Lehrerlust und Bankenfrust

Jeder kennt die angeblich von Winston Churchill stammenden Worte, man solle keiner Statistik trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. (1) Ich konnte nicht umhin, bei folgender Meldung in der „Kronen Zeitung“ zum neuen Besoldungsschema für LehrerInnen daran zu denken:

Der „Krone“ liegt nun der Regierungsentwurf zu den Gehaltsplänen vor, demnach steigt das Lebenseinkommen der Pädagogen mit dem neuen Modell um bis zu 30 Prozent. […] Das Regierungspapier listet für jede Schulart einen Vergleich der Einkommen nach altem und neuem Schema auf, so sollen Volksschullehrer künftig insgesamt um 6,67 Prozent mehr verdienen als bisher, Pädagogen in Hauptschule und Neuer Mittelschule um knapp 15 Prozent. Das größte Verdienstplus ist für Fachpraktiker in Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen vorgesehen: Plus 30,92 Prozent.“ (2)

Österreich, Printausgabe vom 23. Mai 2012

Ohne das mit der Dienstgeberseite vereinbarte Stillschweigen über konkrete Inhalte des Entwurfs zu brechen, dazu zwei Anmerkungen:

  • Die vom Dienstgeber präsentierten Berechnungen haben auf Dienstnehmerseite teilweise schallendes Gelächter ausgelöst. Wenn man bizarren Humor mag, hatte die letzte Gesprächsrunde zweifellos hohen Unterhaltungswert.
  • „Österreich“, dem der Gesetzesentwurf schon länger vorliegt (siehe Faksimile der Print-Ausgabe vom 23. Mai 2012), ist ja nicht gerade eine Gewerkschaftspublikation, und trotzdem war dort von rund einer halben Million Euro die Rede, die LehrerInnen nach dem neuen Modell nur in der Aktivzeit verlieren. (3)

Mir haben die Darstellungen des BMUKK jedenfalls eine Erkenntnis beschert: Wenn BM Dr. Schmied im Vorstand der Kommunalkredit ebenso seriös gerechnet hat wie beim neuen Besoldungsschema, verstehe ich jetzt, warum diese Bank 2008 notverstaatlicht werden musste und uns, die SteuerzahlerInnen, Milliarden kostet.

(1) „The only statistics you can trust are those you falsified yourself.“ Ebenfalls in dieser Variante bekannt: „I only believe in statistics that I doctored myself.“ Wahrscheinlich wurde Churchill diese Aussage von den Nationalsozialisten angedichtet, um seine Glaubwürdigkeit zu untergraben.

(2) Kronen Zeitung vom 13. Juni 2012.

(3) Katharina Nagele, Geheim: Die neuen Gehälter der Lehrer. In: Österreich, Printausgabe vom 23. Mai 2012.

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Lehrerlust und Bankenfrust

  1. Mag. Gilbert Jaros

    Weiß die Ministerin, dass die Ferien unbezahlt sind und lediglich der Jahreslohn von 10 Monaten auf 12 Monate aufgeteilt wird?(Ersichtlich aus dem Vertragsbedienstetengesetz, §44d)

  2. Mag. Elisabeth HEINRICH

    Ich bin einfach nur dankbar, dass es Leute gibt, die sich für uns durch den „Rechte-/Paragraphendschungel“ arbeiten und unsere Rechte(!)/Pflichten/Wünsche… vertreten:-)!

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