Gerhard Riegler: Osterwünsche

Einer Aussendung der SPÖ vom 11. März 2013 (1) entnehme ich folgende interessante Information:

FREITAG, 15. März 2013: […] Bundesministerin Claudia Schmied reist anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Dürers Meisterwerke“ der Albertina in der Washington National Gallery nach Washington und nimmt weitere kunst- und kulturpolitische Termine wahr (bis Dienstag, 19.3.).

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BM Schmied begleitete Albrecht Dürers „Feldhasen“ auf seiner Reise nach Washington, und das nur wenige Tage nach ihrem Ausflug nach Los Angeles anlässlich der „Oscar“-Verleihung 2013.

Schade, dass BM Schmied innerhalb kürzester Zeit zwei Mal die Gelegenheit verstreichen ließ, am Rande ihres repräsentativen Auftretens einen interessierten Blick auf das reale Gesamtschulsystem der USA zu werfen. Gerade der Großraum Washington böte ebenso wie Los Angeles konkrete Einsichten in das klägliche Scheitern der Gesamtschulidee, blühen doch in beiden Gegenden massenweise sündteure Privatinstitute, die allen Betuchten die Flucht aus den staatlichen Gesamtschulen ermöglichen und wohl alle weniger Betuchten davon träumen lassen.

Sich mit banaler schulischer Alltagsarbeit auseinanderzusetzen, war ja noch nie die Sache der Unterrichtsministerin. Viel lieber suchte sie das Rampenlicht der Kulturszene oder schaffte sich ihre eigene strahlende Schulwelt in Inseraten, Broschüren und inszenierten Schulbesuchen.

Gibt es wirklich nichts Wichtigeres und Dringlicheres für BM Schmied, als „Oscar“-Gewinner zu herzen oder Kunstwerke auf Weltreisen zu begleiten?

Angeblich diente Dürers Feldhase als Vorbild für die derzeit allgegenwärtigen Schoko-Osterhasen. Da unser „Brief ans Christkind“ bei der Ministerin noch keine Verhaltensänderungen bewirkte, lege ich – im Vertrauen auf den Osterhasen – eine besonders dringende „Short List“ unserer Wünsche ans Christkind ins ministerielle Osternest:

  • Schenke PolitikerInnen das Interesse, sich mit bildungswissenschaftlichen Studien seriös auseinanderzusetzen!
  • Erhalte den Eltern das Recht, ihren Kindern eine individuelle Nachmittagsgestaltung zu bewahren, wenn ihre familiären Umstände das ermöglichen!
  • Schenke unserer Unterrichtsministerin die Erkenntnis, dass die reale Schulwelt ganz anders aussieht, als ihre Inserate und Hochglanzbroschüren es erscheinen lassen wollen!

Aber auch der vorweihnachtliche Wunsch an uns LehrerInnen ist nach wie vor brandaktuell: Gib uns LehrerInnen weiterhin die Kraft, den Zorn über eine unerträgliche Bildungspolitik in positive Energie zum Wohl der uns anvertrauten SchülerInnen zu verwandeln!

(1) SPÖ-Termine von 11. März bis 17. März 2013.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

2 Antworten zu “Gerhard Riegler: Osterwünsche

  1. Möglicherweise sind PolitikerInnen vom Kaliber unserer Unterrichtsministerin auch mit ein Grund, warum in Österreich ein Newcomer wie Frank Stronach oder in Italien ein Komiker wie Pepe Grillo bei ernsten Wahlen trotzdem so viele Stimmen erhalten …

    • hilzi

      ich kann dem Herren nur recht geben. Es ist ungalublich wie viele Ignoranten sich an der Bildungspolitik vergreifen und das Niveau unserer Bildung immer weiter bergab geht. Ich bin schon dreißig Jahre in der Bildung tätig aber so etwas wie es momentan abgeht , gabs wohl noch nie, weil immer mehr in der Bildungspolitik das Sagen haben, die von allem keine Ahnung haben. Dagegen sind Osterhase und Christkind leider machtlos. Armes Österreich!!!

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