Gerhard Riegler: Live small, educate big!

Wenn ein Paar sein erstes Kind bekommt, ist vielfach der Umzug in eine größere Wohnung angesagt. Ein Blick in die „New York Times“ vom 3. Mai überraschte mich: Amerikanische Eltern tun häufig genau das Gegenteil. Ist der Nachwuchs da, wird umgezogen, aber in eine kleinere Wohnung, oftmals noch dazu in einer weniger „angesagten“ Gegend. (1) Der Grund für dieses auf den ersten Blick unverständliche Verhalten liegt in der Sorge um eine gute Schulbildung für die Kinder.

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Länder mit Einheitsschulen weisen – im Gegensatz zur Behauptung der „Experten“-Propaganda – keineswegs homogene Schulqualität auf. Ganz im Gegenteil! In den USA ragen aus dem Meer der Gesamtschulen nur wenige qualitätsvolle Inseln heraus, auf die naturgemäß ein riesiger Andrang herrscht. Bildungsaffine Eltern stehen daher vor einem Dilemma, sofern sie nicht über exorbitante Einkünfte verfügen:

  • „Plan A“ zielt auf eine gute (d.h. in Schulrankings vorne liegende) öffentliche Schule, in deren Einzugsgebiet man umzieht, koste es, was es wolle. Wer weder die Mittel noch die Bonität vorweisen kann, um sich in einer solchen Gegend eine Wohnung oder ein Haus leisten zu können, versucht es oft mit kurzzeitigen Mietverträgen. Sobald der Nachwuchs in der Traumschule untergebracht ist, zieht man wieder in eine Gegend, die man sich leisten kann. Das Kind darf nach dem Motto „once you’re in, you’re in” in der Schule bleiben. Der dadurch längere Schulweg wird als Preis in Kauf genommen.
  • Für jene, denen dieses Umzugskarussell zu mühsam erscheint, gibt es den „Plan B“, der nur einen einzigen Umzug nötig macht, nämlich den am Beginn angesprochenen in eine billigere Behausung. Durch ihn werden die Mittel frei, die man braucht, um seinen Kindern den ultimativen amerikanischen Schultraum zu erfüllen: den Besuch einer Privatschule. „Live small, educate big“, nennt die „New York Times“ dieses Phänomen.

Ich frage mich, wie „Experten“, ohne rot zu werden, angesichts dieser Segregation im Gesamtschulland USA penetrant behaupten können, Gesamtschulen würden für eine soziale Durchmischung sorgen. Das genaue Gegenteil ist der Fall, weil Eltern eben nicht verlogenen „Experten“ vertrauen, sondern das Beste für ihre Kinder wollen.

(1) Siehe dazu Michelle Higgins, The Get-Into-School Card. In: The New York Times Online vom 3. Mai 2013.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

3 Antworten zu “Gerhard Riegler: Live small, educate big!

  1. Anna S.

    Die Intelligenz eines Kindes ist also egal – Hauptsache, man hat das Geld für eine „gute“ Schule?

  2. Dr. Margit Kraker

    Zum Kommentar von Anna S.: Ja, das ist nun mal die Realität!
    Abgesehen davon: Ist für weniger intelligente Kinder eine schlechte Schule eh gut genug???

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