schmied in Kooperation mit inseratenabhängigen Medien schwer ramponierte Vertrauen in uns LehrerInnen wieder zur vollen Entfaltung kommt, werden wohl Jahre ins Land ziehen.

Ich freue mich über das Ende schlimmer Jahre und noch mehr auf den Tag, an dem auch für Österreich wieder gilt: „Parents trust teachers as professionals who know what is best for their children.“ (4)

(1) Christian Nusser, Schmied hinterlässt Scherbenhaufen. In: Heute vom 1. Oktober 2013, S. 4.

(2) a.a.O.

(3) Seit Jahren BM Schmieds erste gute Tat. Presseaussendung der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt vom 30. September 2013.

(4) Dr. Pasi Sahlberg, Education policies for raising student learning: The Finnish approach. In: Journal of Education Policy Vol. 22, No. 2 (März 2007), S. 155.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

Eine Antwort zu “Gerhard Riegler: Zauberkräfte

  1. Eugen Banauch, mag. art.

    Ist nicht noch immer Gabriele Heinisch-Hosek als Claudia Schmieds Nachfolgerin im Gespräch? Vom Regen in die Traufe oder nach der Pest die Cholera?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s