Ausstieg vor dem Einstieg?

Veronika T. macht sich Sorgen: „Bevor ich mich nach den ersten 3 Jahren als Lehrerin mit Burn-out in die nächste Nervenheilanstalt begebe, steige ich in diesen Beruf gar nicht erst ein.“ (1)

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Veronika T. steht kurz vor dem Abschluss ihres Lehramtsstudiums für Englisch und Französisch. Sie hat ihre Berufswahl sicher nicht aus monetären Überlegungen getroffen, aber sie erwartet nach Jahren anspruchsvoller universitärer Ausbildung faire Arbeitsbedingungen.

Veronika T. weiß um die viele Arbeit, die LehrerInnen außerhalb der Unterrichtszeit zu leisten haben. Sie ist bereit, aus Idealismus und Begeisterung für die Arbeit mit jungen Menschen viele Nächte und Wochenenden zu opfern, wenn sich Hausübungen, Schularbeiten und Maturaklausuren zu riesigen Türmen stapeln.

Veronika T. weiß, dass sie als Lehrerin nicht Reichtümer anhäufen kann, aber sie erwartet faire Bezahlung für qualitativ hochwertige Arbeit.

Veronika T. ist zornig und gekränkt. Sie hat den Entwurf zum neuen Lehrerdienstrecht kritisch unter die Lupe genommen. Doch sie hat weder resigniert noch kapituliert.

Veronika T. will, bevor sie noch vor dem Einstieg in den Lehrberuf aussteigt (siehe oben), die verantwortlichen PolitikerInnen wachrütteln.

Veronika T. ist sich ihrer Verantwortung für die „res publica“ bewusst, und sie erinnert die Parteivorsitzenden von ÖVP, SPÖ und den Grünen in einer E-Mail an deren Verantwortung für das Gemeinwohl.

Veronika T. hofft auf Einsicht und Umkehr, denn sie will den schönen und wichtigen Beruf einer Lehrerin ausüben.

Veronika T. könnte an der Schule, die das Glück hat, sie in ihr Kollegium aufnehmen zu dürfen, zu einem pädagogischen Zugpferd werden.

Veronika T. überlegt ernsthaft, aus dem Lehrberuf auszusteigen, bevor sie eingestiegen ist.

Veronika T. ist die Stimme vieler, denen angesichts der Zumutungen des neuen Dienstrechts die Spucke weggeblieben ist.

Veronika T. könnte auch in anderen Berufen erfolgreich arbeiten. Helfen wir mit, Veronika T. mit fairen Arbeitsbedingungen für Österreichs Schulwesen zu gewinnen!

(1) Brief von Veronika T. an die Parteivorsitzenden von SPÖ, ÖVP und Grüne, Posting auf Facebook vom 8. September 2013.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


2 Gedanken zu “Ausstieg vor dem Einstieg?

  1. Liebe Veronika T.!
    Sie haben in Ihrem Brief an die Parteivorsitzenden das Problem aus Sicht potentieller JunglehrerInnen großartig auf den Punkt gebracht. Da kann einem die Wunschvorstellung von Claudia Schmied – „wir wollen die Besten der Besten als Lehrer“ – nur wie blanker Hohn erscheinen. Ich werde „über’s“ Wochenende (hoffentlich pointierte und für SpitzenpolitikerInnen auch verständliche) Briefe bzw. Stellungnahmen zum neuen Dienstrechsentwurf verfassen. Ich hoffe, es gelingt mir annähernd so gut wie Ihnen!
    PS: Hab‘ ja sonst nichts zu tun 😉

  2. Liebe Veronika,
    Deinem engagierten und klar formulierten Brief an verantwortungsvolle Politiker/nnen kann ich nur zustimmen. Einerseits werden offensichtlich in der zu erwartenden, neuen Lehrerausbildung die Erziehungswissenschaften zu Lasten der fachlichen Ausbildung viel zu sehr betont (vgl. meinen Blog-Eintrag auf http://mininuss.wordpress.com von dieser Woche) und andererseits ist das Modell zum neuen Lehrerdienstrecht für gut ausgebildete Pädagog/nnen völlig inakzeptabel.
    Unter solchen Voraussetzungen wäre ich vor ziemlich genau 40 Jahren erst gar nicht auf die Idee gekommen, mich für den Beruf eines AHS-Professors an der Universität ausbilden zu lassen, geschweige denn, jemals in einer österreichischen Schule unterrichten zu wollen.
    Allerdings: Wenn unseren Politiker/nnen das gute österreichische Schulsystem etwas wert ist, wird weder die neue flache Lehrerausbildung noch das neue ungeeignete Lehrerdienstrecht umgesetzt werden,

    hofft als unverbesserlicher Optimist, Alfred.

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