Gerhard Riegler: Ministerielle Phobien

Mit „Missmut“, so meldete die Austria Presseagentur am Mittwoch zu später Abendstunde, habe Beamtenministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) auf die Größe der Verhandlungsdelegation der fünf Lehrergewerkschaften reagiert. Die Gespräche wurden deshalb von Heinisch-Hosek bereits nach rund einer Stunde abgebrochen.

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War die GÖD mit einer Hundertschaft zur Verhandlung angerückt? Weit gefehlt! Fünfzehn gewählte LehrervertreterInnen waren erschienen.

Verhielt sich die Beamtenministerin aus Angst derart unprofessionell, wurde sie Opfer spontan auftretender Demophobie? Das wäre erstaunlich, war die Ministerin doch vor ihrer Politkarriere achtzehn Jahre lang Lehrerin. Die Hälfte der in einer Oberstufenklasse zu unterrichtenden Personen sollte sie nicht aus der Fassung bringen, auch wenn sie nie in einer Oberstufe unterrichtet hat. Ein Blick in eine Liste möglicher anderer Phobien lässt mich rätseln. Leidet Gabriele Heinisch-Hosek vielleicht an…

  • Allodoxaphobie, der Angst vor einer anderen Meinung? Schreckt sie davor zurück, mit dem Befund der Lehrervertretung zum angeblich unwiderstehlich attraktiven neuen Dienstrecht konfrontiert zu werden?
  • Arithmophobie, der Angst vor Zahlen? Fürchtet sie nochmals vorgerechnet zu bekommen, dass künftige LehrerInnen in ihrem Berufsleben um viele Hunderttausend Euro weniger verdienen würden als derzeit?
  • Gnosiophobie, der Angst vor Wissen? Möchte sie gar nicht so genau wissen, welche negativen Auswirkungen das neue Dienstrecht auf die Schulqualität haben würde?

Die Lehrergewerkschaften leiden jedenfalls weder an Ligyrophobie noch an Glossophobie (1), haben also keine Angst davor, weiterhin laut und deutlich in aller Öffentlichkeit ihre Meinung zu sagen, auch wenn sie BM Heinisch-Hosek nicht einmal hinter verschlossenen Türen hören will.

P.S.: „Was geschieht wohl, wenn jene, die eigentlich unsere Helden des Alltags sind, weil sie ausgleichen sollen, wozu wir Eltern nicht mehr in der Lage oder Willens [sic!] sind, von uns beschimpft anstatt geehrt und respektiert werden?“ (2) Diese rhetorische Frage sollte sich BM Heinisch-Hosek einmal stellen. Sie stammt von ihrem sozialdemokratischen Kollegen Mathias Brodkorb, dem Bildungsminister Mecklenburg-Vorpommerns.

(1) Ligyrophobie: Angst vor Lärm; Glossophobie: Angst davor, in der Öffentlichkeit zu sprechen

(2) Mathias Brodkorb, Unser Problem? Die ewigen Besserwisser! – Eine Polemik, veröffentlicht am 8. September 2012.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


3 Gedanken zu “Gerhard Riegler: Ministerielle Phobien

  1. Ich diagnostiziere: alle drei Phobien, denn als Verhandlungsführer der BMHS-Gewerkschaft hatte ich bisher keine Gelegenheit mit der Regierung zu verhandeln. Ein Jahr lang Gespräche mit Beamten ohne Verhandlungsmandat und jetzt der von Hi-Ho medial begleitete Rauswurf. Chance auf Besserung: kaum, denn auch künftig hat die BMHS-Gewerkschaft zwar das Verhandlungsmandat aber keine Möglichkeit, dieses einzusetzen. Jürgen Rainer, BMHS-Gewerkschaft

  2. Die Lehrer wollen nicht weniger Geld, warum auch? Niemand will weniger Geld. Wir wollen allen mehr Geld und mehr Staatsschulden. Wollen wir je ein konsolidiertes Budget? Vielleicht, aber da müssen noch höhere Steuern her. Man könnte ja bei den Mindestrentnern oder den Familien oder den Sozialhilfeempfängern kürzen, wenn man schon nicht noch höhere Steuern haben will.
    So wie ist es bei den Kindern?
    Da fragt der Nikolaus: „Warst du brav“
    Ich frage die Lehrer: „Habt ihr gute Leistung erbracht? Werden die Pisatests von Jahr zu Jahr besser? Führen wir in Europa mit unserem tollen Bildungssystem?“
    Nein.
    Es wird die Ausrede kommen: „Das liegt an den Eltern und an den Migranten!“
    Komisch, Schweden ist ebenfalls ein sozialistisches Zuwanderungsland und dort ist das Bildungssystem 1.a.
    Kommen wir zum nächsten Punkt, nämlich dem menschenrechtswidigen Entlohnungsschema mit Bienalsprünge nach Alter:
    Laut EU-Grundrechte-Charta gilt, dass niemand bei gleicher Arbeitsleistung aufgrund der Zugehörigkeit einer Gruppe oder individuellen Dingen mit einem schlechteren Gehalt entlohnt werden darf. Bei den LeherInnengehältern müsste demnach die AltlehrerIn die 1,75% Leistung der JunglehrerIn erbringen. Daran zweifle ich im Allgemeinen doch etwas!
    Ich hätte ein Entlohnungsschema von 2.500€ Brutto Einstiegsgehalt vorgeschlagen, nach 3 Jahren 2.750€ Bruttogehalt, bis zu einem Maximalgehalt von 3.250,-€. Mehr Geld gibts nur bei mehr Leistung oder erweiterten Aufgabenbereich.

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