Leidens-Genossin

Claudia Schmied hat vor sieben Jahren Alfred Gusenbauers Angebot auf ein Ministeramt angenommen, weil sie Kunstministerin werden wollte, nachdem sie ihr eigenes Können als Kommunalkredit-Bankerin eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte. Das bisserl „Unterricht“ neben der Kunst würde schon irgendwie zu ertragen sein.

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Sieben Jahre später ist Claudia Schmied zur Leidens-Genossin mutiert. Statt genüsslich Prosecco auf Vernissagen schlürfen zu dürfen, ist sie permanent mit lästigen Lehrerinnen und Lehrern konfrontiert, die ihr einfach nicht glauben wollen, dass sie es sooo gut mit ihnen meint.

Jeder, der des Studium beginnt im Joar zwatausendvierzehn, weiß, wos ihm dann erwartet. Und wannas net wü, sollas net studieren. Bitte, i zwing jo niemanden, dass a Lehrer oder Lehrerin wird. I waaß net, i hob manchmoi den Eindruck, des is ois a so eine Leidensgemeinschaft do!“, so die Ministerin bei einer Pressekonferenz in Bregenz am 19. September 2013. Allerdings muss man den Originalton hören, um die Sprachmelodie und den überschäumenden Enthusiasmus in ihrer Stimme wirklich „genießen“ zu können. (1)

Schmieds Paraphrase des Götz-Zitats macht klar, was sie von uns LehrerInnen tatsächlich hält. Der ÖGB-Vizepräsident Dr. Norbert Schnedl machte am vergangenen Montag seinerseits klar, was er von ihr und ihrem Tun hält: „Wir vertrauen den LehrerInnen das Kostbarste an, das wir besitzen: unsere Kinder. Daher sollten wir „die Besten der Besten“ für diesen Beruf zu gewinnen suchen und ihnen mit der gebührenden Wertschätzung begegnen.“ BM Dr. Schmied „outet […] sich in mehrfacher Hinsicht selbst als akuten Fall für einen beruflichen Wechsel“, und es sei „ihre Aufgabe, auf die berechtigten Einwände der Lehrergewerkschaften einzugehen. Fritz Neugebauer hat den Entwurf zu Recht einen „Schmarr‘n“ genannt, den auch sündteurer Propaganda-Staubzucker nicht versüßen kann. Das neue Dienstrecht braucht kein Mehr an Propaganda, sondern muss in der Substanz verändert werden, damit es genießbar wird.“ (2)

Der Umgang der Unterrichtsministerin mit ihrem neuen Dienstrecht entspricht dem Vorgehen windiger Gebrauchtwagenhändler, die gemeingefährliche Rostlauben als tolle Schlitten verscherbeln wollen. Aber würde ein solcher Händler einem potentiellen Käufer, der ihm auf die Schliche kommt, frech erklären, er müsse diese Rostlaube ja nicht kaufen?

Im Interesse des österreichischen Schulwesens ist zu hoffen, dass sich Claudia Schmied bald neuen beruflichen Herausforderungen stellt. In Zeiten wie diesen wird sich doch eine marode Bank finden, die eine Kommunalkredit-erfahrene Expertin sucht.

(1) Den Originalton kann man hier hören.

(2) ÖGB-Vize Schnedl: Plant Claudia Schmied den Schulversuch „Schule ohne LehrerInnen“? Auf der Website von Dr. Norbert Schnedl seit 23. September 2013.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Leidens-Genossin

  1. Ist das hübsche Foto ein Abbild dessen, was mit der Kommunalkreditbank nach ihrem Crash passiert ist?
    Hoffentlich passiert nicht ähnliches dem Qualitätsschulwesen in Österreich …
    Danke für die treffende Zusammenstellung rund um „den Sager“ von BM Schmied!

  2. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer: Ich erinnere mich noch an eines der ersten Statements der BM Claudia Schmid, wo sie verkündete: „Meine Verbündeten sind die Schüler und Eltern. Die Befindlichkeit der Lehrer ist mir egal“ (aus dem Gedächtnis zitiert). Schon damals dachte ich mir, dass das eigentlich ein rücktrittsreifes Statement ist.
    Detlef Schaffer

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