Balkon-Muppets

Wenn Frank Stronach die Gewerkschaften abschaffen will, geht zu Recht (und besonders laut von links) ein Aufschrei durchs Land; wenn für den roten Altgranden Androsch die Lehrergewerkschaft ärger ist als ein menschenverachtendes Regime, regt sich niemand. Bildungsexperte Androsch erweist der Unterrichtsministerin und der Regierung freilich einen schlechten Dienst. Keine Standesvertretung wird einknicken, nur weil ein Balkon-Muppet Schimpftiraden loslässt.“ (1) Mit diesen Worten kommentierte Markus Ebert die verbalen Ausritte von Hannes Androsch, der tags zuvor die Lehrergewerkschafter mit Sowjetkommunisten verglichen hatte und Werner Faymanns Ankündigung, ein neues Lehrerdienstrecht auch ohne sozialpartnerschaftliche Einigung beschließen zu wollen, so kommentierte: „Das ist zwar in Österreich unüblich, aber rechtlich sehr wohl möglich. Und jetzt auch notwendig.“ (2)

In der Muppets-Show ist der Balkon aber nicht nur von einer Person besetzt. Bernd Schilcher meinte nach der Präsentation des ÖVP-Vorschlags zu einem neuen Lehrerdienstrecht: „Die AHS-Gewerkschaft scheint sich durchgesetzt zu haben, hat gesagt, nein wir sind bessere, daher kann, können wir nicht behandelt werden wie ein normaler Volksschullehrer oder Hauptschullehrer.“ (3) Ich weiß nicht, ob der „Experte“ eine Leseschwäche hat, sich einfach nicht informiert oder wider besseres Wissen agitiert. Am 9. April 2013 beschloss jedenfalls die erweiterte Bundesleitung, das höchste Gremium der AHS-Gewerkschaft, einstimmig einen von mir formulierten Antrag, in dem es wörtlich heißt: „Die erweiterte Bundesleitung der AHS-Gewerkschaft fordert eine masterwertige und schulartenspezifische Ausbildung aller LehrerInnen – natürlich verbunden mit einer masterwertigen Bezahlung auf L 1-Basis.

Ein Platz auf dem Muppet-Balkon gebührt auch Wolfgang Fellner, einem besonders eifrigen Zurufer. (4) Solange es Lehrergewerkschaften gibt, ist seiner Meinung nach jede Schulreform zum Scheitern verurteilt. „Die Regierung geht mit den Lehrer-Gewerkschaftern viel zu nobel um. Lehrer gehören nicht 24, sondern in Wahrheit 38 Stunden in die Klasse.“ (5) Da ist die Forderung des Grünen Bildungssprechers Walser ja geradezu bescheiden: „Grüne fordern 30 Stunden Pflichtanwesenheit.“ (6)

Und worum geht es wirklich? Erraten: „Um Geld für Schulreformen zu bekommen, brauchen wir ein neues Lehrerdienstrecht mit flacherer Gehaltskurve und höherer Stunden-Verpflichtung“, postulierte Bundeskanzler Werner Faymann. (7)

(1) Markus Ebert, Wunderwaffe. In: Neues Volksblatt vom 31. Mai 2013.

(2) Frontal-Angriff auf Lehrer. In: Österreich Online vom 29. Mai 2013.

(3) Bernd Schilcher in der ZiB 20 am 6. Juni 2013.

(4) Siehe etwa meine Posts „Faule Spitzenverdiener“ und „Dauer-Urlaub“.

(5) Wolfgang Fellner, „Ja“ zum Lehrer-Dienstrecht – den Eltern reicht’s! In: Österreich Online vom 28. Mai 2013.

(6) Lehrer: Grüne fordern 30 Stunden Pflichtanwesenheit. In: ORF Online vom 7. Juni 2013.

(7) Werner Faymann in einem „Kurier“-Interview vom 7. Oktober 2012.

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Balkon-Muppets

  1. Ich weiß jetzt zwar, was die Herrn Androsch (Ex-SPÖ), Faymann (SPÖ) und Walser (Grüne) zum neuen Lehrerdienstrecht gesagt haben. Welche Vorstellungen die ÖVP vertritt, bleibt offen. Herr Schilcher erscheint hier nur als „Experte“ mit Leseschwäche ohne Parteizugehörigkeit.

  2. Pingback: Gerhard Riegler: Operation „Pinocchio“ | QUINtessenzen

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