Gerhard Riegler: Freizeitkiller Kind

AK-Präsident Rudolf Kaske versteht die Welt nicht mehr. 82 Millionen Stunden an Freizeit wurden im Vorjahr österreichischen Müttern und Vätern gestohlen! (1) Nicht von kapitalistischen Ausbeutern, sondern von ihren eigenen Kindern!

bigstock-Toddler-watching-TV--Vector-12782915_blogDie „Nachhilfebarometer“-Erhebung der Arbeiterkammer hat zutage gefördert, was als dunkler Verdacht schon länger im Raum stand: Bildungsaffine Eltern, linken Vorkämpfern der Gesamtschule schon immer ein Dorn im Auge, setzen subversive Schritte gegen die Chancengerechtigkeit. Sie drehen nämlich abends den Fernseher ab, enthalten ihren Kindern damit die dort laufende Dokusoap „Teenager werden Mütter“, ja selbst den Dokumentarfilm „Kampftrinken für Anfänger“ vor und sprechen mit ihren Kindern über die Schule.

Manche Eltern treiben es sogar so weit, mit ihren Kindern über schulische Probleme zu reden und ihnen bei den Hausübungen zu helfen. Besonders schlimm ist es bei Volksschulkindern: Dort ist der von der AK erhobene Freizeitraub exorbitant. Denn viele Eltern scheuen nicht einmal mehr davor zurück, mit ihren Kleinen das Einmaleins zu üben.

Diesem unerträglichen Treiben ist, da wird jeder Kabel-TV-Abonnent zustimmen, umgehend ein Ende zu bereiten. Schluss mit der „privaten Nachhilfe“ für Tobias und Andrea, damit Chantal und Kevin endlich auch ihre faire Bildungschance haben! Manchem Kämmerer sollen Herrn Kaskes Forderungen aber nicht weit genug gehen. Eine Vollkasko-Ganztagsgesamtschule muss her, am besten in der Zeit vom Frühstücksfernsehen bis zur ZIB 24.

Mit Grauen stelle ich mir vor, wie viele Millionen Freizeitstunden unseren MitbürgerInnen Jahr für Jahr entgehen, weil sie ihren Kindern die Zehennägel schneiden müssen. Es wird sich doch ein AK-Institut finden, das Pedikürekurse für VolksschullehrerInnen anbietet, um die armen Eltern auch von dieser Last zu befreien.

Ähnliches gilt für das Waschen des Turnzeugs: Wie kommen Eltern dazu, die verschwitzte Kleidung ihrer Kinder zu waschen, ist doch die Schule an der gesteigerten Transpiration ihrer Kinder schuld. Daheim vorm Fernseher schwitzen Chantal und Kevin nie.

So einfach ließe sich Kaskes schöne neue Welt in die Realität umsetzen, hunderte Millionen Freizeitstunden wären gewonnen, und alles wäre gut, wäre da nicht die böse Lehrergewerkschaft!

Übrigens: Im Mittel wurden im Schuljahr 2012/13 nicht einmal 10 Euro im Monat für Nachhilfe ausgegeben. Damit ließ sich selbst für die Arbeiterkammer schwer Wirbel schlagen. Also musste man die Eltern schlagen, die ihren Kindern Aufmerksamkeit und Zuwendung widmen.

Kein Wunder, dass angesichts solcher Präsidenten Kammern auf Pflichtmitgliedschaft angewiesen sind.

(1) Studie: 81 Prozent der Eltern geben „Nachhilfe“. In: Presse Online vom 26. Juni 2013.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


4 Gedanken zu “Gerhard Riegler: Freizeitkiller Kind

  1. Das ist jetzt Polemik von der „anderen“ Seite. Ich bin auch nicht mit der (Nicht-)Veröffentlichung relevanter Daten einverstanden, muss aber aus persönlicher Erfahrung sagen, dass zwei meiner drei Kinder ohne den privaten Einsatz durch Vater, Mutter und Schwester die 7. und 8. Klasse des Gymnasiums bzw. die Matura nicht so ohne Weiteres geschafft hätten. Auch Nachhilfestunden waren notwendig, weil sich die elterliche Nachhilfe durch die persönliche Beziehung manchmal schwierig gestaltete. Meine Kinder absolvieren alle gerade erfolgreich die unterschiedlichsten Studien und das Familienleben ist ohne Schule viel angenehmer als während der Schulzeit. Warum wohl? Anmerkung: Jugendliche brauchen in der Pubertät einfach Unterstützung, auch wenn sie schon „groß“ sind und da tun sich halt Eltern mit Zugang zur Bildung leichter, diese zu geben. Die Ganztagesschule ist da sicher nicht die Lösung!

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