Einsparung

Das Ressort wird auch künftig keine Werbung betreiben, jedoch seiner Informationspflicht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern weiterhin nachkommen und, sofern erforderlich, nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel die Öffentlichkeit über Vorhaben des Ressorts in angemessener Weise und mit geeigneten Mitteln informieren.“ So zitierte der „Standard“ vor beinahe vier Jahren BM Schmieds Anfragebeantwortung an den Nationalrat. (1)

Smiling  Piggy bank with euro bills isolated on white backgroundAls „angemessen“ und „geeignet“ erschienen der Unterrichtsministerin offenbar innerhalb eines knappen Jahres Inserate in der „Kronen Zeitung“ um 196.895,25 Euro, in „Österreich“ um 310.610,91 Euro und in der Wiener Gratiszeitung „heute“ um 129.110,47 Euro. (2) Allein in der Zeit von 6. bis 9. September 2009 kassierte „Österreich“ nochmals rund 96.000 Euro. (3)

Jetzt, nach Jahren des bangen Wartens, konnte man in der „Presse“ endlich lesen, dass BM Schmied zum Sparstift gegriffen hat. „Schluss mit der Vergeudung von Steuermitteln!“, scheint nun ihre Devise zu sein. Wer auf die baldige Pleite kleinformatiger „Qualitätsmedien“ gehofft hat, muss allerdings enttäuscht werden. Für Medienkooperationen und ähnliche Machwerke wird das Geld aus dem ministeriellen Füllhorn weiter sprudeln.

Wo also spart Claudia Schmied? Sie hat beschlossen, Österreichs Teilnahme an der TALIS-Studie (Teaching and Learning International Survey) der OECD zu stornieren. Um welche Millionenbeträge ging es dabei? Der ehemalige BIFIE-Direktor DDr. Günter Haider gibt Aufklärung: „Die Teilnahmegebühr hätte lediglich 15.000 Euro betragen. Und: Das Bifie habe in den Budgetverhandlungen mit dem Ministerium sogar angeboten, durch interne Umschichtungen für diesen Betrag aufzukommen. Extrageld vom Unterrichtsministerium wäre demnach also nicht einmal benötigt worden.“ (4) Mehr als sechs TALIS-Durchgänge oder vier Tage Inserate in „Österreich“, das war wohl die Frage.

BM Schmied zeigte sich „empört“ über diese Kritik und sprach von Kosten in Höhe von 345.000 Euro. (5) Außerdem hat man im BMUKK folgende Erklärung parat: „Es gebe lediglich pragmatische Gründe dafür, dass die Studie im Jahr 2013 nicht noch einmal durchgeführt wurde. Es habe sich seit dem Jahr 2008 nicht viel verändert. Das wisse man.“ (6)

BM Schmied weiß also, was TALIS 2008 aufgezeigt hat: Österreichs LehrerInnen werden in ihrer Arbeit allein gelassen wie in keinem anderen Land der Welt. Wir sind Schlusslicht beim Unterstützungspersonal. Und daran hat sich seit dem Jahr 2008 nicht nur „nicht viel“, sondern gar nichts geändert.

Ich bin auch fürs Sparen. Spätestens bei der nächsten Regierungsbildung sollte Claudia Schmied eingespart werden. Das wäre garantiert ein Gewinn für Österreichs Schulwesen.

(1) „Inseraten-Kampagne“ Schmieds unter Beschuss. In: Standard Online vom 10. September 2009.

(2) a.a.O.

(3) Das ist der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch BM Schmied vom 16. November 2009 zu entnehmen.

(4) Julia Neuhauser, Schmied sagt Lehrerstudie ab: Fürchtet sie Ergebnisse? In: Presse Online vom 25. Juni 2013.

(5) Schmied empört über Kritik der Lehrergewerkschaft. In: Kleine Zeitung Online vom 26. Juni 2013.

(6) Neuhauser, Lehrerstudie.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Einsparung

  1. Wenn DDr. Haider sagt, die Studie würde € 15.000,- kosten, und BM Schmied sagt, diese Studie kostet aber € 345.000,- dann kann nicht jeder die Wahrheit sagen …

  2. Good education is not cheap and cheap education is almost certainly not good. Gut ausgestattete Schulen und gute Lehrer_innenarbeit kosten Geld. Ich erwarte mir als Mitglied der Gewerkschaft, dass die Gewerkschaft dafür Stimmung macht und notfalls auch nicht davor zurückschreckt, mit allen notwendigen gewerkschaftlichen Mitteln dafür (gut ausgestattete Schulen und ordentliche Bezahlung) zu kämpfen.

  3. Christian Sitte

    Erschütternd ist DAZU noch der Umstand, dass das BMUKK die älteste Lehrerfortbildungszeitschrift f.LL an S II-Nawifächern (&GWK),
    d.“WISS.NACHRICHTEN“ entschlafen läßt! In einer wichtigen Reformphase http://www.bmukk.gv.at/wissenschaftliche-nachrichten : heute nicht mal Geldf.d.pdf

  4. Anna S.

    Die in Österreich realisierte Lehrerstichprobe Talis 2008 umfasste insgesamt 4.265 Lehrpersonen. Fragebogen müssen auf deutsch erstellt, versendet und ausgewertet werden. Dass die Teilnahme an so einer bundesweiten Studie wie Talis 15000 Euro kosten soll, glaubt aber keiner ernsthaft. Oder doch?

    Es ging bei Talis um den Fortbildungswillen der Lehrer, um einen Vergleich zwischen angebotenen und gewünschten Veranstaltungen, um Schulevaluation, Lehrerbeurteilung und Feedback. Wer ernsthaft erwartet, dass sich hier Entscheidendes verändert hat, darf sich die Teilnahme an der neuen Studie wünschen, den anderen sei nahegelegt, die alten Ergebnisse zu lesen und für Argumentationen zu verwenden.

    Anmerkung Quin: TALIS (Teaching and Learning International Survey) ist eine internationale Studie über die Arbeitsbedingungen und das Lernumfeld von LehrerInnen.
    Mit dieser Argumentation – keine entscheidenden Veränderungen innerhalb von ein paar Jahren – wäre BM Schmied allerdings verpflichtet, auch die Teilnahme an TIMMS, PIRLS, PISA etc. abzusagen.

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