Gerhard Riegler: Teure Arroganz

Im Amtsblatt zur Wiener Zeitung vom 17. November 2012 findet sich eine höchst interessante Ausschreibung des BMUKK. Zu vergeben sind zwei DirektorInnen-Posten in einer „selbstständigen Einrichtung des BMUKK“ (1). Nur böse Zungen behaupten, dass sich der Begriff „selbstständig“ darauf bezieht, dass nämliche Institution selbst ständig nach mehr Mitteln aus dem Budget ruft – und auch erhält. Letzteres ist der sichere Hinweis darauf, dass es sich um keine Schule handeln kann. Denn SchulleiterInnen wird zwar auch „Selbstständigkeit“ unter dem Deckmäntelchen der „Autonomie“ vorgegaukelt, doch entpuppt sich selbige in der Praxis als autonome Verwaltung eines ständig wachsenden Mangels.

Insider wissen ohnehin längst, um welches Institut es sich handelt. Das „Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens“, besser bekannt als BIFIE, soll eine neue Führung bekommen.

Die Ausschreibung datiert vom 13. November 2012, wurde also exakt zehn Tage nach Veröffentlichung des vernichtenden Rechnungshofberichts zum BIFIE (2) erstellt. In seiner Analyse wirft der Rechnungshof der vom BMUKK eingesetzten BIFIE-Führung unter anderem „schwach ausgeprägte kaufmännische Kompetenz“ vor und erkennt ein Einsparungspotenzial in Millionenhöhe. Auch über die Gagen der BIFIE-Direktoren zeigt sich der Rechnungshof wenig „amused“, liegen sie doch deutlich über denen der höchsten BeamtInnen des BMUKK.

Ein Blick in die Wiener Zeitung offenbart, dass jedenfalls dieser Teil der Rechnungshofkritik BM Schmied nicht einmal ein müdes Lächeln entlockte: Neuerlich winken stolze 150.000 Euro Jahresgage den zukünftigen BIFIE-DirektorInnen. Bezüge ähnlicher Höhe sind für Mitglieder der Bundesregierung vorgesehen.

Wenn Rechnungshofberichte derart ungeniert in der ministeriellen Rundablage landen, ist Einsparungspotenzial erwiesen: entweder im BMUKK mit seiner Außenstelle BIFIE oder aber beim Rechnungshof, dessen Berichte „nicht einmal ignoriert“ werden. An den „nachgeordneten Dienststellen“, sprich Schulen, haben wir genug Möglichkeiten, die frei werdenden Ressourcen zu verwenden – und sei es für den Ankauf von WC-Papier.

(1) Wiener Zeitung vom 17. November 2012

(2) Rechnungshof (Hrsg.), Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) (3. November 2012), Seite 188

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.


3 Gedanken zu “Gerhard Riegler: Teure Arroganz

  1. Ich schlage vor dass sich viele viele Lehrer (die den Blog hier verfolgen) ein Bewerbungsschreiben verfassen. Vielleicht haben wir Lehrer ja Glück und es wird einer von uns und dann kann jemand mit Ahnung die Geschicke des BIFIE in die richtige Richtung lenken!

  2. Hinwegsetzen und Aussitzen sind Programm im bmukk. Vollig gleich ob es um Ganztags-, Zentralmatura- oder bifie-Sachen geht.
    Kein Wunder also, dass auch ein Rechnungshofbericht nichts auszurichten vermag. Entweder wertet man endlich die Befugnisse des RH auf oder die der Anmaßungen aus dem bmukk ab.
    Sonst bleibt denen an den Schulstandorten angesichts der ministeriellen Geldvernichtung künftig die Rolle, Mängel so zu verwalten, dass das Werkl trotzdem noch läuft.

  3. Der RH-Bericht zur Klassenschülerhöchstzahl 25 feiert übrigens auch bald seinen zweiten Geburtstag. Er hat die Diskriminierung der AHS durch BM Schmied in Zahlen auf den Punkt gebracht: Nicht einmal 6,1 % der finanziellen Mittel, die das BMUKK für die Umsetzung der Klassenschülerhöchstzahl vom Finanzministerium erhält, sind im Beobachtungszeitraum an der AHS gelandet.
    Wie sollen wir unseren Schülerinnen und Schülern den Glauben an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vermitteln, wenn das alles nicht das Papier wert ist, auf dem es geschrieben steht? Sollen wir unseren Schülerinnen und Schülern dies im Rahmen der politischen Bildung verschweigen?

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