Gerhard Riegler: Moralisch flexibel

„Ich bin nicht verlogen, ich bin nur moralisch flexibel!“ Dieser Spruch, den kürzlich ein Kollege zitierte, scheint geradezu maßgeschneidert für so manche PolitikerInnen.

bigstock-Flexibility-4715070_blogRudolf Mitlöhner, Chefredakteur der Furche, formulierte es geschliffen. Er attestierte Unterrichtsministerin Schmied „linke Dialektik vom Feinsten“ (1), weil sie ebenso spitzzüngig wie kaltschnäuzig die Lüge von gestern zur Wahrheit von heute konvertierte. Claudia Schmied gab nämlich „frank und frei zu Protokoll, dass die neue Lehrerausbildung und die angestrebten Veränderungen beim Lehrerdienstrecht dem höheren Ziel der Gesamtschule dienten“. Genau diesen nicht nur von LehrervertreterInnen immer wieder vorgebrachten Vorwurf hatte sie monatelang als böse Unterstellung entrüstet zurückgewiesen.

Auch beim Thema „Lehrerbildung neu“ hatte Schmied den Gesamtschulkonnex stets geleugnet. Erst als die Sache fixiert und im Parlament beschlossen war, ließ sie die Gesamtschulkatze aus dem Sack. Diese Katze soll mit dem zur Begutachtung ausgeschickten neuen Lehrerdienstrecht nun zum Tiger werden, der in der Vision Schmieds die Langform des Gymnasiums zerreißt.

„Unsere“ Unterrichtsministerin betrachtet ihr Ressort als „ideologische Kampfzone“, aus der heraus sie die – so ihr Kampfvokabular – „Zweiklassengesellschaft in den Schulen auflösen“ wolle. Und sie denkt ganz offenbar daran, ihre Kampfzone in der nächsten Legislaturperiode auszudehnen: „Claudia Schmied würde übrigens – was in sich durchaus logisch und stimmig ist – nach den Wahlen auch gerne Wissenschaftsministerin werden, also Schul- und Universitätsagenden unter ihrer Ägide vereinen.

Angesichts derartiger Zukunftsaussichten kommt mir mit Blick auf die Jugend und deren Zukunft ein Zitat Bundeskanzler Kurt Schuschniggs in den Sinn: „Gott schütze Österreich!“

(1) Dieses und die weiteren Zitate stammen aus Rudolf Mitlöhner, Ideologische Kampfzonen. In: Furche Online vom 28. August 2013.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

3 Antworten zu “Gerhard Riegler: Moralisch flexibel

  1. KG

    Bleibt eigentlich nur eines übrig : Beharrlich das, was Lüge ist, als Lüge zu benennen : Call the spade a spade …

    • Zeitlhofer Karl, Adm am BRG Mödling

      Und das kann JEDER Lehrer täglich in jeder seiner Unterrichtsstunden! Und er kommt dabei dem Auftrag nach politischer Bildung nach!

  2. Erich Wallner

    Vergessen wollen wir dabei nicht, dass das nicht alles Claudia Schmied alleine zuzuschreiben ist. Sowohl bei der neuen Lehrerausbildung als auch beim Dienstrechtsentwurf war die ÖVP dabei:

    „Jetzt hat Niederösterreichs Landeschef Erwin Pröll, der wahre starke Mann in der ÖVP, beim Ringen um ein neues Lehrerdienstrecht für seine Partei das Heft in die Hand genommen und ein schwarzes Machtwort gesprochen: Die Reform kommt – auch ohne den Sanktus der blockierenden Gewerkschaft.“ (Kronenzeitung vom 12..8.)

    Am 29. September ist Nationalratswahl. „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“ (Bert Brecht)

    Anmerkung Quin: Damit der richtige Eindruck entsteht, welche UnterstützerInnen LehrerInnen in allen Parteien haben, hier ein paar Zitate:
    „An den Grundpfeilern des Entwurfs wird sich nichts ändern.“ (BM Heinisch-Hosek, SPÖ, Tiroler Tageszeitung Online am 14. August 2013)
    „Ronald Reagan und Margaret Thatcher waren erfolgreich, weil sie Erwartungshaltungen gebrochen haben. Die Erwartungshaltung der Bevölkerung ist, dass nichts passiert, wenn die Gewerkschaft nein sagt.“ (BM Dr. Reinhold Mitterlehner, ÖVP, Kurier Online am 24. August 2013)
    „Beim Lehrerdienstrecht will Glawischnig [Anm.: Mag. Dr. Eva Glawischnig-Piesczek, Bundessprecherin der Grünen] eine Reform auch ohne Zustimmung der Gewerkschaft, weil sie glaubt, dass es nicht alle Lehrerinnen und Lehrer so sehen wie ihre Gewerkschaft.“ (Ö1 Mittagsjournal am 23. August 2013)
    „Kanzler und Vizekanzler sollen jetzt Mut zeigen und ein neues, modernes Lehrerdienstrecht ohne Zustimmung der Lehrergewerkschaft beschließen. Das Team Stronach ist zur Unterstützung bereit.“ (NR-Abg. Ing. Robert Lugar, Klubobmann des Team Stronach, Presseaussendung vom 22. Juli 2013)
    „Faymann und Spindelegger spielen hier auf Zeit. Das BZÖ verlangt hingegen die Umsetzung noch vor der Nationalratswahl, denn als gelernter Österreicher weiß jeder, dass das, was SPÖ und besonders die ÖVP vor Wahlen versprechen, nur in den allerseltensten Fällen auch Realität wird.“ (NR-Abg. Ursula Haubner, Bildungssprecherin des BZÖ, Presseaussendung vom 13. August 2013)
    „Da Faymann und Spindelegger nicht in der Lage sind die drängenden Probleme im Bildungssektor zu lösen, könnte dass Volk über folgende Fragen abstimmen: […] Sollen Lehrer zur Gratisnachhilfe am Nachmittag verpflichtet werden?“ (Orthographie unverändert übernommen; NR-Abg. Herbert Kickl, Generalsekretär der FPÖ, Presseaussendung vom 23. August 2013)

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