„Wissentlich zweimal die Unwahrheit“…

… sagt BM Schmied laut DDr. Günter Haider, wenn sie behauptet, die Teilnahme an TALIS 2013 sei „rausgeschmissenes Geld“ und brächte „nichts Neues“. (1) Weder Josef Lucyshyn noch Günter Haider, die ehemaligen BIFIE-Direktoren, lassen die Argumente Schmieds gelten. „„Dem BMUKK wären überhaupt keine zusätzlichen Kosten erwachsen“, sagt Lucyshyn. Haider bestätigt das. Das BIFIE hätte die Kosten der Talis-Studie aus dem bereits durch den Nationalrat bewilligten Budget bezahlt. Das wäre durch Kürzungen bei anderen Studien und durch interne Umschichtungen möglich gewesen. […] Außerdem hätte es sehr wohl neue Erkenntnisse gegeben, so die beiden. Bei Talis 2013 wären erstmals auch Volksschulen sowie die Sekundarstufe II überprüft worden (bisher nur die Sekundarstufe I).“ (2)

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Zu den weiteren Fakten:

  • TALIS (Teaching and Learning International Survey) ist die einzige repräsentative internationale Studie, die die Lehrerarbeit und das Umfeld des Unterrichts untersucht.
  • TALIS 2013 hätte die einmalige Gelegenheit geboten, auch die Rahmenbedingungen an den im letzten Jahr getesteten PISA-Schulen zu prüfen. Damit wäre es möglich gewesen, die Auswirkungen der Qualität des Arbeitsumfelds auf die PISA-Ergebnisse zu überprüfen.
  • 2013 haben wesentlich mehr Länder (34) ihre Teilnahme zugesagt als 2008 (24), was den internationalen Vergleich noch deutlich aussagekräftiger gemacht hätte.

In mehreren Sitzungen zwischen dem BMUKK und dem BIFIE in Sachen Jahresplanung wurde der wiederholte Antrag des BIFIE-Direktoriums auf TALIS-Durchführung von Seiten der Ministerin oder ihres Vertreters im Aufsichtsrat, SCh Kurt Nekula, jedes Mal kategorisch abgewiesen. Die vorgebrachten Ablehnungsgründe waren weder finanzielle Motive noch der mangelnde Informationsgehalt der Studie – es wurden ausschließlich politische Gründe ins Treffen geführt der Art, man wäre doch nicht dumm, der Lehrergewerkschaft neuerlich Argumente zu liefern“, führt DDr. Haider in seinem Leserbrief weiter aus.

Die Talis-Studie ist so brisant, weil sie die Lehrerarbeit und die Arbeitsbedingungen an den Schulen in den OECD-Ländern untersucht. Österreich nahm an der Studie bereits im Jahr 2008 teil – mit einem erschreckenden Ergebnis: In keinem anderen Land gibt es weniger Schulpsychologen, Sozialarbeiter und unterstützendes administratives Personal als in Österreich. Hätte die Talis-Studie 2013 dasselbe oder zumindest ein ähnliches Bild gezeigt, dann wäre das ein schlagkräftiges Argument für die Gewerkschaft gewesen. Diese fordert seit Anbeginn der Verhandlungen zum neuen Lehrerdienstrecht, dass mehr Unterstützungspersonal an den Schulen eingesetzt wird.“ (3)

Juristisch betrachtet ist das vorsätzliche Unterdrücken relevanter Fakten wohl kein Amtsmissbrauch. Politisch betrachtet wäre Claudia Schmied damit in den allermeisten westlichen Demokratien als Ministerin völlig untragbar. Und aus Sicht aller Betroffener (SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen), die unter dem durch TALIS aufgezeigten Mangel leiden, ist Schmieds Vertuschungspolitik eine riesige Sauerei.

(1) So formuliert es Günter Haider Direktor in einem mir vorliegenden Leserbrief an die „Presse“.

(2) Julia Neuhauser, Ex-BIFIE-Chefs: Schmied sagte Studie „aus politischen Gründen“ ab. In: Presse Online vom 3. Juli 2013.

(3) a.a.O.

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3 Gedanken zu “„Wissentlich zweimal die Unwahrheit“…

  1. Lieber Eckehard! Obwohl seit dem 1.Sept. 2012 im Ruhestand, verfolge ich Deine Kommentare und die Diskussion über Bildung und Schule mit großem Interesse. Der ein oder andere Leserbrief meinerseits erreicht verschiedenste Redaktionen, hin und wieder erfolgt auch eine Veröffentlichung. Der jüngste Streich unserer Frau Minister passt zu ihrem bisherigen Vorgehen, traurig ist freilich der Umstand, dass die „Qualitätsmedien“ (Heute, Österreich, Krone) nach wie vor auf ihrer Seite stehen. Die Herren Androsch, Salcher und Schilcher dürfen – gut vernetzt oder besser „verhabert“ – ihre Kommentare von sich geben, ihre „Expertisen“ werden nicht weiter hinterfragt. Wer liest schon Hopmanns Kommentar im „Standard“ zur Problematik des jüngsten OECD – Berichtes, wer nimmt Haiders Kritik an der Nicht-Teilnahme an der Talis-Studie zur Kenntnis? Berichtet etwa der ORF ausführlich über dieses Thema? Mit besonderer Wut erfüllen mich die Aussagen „unserer“ Landeshauptmänner aus dem Westen zum Thema Gesamtschule. Haslauers Erguss zur Langform des Gymnasiums ist an Dummheit nicht mehr zu unterbieten. Wohin steuert die ÖVP in der Bildungspolitik? Ist überhaupt noch ein Kurs erkennbar? Man kann Dir und Deinem Team nur zurufen : Lasst euch nicht entmutigen, auch wenn die Lage für uns AHS-Lehrer allmählich ziemlich trist zu werden scheint ! Mit herzlichen Grüßen Gerald (Gruber)

    Von meinem iPad gesendet

  2. Gerade dieser Spezies von PolitikerInnen gilt es, mit allen Mitteln entgegenzutreten, um böse Folgen für die Zukunft dieses Landes zu verhindern!!!
    Johann Hofer

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