Schuldsvermutung

So sehr ich auch Kritik an manchem äußere, was vom BMUKK kommt, so wenig hat das mit der Qualität der dortigen Mitarbeiter (1) zu tun. Ich kenne viele sehr kompetente und lösungsorientierte Bedienstete im BMUKK, die durch ihre Arbeit ständig bemüht sind, die Folgen politischer Fehlentscheidungen möglichst abzumildern. BMUKK-Mitarbeiter leiden oftmals unter politischen Entscheidungen genauso wie wir – und das hat gar nichts mit fraktioneller Zugehörigkeit oder weltanschaulicher Ausrichtung zu tun.

bigstock-Vector-format-of-finger-print--25072778_blogUmso erstaunlicher ist es, dass BM Schmied die Expertise ihrer Mitarbeiter nicht nutzt, sondern mindestens 1,5 Millionen Euro an Steuergeldern verschleudert, um politisch genehme „Experten“ zu Rate zu ziehen, wie ich gerade der „Presse“ entnehme. (2) Ein paar Beispiele gefällig?

  • Die Agentur Ecker und Partner erhielt seit 2007 mehr als 670.000 Euro u. a. nur für die Koordination (!) der NMS-Werbung und jährlich 80.000 Euro für die PR-Tätigkeit rund um die „Reformprojekte“ von BM Schmied wie etwa die „Dialogtouren“ durch die Bundesländer. Dietmar Ecker war in den 1990er-Jahren Kommunikationsleiter in der SPÖ-Parteizentrale.
  • Zahlreiche kleinere Aufträge erhielt die Agentur 2move, die BM Schmied bei der „Qualitätsoffensive Berufsbildung“ berät. Walter Degendorfer, früherer „roter“ Rektor der PH Burgenland, ist der Organisationsentwickler.
  • 85.000 Euro vergab BM Schmied 2010 an die Agentur Lowe GGK. Geschäftsführer ist Rudi Kobza, der seine Firma Kobza Media von Nikolaus Pelinka leiten lässt. Letzterer machte Schlagzeilen als designierter Büroleiter von ORF-Chef Alexander Wrabetz und war davor Schmieds Pressesprecher.
  • Weitere Begünstigte: die Agentur „Communication Matters“, deren Gesellschafterin Dagmar Hemmer für SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl arbeitete, und Peter Menasse, der 2010 und 2011 mehr als 40.000 Euro für „kulturpolitische Beratungsleistungen“ kassierte.
  • Besonders skurril: Zwischen 2010 und Juli 2012 gingen fast 400.000 Euro an Deloitte für Beratertätigkeit rund um ein neues Lehrerdienstrecht einschließlich der Entwicklung eines Computerprogramms, um die budgetären Auswirkungen sichtbar zu machen. Ich vermute einmal, es handelt sich dabei um eine Excel-Tabelle.

Es ist nur schwer vorstellbar, dass mögliche Auswirkungen eines geänderten Lehrerdienstrechts auf die Gehälter nicht zum Beispiel kostengünstig im VP-geführten Finanzministerium berechnet werden könnten. Doch dort war man wahrscheinlich nicht parteinah genug“, lese ich dazu in einem anderen „Presse“-Kommentar. (3)

Warum verschleudert BM Schmied leichtfertig Steuermillionen? Geht es nur darum, Parteifreunden Aufträge zukommen zu lassen, oder hegt sie gegenüber ihren Mitarbeitern grundsätzlich die „Schuldsvermutung“?

Kapital kann man beschaffen, Fabriken kann man bauen, Menschen muss man gewinnen“, stellte einst ein deutscher Topmanager fest. (4) Letzteres gehört wohl nicht zu den Stärken von BM Schmied, vermute ich jetzt einmal.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Schmied: 1,5 Mio. Euro für rote Berater. In: Presse Online vom 8. Februar 2013.

(3) Florian Asamer, Gut beraten, schlecht beraten. In: Presse Online vom 9. Februar 2013.

(4) Hans Christoph von Rohr, 1995 Vorstandsvorsitzender der Klöckner Werke AG, zit. n. Kai Grünberg, Wirkung von Rechtsform und Unternehmensgröße auf die Mitarbeitermotivation (Hamburg 2009), S. 31.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


6 Gedanken zu “Schuldsvermutung

  1. „Da geht einem ja das G’impfte auf“, wenn man so etwas liest. Doch bei genauerem Nachdenken scheint es klar zu sein: Mangelndes Wissen und Können lassen sich vermutlich nur durch externe Expertisen kompensieren. Und wenn man von Finanzen nicht viel versteht, ist man sicher auch bereit, Summen für Leistungen zu bezahlen, die sie entweder gar nicht Wert sind oder die man eigentlich nicht benötigt hätte …

  2. Was ist mit den dubiosen vergaben von agenturverträgen im innenministerium unter maria fekter? ich würd die schwarze brille runternehmen um einen neutraleren blick zu haben!

    Kommentar Quin: Ich habe als Lehrervertreter mit dem BMUKK zu tun und höre dort ständig, dass selbst Forderungen, die nur minimale Kosten verursachen, nicht erfüllt werden können, weil kein Geld vorhanden sei. Gleichzeitig gibt BM Schmied aber Millionenbeträge für externe „ExpertInnen“ aus, obwohl die Expertise bei den MitarbeiterInnen des eigenen Ressorts zu finden wäre. Was ich davon halte, schreibe ich aus Gründen der Höflichkeit lieber nicht.
    Wenn in anderen Ressorts ähnliche Zustände herrschen, ist das natürlich ebenso anzuprangern, aber ich bin dafür sicher nicht die richtige Person, weil mir der Einblick in andere Ministerien fehlt.

  3. Ich kann nicht beurteilen, ob es finanziell günstiger ist, externe Berater und deren Expertise einzukaufen, oder die Experten der eigenen Institution arbeiten zu lassen.
    Bei allen Enwicklungen ist jedenfalls sicher zu stellen, dass:
    1. Alle geltenden Erlässe des BMUKK eingehalten werden (z.B. die Erlässe zu Individualisierung und Begabtenförderung)
    2. Die Erfahrung der handelnden Personen im Schulwesen (Lehrer/innen, Schulleiter/innen, Mitarbeiter/innen im mittleren Management, …) gleichwertig zu Empfehlungen externer Berater wahrgenommen werden
    3. Öffentliche Geldmittel ausschließlich für das „Kerngeschäft“ des österreichischen Bildungswesens eingesetzt werden: Betreuung und Förderung der österreichischen Schülerinnen und Schüler.
    So einfach ist das (wäre das) …

  4. Habe den Beitrag an Christian Rainer vom Profil geschick: das ist seine Antwort:

    Da sie mir „parteifreunde“ unterstellen, obwohl sie langjaeheriger „Abonnement“ sind, lese ich gar nicht weiter. Mfg rai

    From: „Gerhard Vörös“ Date: Sat, 9 Feb 2013 16:10:54 +0000 To: rainer christian Subject: Fwd: Schuldsvermutung

    Guten Tag, Herr Rainer!

    Als langjähriger Abbonnement würde ich mich freuen, wenn Sie hierzu Stellung nehmen würden. Oder wollen Sie Ihre Parteifreunde vor der Wahl nicht verärgern?

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Gerhard Vörös

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